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Ikki Organisationen

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So mischten sich die zum Beispiel in die zuvor geschilderten doikki in der Ônin- und Bunmei-Periode ein , indem sie sich auf die Seite des shugo TOGASHI Masachika stellten, und durch dessen Sieg das Machtgleichgewicht auf dessen Seite verlagerten. Allerdings verwarfen sie sich kurze Zeit später mit eben diesem shugo, da sie sich dessen Befehlen nicht unterordnen wollten. Dies führte 1488 zum offenen Kampf zwischen den und den Truppen des shugo. All dieses geschah gegen den Willen Rennyo´s, der schon längst die Kontrolle über das Machtinstrument verloren hatte. Die besiegten die Heere des shugo, zwangen ihn zum Selbstmord und wählten einen Verwandten Masachika´s, nämlich TOGASHI Yasutaku, nominell zum neuen shugo der Provinz Kaga. Die eigentliche Macht lag von nun an allerdings in der Hand der kokujin unter den Anhängern der jôdo shinshû. Im Jahr 1531 hatten sie die Macht über die Provinz Kaga vollständig übernommen. Das bakufu fühlte sich auf direkte Weise von den Vorgängen in der Kaga-Provinz bedroht, mußte es doch um seine Steuereinnahmen aus diesem Gebiet bangen. So bestand ja die Gefahr, daß wenn Bauern dem Glauben beitreten würden, sie annähmen, daß wenn sie dem Haupttempel der Honganji-Schule Beiträge brächten, sie vor der Autorität des bakufu sicher seien. Und tatsächlich sank auch unter den Bauern die Bereitschaft Steuern zu zahlen. Die ikkô-ikki Bauernorganisationen besaßen bedingt durch den Glauben eine sehr starke Zusammengehörigkeit. Und dies ist sicherlich, neben den ungeheuerlich großen Truppen , die bei den ikkô-ikki auftraten, und der großen Anzahl an über das ganze Land verstreuten Aufständen und Kampfhandlungen, auch einer der Gründe , warum die daimyô und das bakufu mit den ikkô-ikki ihre größten Probleme hatten. So gab es zum Beispiel auch 1532 einen von ikkô initiierten Aufstand in Nara. In dessen Verlauf attackierten die Aufständischen den Kasuga-Schrein und Kôfukuji, verteilten sich die Aufständischen nach Settsu, Kawachi und Izumi, und brannten dort kleinere Festungen, rivalisierende Tempel und Verwaltungsgebäude nieder. Auch hier mußten daimyô und bakufu beinahe ohnmächtig beobachten, wie die ikkô durch Einsatz kollektiver Gewalt, in Übereinkunft mit den lokalen Kriegern und Verwaltern der Provinzen, beachtliche politische und wirtschaftliche Ziele erreichten. Hiervon wäre die Überführung der Provinz Kaga in ein als das Eindrucksvollste zu nennen. Um 1600 hatte sich das ikkô-ikki bis nach Hida, Mikawa und bis zu Gegenden bei Nagoya ausgebreitet. Etwa einhundert Jahre lang konnten die Bauern der Provinz Kaga in selbstverwaltenden Dorfgemeinschaften ( sôson) ihr Leben führen. Auch nachdem die kuni ikki und die doikki schon befriedet waren, konnten Bauern und kokujin ihre Selbstständigkeit behaupten. Der Handel florierte und eine etwaige Unterdrückung durch anliegende Feudalherren fand zunächst wegen fehlenden Macht nicht statt. Das weitgehende Selbstbestimmungsrecht entschwand schließlich, als die Macht der kokujin-Klasse weiter anwuchs und sie mit den als Herrschaftsinstrument über die Bauern herrschten.

