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0%-Zins der japanischen Zentralbank voller Erfolg?
Aktuelle Japanische Wirtschaft am Beispiel der bevorstehenden Fusion von Sogo und Seibu

Von Ruth Schneider

Die japanische Zentralbank (Pendant der Deutschen Bundesbank) hat am 11. August 2000 eine erste positive Bilanz der seit Februar letzten Jahres betriebenen sogenannten "0%-Zins-Politik" gezogen. Um das angeschlagene Wirtschaftswachstum anzutreiben, vergab die Zentralbank seit Februar 1999 Kredite nahezu zinslos. Bis auf weiteres soll der Zins zunaechst auf 0,25% erhöht werden.

Die Gewinne der Unternehmen und die Investitionen hätten sich weitgehend stabilisiert. Auch die in Reaktion auf den Zusammenbruch der Sogo-Handelskette eingetretene Krisenstimmung und Unsicherheit auf dem Börsenmarkt sei durch die 0%-Zins weitgehend aufgefangen worden. Die 0%-Zins-Politik hatte im Inland nicht nur Fürsprecher gefunden. In letzter Zeit mehrten sich die Stimmen, die befürchteten, dass die nahezu zinslose Vergabe von Krediten die Misswirtschaft nur noch weiter fördern würde. Die Vergabe solcher Kredite ermögliche einerseits das Überleben von nicht mehr konkurenzfähigen Unternehmen. Das führe andererseits zu einem nicht kalkulierbaren Risiko für die Anleger.

Die Konkurs gegangene Sogo-Handelskette war beispielsweise seit 1994 eigentlich nicht mehr überlebensfähig. Trotzdem vergaben Finanzinstitute, vor allem die Nihon Kôgyô Ginkô weiterhin Kredite und verschleierten die Höhe der Schulden des Unternehmens.

Das mit 1,87 Billionen Yen (ca. 37,4 Milliarden Mark) belastete Kaufhaus wird nun von der Seibu-Kaufhauskette übernommen werden. Zunaechst hatte es so ausgesehen, als würde sich die Regierung nicht um das angeschlagene Unternehmen bemühen. Dann war doch eine Komission eingesetzt worden, woraufhin am 5. August das Angebot von Seibu bekannt wurde. Seibu schreibt mit seinen 24 Kaufhäusern auch keine schwarzen Zahlen, die Schulden belaufen sich allerdings "lediglich" auf 440 Milliarden Yen (ca. 4,4 Milliarden Mark). Der Chef der Seibu-Kette WADA betonte, dass mit dem Sogo Konzern einer der Hauptkonkurrenten ausgeschaltet sei. Eine radikale Umstrukturierung werde die Vereinigung unter einer gemeinsamen Aktiengesellschaft innerhalb weniger Jahre ermöglichen

Jedoch wird Seibu trotz allem auf die Hilfe von Kreditinstituten angewiesen sein. Und die fragen sich zu Recht, welches Interesse Seibu wirklich an dem hochverschuldeten Ex-Konkurenten hat.

Die Verschleierung der negativen Bilanzen der Sogo-Kaufhäuser war vor allem durch die "guten persönlichen Beziehungen" zwischen den Chefetagen des Kaufhauses und der Geldgeber möglich. Ob die Niedrigzins-Politik wirklich die Politik eines eigentlich unabhängigen Organs ist, bleibt genauso fraglich wie die Zukunft der japanischen Wirtschaft, die sich immer noch eher auf persönliche Loyalitäten, als auf die Gesetze des Marktes zu verlassen scheint.

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