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Temmu Tennô

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Das Yakusa-Kabane System
Nach der Taika-Reform von 645 stimmten die Kabane-Bezeichnungen der einzelnen Klans nicht mehr mit ihren realen Machtverhätnissen und gesellschaftlichen Positionen überein. Also führte Temmu-tennô in den Jahren 680-685 eine Neuordnung und Neuverleihung der Kabane durch, die unter anderem die Stellung des alten Hofadels schwächen sollte.
680/81 verlieh Temmu-tennô an achtzehn individuelle Personen aus 14 Klans den Titel muraji. Dieser Titel war bis zu diesem Zeitpunkt die Bezeichnung für Hofadlige, die als Nachfahren von Göttern galten, d.h. er bezeichnete eine sehr hoch gestellte Gesellschaftsklasse. Die Personen, an die in den Jahren 680/81 der Titel muraji verliehen wurde, waren aber nicht unbedingt Mitglieder dieser hohen Gesellschaftsschicht. Man vermutet, daß der Titel als Dank für persönliche Dienste für den Kaiser, wie z.B. Unterstützung im Jinshin-Bürgerkrieg, vergeben wurde.

Im Jahre 684 erließ Temmu-tennô ein Edikt, in dem er mitteilen ließ, daß das Kabane-System verändert werde und ein neues System bestehend aus acht Rängen eingeführt werde, das sogenannte yakusa no kabane. Die acht Ränge waren mahito, asomi, sukune, imiki, mich-no-shi, omi, muraji und inaki, wobei mahito der höchste Rang und inaki der niedrigste Rang war.
Aus der Formulierung des Edikts geht hervor, daß die Reform der Kabane nicht alle Klans betraf. Es ist eher so zu verstehen, daß eine relativ große Anzahl der Klans von der Neuerung betroffen war, und daß die restlichen Klans ihre Kabane behielten. Also wurde das neue über das alte System gestellt, ohne daß das alte System vollständig abgeschafft wurde Es folgte eine Zeit von fast zwei Jahren, in der die Titel verschiedenen Klan-Gruppen zugeordnet wurden.
Die Festigung der Macht mit Hilfe der Religionen
Im Jahre 685 n.Chr. ordnete Temmu-tennô in einem kaiserlichen Erlaß an, daß in jedem Haushalt ein butsudan-Schrein stehen muß. Dieses Gesetz blieb rechtskräftig bis in das Jahr 1871, in dem die offizielle Trennung von Staat und Buddhismus durchgesetzt wurde.
Der butsudan ist ein buddhistischer Hausaltar, der im Zusammenhang mit dem Totenkult der Familie des Hauses steht. Auf jedem butsudan befindet sich eine Buddhastatue, zu ihrer Rechten steht eine Figur, die den Gründer der Familie darstellt und zu ihrer Linken stehen Holztafeln, auf denen die buddhistischen Namen der Verstorbenen der Familie stehen. Vor dem butsudan werden an den Sterbetagen der Toten Andachten gehalten. Jeder butsudan ist unterschiedlich, je nach sozialer Stellung der Familie und Zugehörigkeit zu einer bestimmten buddhistischen Gemeinde.

Dies ist nur eine der Maßnahmen, die Temmu traf, um den Buddhismus weiter zu verbreiten. Unter anderem ließ er auch buddhistische Schriften in den Provinzen lesen, er verabschiedete ein Edikt, in dem er befahl, alle Tiere in den Provinzen frei zu lassen, er verteilte Stipendien an buddhistische Nonnen und Priester und benannte den Takech no Ôdera um in Daijikan, den großen offiziellen Tempel, womit er dem Staatsbuddhismus ein Zentrum gab. Von Bedeutung ist auch, daß er besonders die beiden Sutren Kokômyô-kyô und Ninnô-kyô verbreiten ließ, denn beide handeln von dem Versprechen den Staat und seine Führer zu schützen. Diese beiden Sutren spielen eine große Rolle im späteren ritsuryô-Buddhismus.

Die persönliche Beziehung des Temmu-tennô zum Buddhismus offenbart sich in seinem Glauben an die heilende Kraft des Buddhismus. Zum Anlaß einer Krankheit seiner Gefährtin, der späteren Kaiserin Jitô, ließ er den Yakushi-ji-Tempel bauen, der benannt ist nach dem yakushi-Sutra. Dieses ließ er auch während seiner eigenen Krankheiten lesen. Das Yakushi-Sutra und die Bedeutung Buddhas als Heiler wurden ebenso zu wichtigen Aspekten des ritsuryô-Buddhismus.