tokusei ikki

Grob verallgemeinernd läßt sich zu tokusei-ikki sagen, daß alle zuvor genannten Erscheinungsformen des ikki (im Sinne von Aufstand) sobald sie auf die Stadt übergehen, zu einem tokusei-ikki werden können. Das heißt, die Aufständischen benutzten ihren mengenbedingten, machtvollen Auftritt, um Zusagen des bakufu, der dogura oder sonstiger Institutionen, von denen sie sich Erleichterung jedweder Form versprachen, zu erzwingen. So waren also tokusei-ikki sorgsam zusammengesetzte Demonstrationen, deren Teilnehmer nicht vor Brandstiftung und manchmal in einem Akt von gewalttätiger Wut gegenüber brutaler Ungerechtigkeit sogar nicht vor Mord zurückschreckten, um das sonst so ferne Bild des Aufstandes, an die Augen der Bewohner der Residenz heranzutragen. Das zeigt aber auch gleichzeitig an, daß tokusei ikki in ihren Folgen als am katastrophalsten zu erwähnen sind. Denn man kann sich leicht vorstellen, daß die Kampf- und Zerstörungshandlungen der Aufständischen und ihrer Gegner in den engen Straßen der Städte um einiges verheerender waren, als Kämpfe mit vergleichbarem Truppenaufkommen auf weitläufigen Landstrichen. Anschauliche Beispiele für tokusei-ikki sind die Vorfälle aus den Jahren 1418 und 1428. Der erste von beiden fand, zehn Jahre nach dem Tod Ashikaga Yoshimitsu´s in der Nähe von Heian statt. Die hier ansässigen bashaku (Pferde- und Wagenverleiher) forderten tokusei, eine für sie „ gerechte Regierung ", das hieß hier im Speziellen die Befreiung von Schuldverpflichtungen, und drangen anschließend in die Residenz ein. Ähnlich verlief der tokusei-ikki von 1428: Als eine Hungersnot ausbrach, weil der alte Reis verbraucht war und der neue noch nicht geerntet werden konnte, forderten die bashaku, diesmal die der Provinz Ômi, als erste eine tokusei, ebenso dann aber auch die Bürger Kyoto´s, die Bauern und die bashaku der Umgebung. Hier stürmten Aufständische Tempel, Schreine und die Niederlassungen der dogura, zerstörten Gebäude, zerrissen die Schuldscheine und plünderten die Warenbestände. Dieser Aufstand mit der Forderung nach tokusei erfaßte das gesamte Kinki-Gebiet, wie ja schon zuvor bei dem Abriß über die doikki/tsuchi-ikki erwähnt. Die Bauern in Kanbegô (Provinz Yamato) proklamierten selbst eine tokusei, indem sie ihre Forderung „tokusei für das ganze Land" in Stein meißelten. Das bakufu versuchte mehrfach der Lage durch den Notbehelf des Schuldenerlasses beizukommen, dies aber mit wenig Erfolg. Im Jahr 1441 sank die Autorität auf den Tiefpunkt. Als direkte Folge daraus häuften sich Tokusei ikki und 1443 wurde dann die Hauptstadt erneut Ziel der Aufrührer. Bedingt durch das Verhalten der Aufständischen, wurde aus dem Begriff tokusei, der ihren Wunsch nach „gerechter Regierung" ausdrücken sollte, bald eher eine Euphemisme für „Schuldenlöschung".

Schlußbetrachtung

Ein Stichwort, welches bei der Betrachtung des Phänomens ikki im Gedächtnis bleiben sollte, ist gekokujô. Damit sind besonders die Kämpfe gemeint, die in dem Zeitraum von 100 Jahren seit dem Ônin-Krieg entstanden waren. Hierbei lehnten sich immer wieder Vasallen gegen ihre Herren auf. Sollte es ihnen dabei gelingen selber an die Macht zu kommen, wurden sie meist bald danach von ihren eigenen Gefolgsleuten wieder von dieser Position verdrängt. An höherer Stelle versagten die daimyô dem Shôgun die Ehrerbietung. Die Machtstrukturen waren zu dieser Zeit in ständiger Bewegung. Anstatt der daimyô begannen auch in rückständigeren Gebieten kokujin zu herrschen. Die tennô-Familie verarmte. Man kann also sagen, daß unter anderem all die Mitglieder der unteren sozialen Klassen, die in diesen Prozeß des gekokujô involviert waren, durch die ikki ihre soziale und wirtschaftliche Stellung verbessern konnten. Dies allerdings auch nur in gewissen Grenzen, denn obwohl sich die Bauern im Verlauf der zahlreichen ikki emanzipieren konnten und jetzt nicht mehr ganz machtlos den Mutwilligkeiten der Autoritäten ausgeliefert waren, blieben sie immer die Marionetten in den Händen der gesellschaftlich Höhergestellten, denn letztendlich konnten nur die kokujin, jizamurai und bushi durch die ikki dauerhaft ihre Macht ausbauen und ihre Position deutlich verbessern.

Literatur zum Thema
Berry, Mary Elizabeth: The Culture of Civil War in Kyoto. Los Angeles: University of California Press 1947.
Davis, David L: Ikki in Late Medieval Japan. In: Medieval Japan. Hrsg. von John W.Hall & Jeffrey P.Mass. New Haven/ London: Essays in Institutional History 1974.
NAGAHARA Keiji & YAMAMURA Kozu: Ikkou Ikki. In: Japan before Tokugawa. Hrsg. von John W. Hall. New Jersey: Princeton University Press 1981.
Walthall, Anne: Social Protest and Popular Culture in Eighteenth-Century Japan. Tuscon: The University of Arizona Press 1986.

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