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Folgen der Mongoleninvasionen
Die politische und ökonomische Bedeutung der Mongoleninvasion für Japan

Von Erik Schicketanz

Die Jahre, die auf die 2. Mongoleninvasion folgten, waren sowohl durch Reformen auf verschiedenen Gebieten, als auch durch starke Konflikte innerhalb des bakufu gekennzeichnet. Anfang des Jahres 1284 starb unerwartet HÔJÔ Tokimune. Nachfolger auf dem Posten des shikken wurde sein gerade erst 14-jähriger Sohn Sadatoki. Da er noch zu jung war, alleine zu regieren, standen ihm etliche Berater zur Seite. Die bedeutendsten waren sein einflußreicher Großvater mütterlicherseits, ADACHI Yasumori, der enge Verbindungen sowohl zum shikken auch zum shôgun unterhielt, und TAIRA Yoritsuna, ein einflußreicher miuchibito. Zwischen diesen beiden bedeutenden Persönlichkeiten in Kamakura bestand eine Rivalität, die zu einem späteren Zeitpunkt in einen bewaffneten Konflikt münden sollte.
Zunächst (1284) setzte sich jedoch besonders ADACHI Yasumori für Reformen ein, die die finanzielle Lage der Krieger auf Kyûshû verbessern sollte. Darüber hinaus sollten sie als eine Belohnung für diese Krieger und auch für religiöse Institutionen in Bezug auf ihre Dienste während der Mongolenkrise fungieren. In diesem Zusammenhang ist auch das bekanntere tokusei-Edikt von 1297 zu sehen.

Viele Vasallen waren seit der Mitte des 13. Jahrhunderts immer weiter in finanzielle Schwierigkeiten gekommen. Diese Entwicklung hatte nach den Mongoleninvasionen ein solches Ausmaß angenommen, daß sich das bakufu genötigt sah, einzugreifen. Als Begründung für die wirtschaftliche Misere vieler Landbesitzer werden traditionell steigende Lebenshaltungskosten, ein sich im Umbruch befindendes Wirtschaftssystem und der Brauch, ein Erbe gleichmäßig unter allen Söhnen und Töchtern aufzuteilen (bunkatsu sôzoku), angesehen. Viele Kamakura-Vasallen kamen im Laufe der Jahre mit der höfischen Kultur Kyôtos in Berührung und versuchten nun, diese zu kopieren. Selbstverständlich war ein solches Unterfangen mit einem gewaltigen finanziellen Aufwand verbunden.  Dies hat man sich unter dem Begriff "steigende Lebenshaltungskosten" vorzustellen.
Hinzu kam, daß sich das Wirtschaftssystem Japans langsam von einem "Selbstversorger-System" zu einer Tauschwirtschaft hin wandelte. Im alten Wirtschaftssystem verhaftete Bevölkerungsgruppen mußten zwangsläufig in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das Aufkommen einer Geldwirtschaft, die Verwendung von aus China importierten Kupfermünzen, ließ die wirtschaftlichen Spannungen noch wachsen. Eine Geldwirtschaft ermöglichte die Entstehung einer Schicht von "Mittelsmännern" auf dem finanziellen Sektor (z.B.: dokura, die Geldverleiher), und es wurde Brauch, shôen-Steuern in Bargeld zu zahlen. Beides trug zu einer wirtschaftlichen Krise der Vasallen Kamakuras bei.
Die Schwierigkeit, die sich aus dem Brauch, ein Erbe zu teilen ergaben, war, daß nach einer gewissen Zeit die geerbten Ländereien einfach zu klein waren, als daß man von ihnen hätte leben können.
Die ständigen umfangreichen Ausgaben im Zusammenhang mit den Mongoleninvasionen (z.B.: Verköstigung und Ausrüstung einer großen Anzahl von Truppen) trugen ebenfalls dazu bei, die Vasallen, insbesondere auf Kyûshû, in eine wirtschaftliche Notsituation geraten zu lassen. Viele gokenin mußten ihre Kosten decken, indem sie große Teile ihres Grundbesitzes verkauften oder verpfändeten.

>Mittels der 1281 erlassenen Edikte wollte das bakufu den Vasallen auf Kyûshû Hilfe zukommen lassen. Land, das sie innerhalb von 20 Jahren durch Verkauf oder Verpfändung verloren hatten, mußte ihnen ohne eine Entschädigung der neuen Besitzer zurückgegeben werden. Schreine und Tempel in ganz Japan sollten sogar Land zurückerhalten, wenn dessen Veräußerung mehr als 20 Jahre zurücklag. Hiermit wird abermals deutlich, welchen Stellenwert man der religiösen oder vielmehr göttlichen Unterstützung bei der Verteidigung Japans beimaß. Weitere Beispiele hierfür sind auch im Belohnungsprogramm von 1286 zu finden.