Doch die politische Legitimation suchte Temmu in erster Linie noch im Shintoismus. Er machte den Ise-Schrein zum obersten Ort der Verehrung der Ahnengötter und sich selbst zum obersten Priester. Zudem stellte er die Ahngöttin seines Klans, die Sonnengöttin Amaterasu, über alle anderen Klangötter und legte somit auch die besondere Rolle seines Klans fest.Dies waren die ersten drei Teile eines vierschichtigen Systems der Verehrung der Ahngötter. Auch sollten die wichtigsten Riten und Opfer nur für den und vom Kaiser durchgeführt werden.

Temmus ältester Bruder, der Kaiser Tenji und Kronregent NAKA no Ôe, hatte nach dem Staatsstreich von 645 mit Hilfe des SOGA no Umako einige Reformen entworfen, von denen aber viele nicht durchgeführt wurden auf Grund des fehlenden Machtpotentials. Der Kaiser Temmu realisierte Teile des Reformedikts und ließ sie schriftlich festlegen. Diese schriftliche Festlegung wurde unter dem Kaiser Mommu 701 zu einem Kodex zusammengefaßt, der Taihô-Kodex genannt wird, und der uns nur indirekt durch eine spätere Kommentierung überliefert worden ist.
Nur durch den Inhalt dieses Schriftstücks können wir auf die Taten Temmus schließen, wobei oft unklar wird, ob sie auch wirklich aus der Zeit Temmus stammen.
Die weitere Realisation der Taika-Reform und die Vorbereitung des Taihô-Kodexes
Die Tatsache, daß ein Kaiser durch einen Staatsstreich, der sich gegen einen schon inthronierten Kaiser wendet, zur Macht kommt, ist einmalig in der Geschichte Japans. Der Staatsstreich gab Temmu eine Machtgrundlage, die es ihm ermöglichte, die von seinen Vorgängern beschlossenen Neuerungen durchzusetzen. Seine Macht stützte sich auf die Unterstützung der entlegeneren Provinzen, wodurch alte Machtstrukturen afgebrochen wurden.
In der Realisation der Taika-Reform von 646 und der 17 Artikel von 607, die sich später im Taihô-Kodex von 701 manifestiert, tritt Temmu nicht unbedingt als Neuere auf. Trotzdem wäre die Entstehung des Taihô-Kodex ohne die Taten Temmus nicht möglich gewesen.
Die Abschaffung von Land und Unfreien als Privatbesitz kann hier als Beispiel genannt werden. Sie wurde schon 646 in der Taika-Reform beschlossen. Doch erst nach dem Herrschaftsatritt Temmus ist eine Übernahme von Privatbesitz in öffentlichen Besitz festzustellen. Temmu hat also dafür Sorge getragen, daß die Neuerung gegen den Widerstand der Klans durchgesetzt wurde. Die absolute Macht des Herrschers wurde zum Mittelpunkt der späteren Verfassung.

Auch die Förderung des Buddhismus ist ein hier zu nennendes Beispiel. 607 war der Staatsbuddhismus in den 17 Artikeln manifestiert worden. Aber erst Temmu förderte die Ausbreitung des Buddhismus konkret und wirksam und legte die grundlage für den späteren ritsuryô-Buddhismus.

Aber Temmu war nicht nur Vollstrecker und Vollender sondern er setzte auch eigene Akzente. Das Kabane-System ist hier zu nennen, das die Machtstrukturen der Klans erheblich stabilisiert hat, und den Übergang von einem son verschiedenen Klans beherrschten Landes zu einem zentralistischen Staat erst möglich machte.
Auch die Verstaatlichung und Zentralisierung des Shintôismus mit Hilfe des vierschichtigen Systems und die Einführung des Amtes eines höchsten Priesters sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Temmu war also sowohl Neuerer wie auch Vollender. Wie weit seine Herrschaft stabilisierend wirkte, erkennt man daran, daß für den Zeitraum der folgenden fünfundsiebzig Jahre alle Herrscher direkt von Temmu abstammen. Das Zentrum dieser Herrscher war Nara, die Region, in der Temmu und seine Familie begraben sind. Nara selbst wurde zum Zentrum einer neuen und prägenden Kulturepoche der japanischen Geschichte
Literatur zum Thema
Dettmer, Hans A.: Grundzüge der Geschichte Japans, Darmstadt, 1992, 5.Aufl.
Hall, John W.u.a.(Hrsg.): The Cambridge History of Japan, Bd.1, Cambridge, 1993
Hurst, G. Cameron: An emperor who ruled as well as reigned, in: Historical Figures of Japan, The Japan Culture Institute, 1978
Lewin, Bruno (Hrsg.): Kleines Lexikon der Japanologie, Wiesbaden, 1995
Miller, Richard J.: Ancient Japanese Nobility. The Kabane Ranking System, Berkeley/Los Angeles/London, 1974
Toby, Ronald P.: Why leave Nara. Kammu and the Transfer of the Capital, in: Monumenta Nipponica 40 (1985), 3, S.331-347

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