Die tokusô-Autokratie

1285 spitzte sich der Konflikt zwischen ADACHI Yasumori und TAIRA Yoritsuna zu. Es ging um den Einfluß auf den shikken. Im 11. Monat griff TAIRA Yoritsuna, angeblich auf Geheiß Sadatokis, ADACHI Yasumori an. Dieser Vorfall ist als shimotsuki-Zwischenfall bekannt, so benannt nach dem Monat, in dem er stattfand. Ein Vorfall, der das damalige Ausmaß der lnstabilität der machtpolitischen Struktur Kamakuras verdeutlicht.
Generell kann man sagen, daß Streitigkeiten innerhalb des bakufu schon seit einiger Zeit existierten. Bereits nach dem Tod HÔJÔ Tokiyoris traten Spannungen unter den Mitgliedern des HÔJÔ-Clans auf. Eine Seitenlinie (die Nagoe-Linie) versuchte unter HÔJÔ Tokiaki der tokusô ihre führende Stellung streitig zu machen. Es gelang ihm, eine der drei wichtigsten Positionen des bakufu einzunehmen: die des Leiters des hikitsuke. Doch konnte er seine Macht von dieser Position aus nicht ausweiten und 1266 wurde unerwartet das hikitsuke aufgelöst. Der Antagonismus innerhalb des bakufu wurde intensiver. 1272 kam es zu den nigatsu-Unruhen, in deren Verlauf zahlreiche gegen die tokusô opponierende Krieger und Höflinge ums Leben kamen. Unter den Opfern befand sich auch Tokiaki.

Während des shimotsuki-Zwischenfalls fanden Yasumori und viele seiner Anhänger den Tod, die Überlebenden wurden ihrer politischen Macht beraubt. Ergebnis dieses Vorfalls war, daß sich die politische Macht in den Händen TAIRA Yoritsunas, also des Kopfes der miuchibito, konzentrierte. ADACHI Yasumori hatte unter gokenin und anderen, dem shôgun nahestehenden Personen eine große Anhängerschaft besessen. Diese waren selbstverständlich mit dem Ergebnis des shimotsuki-Zwischenfalls, nämlich einer Machtverschiebung zu Gunsten der tokusô, nicht zufrieden.
Um sich der Unterstützung der gokenin zu versichern, startete TAIRA Yoritsuna 1286 ein weiteres Belohnungsprogramm. Um den Mangel an Land, das zur Verteilung als Belohnung zur Verfügung stand, auszugleichen, traf das bakufu einige besondere Maßnahmen. So wurden Ländereien aus dem Privatbesitz des Shôgun, dem sogenannten kantô goryô, an Vasallen vergeben. Besitzungen außerhalb Kyûshûs konnten gegen solche innerhalb Kyûshûs eingetauscht werden. Außerdem war das bakufu durch den Untergang ADACHI Yasumoris und seiner Anhänger in den Besitz größerer Ländereien gelangt, die es unter seinen Vasallen verteilen konnte. Die Vergabe der Belohnungen verbesserte die Lage kleinerer Vasallen jedoch nicht, da der größte Teil der Ländereien an HÔJÔ oder ihnen nahestehende Personen ging. Ämter wurden, in Übereinstimmung hiermit, unter Yoritsuna meistens an den HÔJÔ freundlich gesonnene Vasallen vergeben. Sogar die 1284 zur Rettung der Vasallen erlassenen tokusei-Maßnahmen wurden annulliert. Weiterhin wurde eine extrem Hôjô-freundliche Politik betrieben.  Die "Regierungszeit" TAIRA Yoritsunas dauerte bis 1293. Zu diesem Zeitpunkt wurde er vom 24-jährigen Regenten Sadatoki beschuldigt, seinem Sohn Sukemune den Posten des shôgun zukommen lassen zu wollen. Yoritsuna wurde zusammen mit 90 Gefolgsleuten am Heizen-Tor, nach dem dieser Vorfall auch benannt ist, von Männern des Regenten angegriffen und getötet.
Mit dieser Tat befreite Sadatoki das bakufu von der Vorherrschaft TAIRA Yoritsunas, und die sogenannte tokusô-Autokratie, von der man schon ab dem shimotsuke-Zwischenfall sprechen kann, erlebte ihren Höhepunkt. Der Begriff tokusô war eigentlich nur der buddhistische Name HÔJÔ Yoshitokis, des 2.

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