Von Gyo Araiwa
Ein in Deutschland einzigartiger Sprachkurs der Albert-Ludwigs-Universität, speziell für japanische Studenten ausgerichtet, findet immer größeren Anklang.
Minako, eine japanische Studentin, ist diesen Sommer bereits zum dritten Mal in Freiburg. Sie hat sich in die Stadt verliebt und jobbt in Japan während des Studiums, so dass sie sich ihren Aufenthalt in dieser Stadt und einen Sprachkurs leisten kann. Hat sie beim ersten Mal noch in einer Gruppe von Japanern Deutsch gelernt, so ist sie diesen Sommer in den Internationalen Sommerkursen der Uni eingeschrieben.
 Fotos © von A.Hüther |  |
Freiburg ist schön. Freiburg ist eine Universitätsstadt. Freiburg liegt gerade richtig im Dreiländereck. Und - nicht zuletzt - hat die Stadt durch seinen Bahnhof und den nahegelegenen Flughafen eine praktische internationale Anbindung. Ist der Ruf der besonderen Lebensqualität Freiburgs für jeden Absolventen der Uni, der nicht von diesem gemütlichen Flecken lassen kann, ein Fakt, und für jeden Eingesessenen dieser Stadt erst recht, war dies jedoch im Ausland nicht unbedingt eine prominente Angelegenheit. Städte wie Heidelberg oder Rothenburg o.d. Tauber hatten in der Vergangenheit Freiburg, was ihren Bekanntheitsgrad angeht, stets den Rang abgelaufen, da sie bereits vor Jahrzehnten ihre Attraktivität durch breitangelegte Förderprogramme, oder auch durch die Nähe eines US-Stützpunktes, in einen stetigen Besucherstrom aus Übersee ummünzen konnten.
Nun erfreut sich die Schwarzwaldmetropole seit einigen Jahren ausgerechnet in Japan einiger Prominenz. Nebst der hiesigen Umweltpolitik, die in zahlreichen Fernsehberichten in Japan den Namen der Stadt mit einer gelungenen grünen Kommunalpolitik verband, macht sich derzeit ein Programm des International Office (ehemals: Akademischen Auslandsamt) der Albert-Ludwigs-Universität verdient. Der Sprachkurs "Sommerprogramm Deutsch für japanische Studierende" geht in diesem Monat ins vierte Jahr und entwickelte sich seit 1997 wahrlich explosionsartig. Wurde das Projekt noch vor vier Jahren unter dem Stern eines hochschulpolitischen Experiments initiiert, um mehr Studenten aus dem Ausland für den Studienstandort Deutschland zu gewinnen und hatte man mit 18 Teilnehmern gerade einmal eine Klasse beisammen, so hat sich die Zahl der Anmeldungen seitdem versechsfacht. Inzwischen wird der Kurs mit über 100 Teilnehmern dementsprechend in sechs Klassen und Schwierigkeitsstufen unterteilt. Man kann also mittlerweise nicht mehr von einem Experiment sprechen.
Die Idee zu diesem Kurs hatte Hans-Joachim Stübig, stellvertretender Leiter des International Office, der auf die Erfahrung seiner mehrjährigen Lehrtätigkeit in Japan zurückgreifen konnte und auch die hochschulpolitische Entwicklung in diesem fernen Land über die Jahre im Auge behielt. Die Tendenz an japanischen Unis war unübersehbar, dass die deutsche Sprache, einstmals als zweite Fremdsprache an den Unis ein fester Unterrichtsbestandteil, immer mehr von Chinesisch verdrängt wurde. Konkrete Maßnahmen waren gefragt, als der baden-würtembergische Kultusminister 1995 Japan einen Besuch abstattete. Genau in diese Bresche schlägt nun dieser Kurs, er sollte wieder kräftig die Sprache sowie den Standort Deutschlands als Studienort bewerben. Bereits im zweiten Jahr konnte der Herr Stübig, in seiner Funktion als Leiter des Programms, eine Verdoppelung der Teilnehmerzahlen für dieses Projekt verbuchen, der Kurs stieß auf ein großes, gar immenses, Interesse.
Der geradezu überwältigende Andrang hat mehrere Gründe: Zum einen richtet sich das Angebot des Sprachkurses an jüngere Studenten, die sich im Studium noch in der Orientierungsphase befinden, zum anderen bietet ein einmonatiger Sprachkurs eine willkommene Möglichkeit, in ein zuvor fremdes Land hineinzuschnuppern. Es verhält sich dabei so, dass viele der Teilnehmer nicht nur kaum Deutsch sprechen, sondern auch zum Großteil zum ersten Mal die heimische Inselwelt verlassen und hier spielt ein weiterer Grund für die Attraktivität dieses Kurses mit hinein. Dieser besteht laut Thomas Gross, der seit drei Jahren an einer japanischen Universität Professor für Deutsch ist und auch an diesem Kurs Deutsch lehrt, im neuartigen Konzept, das speziell auf japanische Bedürfnisse und Ängste zugeschnitten ist. So besteht das gesamte Team, von den Lehrkräften über die Tutoren bis hin zu den Betreuern aus Deutschen und Japanern, die selbst der japanischen Sprache mächtig oder zumindest mit japanischen Verhaltensweisen vertraut sind. Für viele Eltern der Teilnehmer wie auch für die Sprachschüler, die die ersten Schritte fernab von ihrer Heimat gehen, ein überzeugendes Argument für den Kurs.
Es wird aber keine Rivalität zu den gleichzeitig stattfindenden Internationalen Sommerkursen beschworen. Japanischen Sprachstudenten, die über bessere Deutschkenntnisse verfügen, wird empfohlen, auf eine japanische Umgebung wie sie der Japan-Kurs bietet, zu verzichten. Die anderen jedoch können so etwas sanfter an Deutschland herangeführt werden, zumal sonst der Schritt hierher zu groß gewesen wäre oder gar die Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache und Kultur nicht erst stattgefunden hätte.
Man muss also nicht fürchten, dass der Kurs denn zu sehr die japanische Umgebung in Freiburg rekonstruiere, als dass wirklich ein Lerneffekt auftreten könne. Eher schon wirft der Erfolg dieses Kurses die Frage auf, ob es sich bei diesem Konzept um eine künftige Form von Sprachkursen auch für andere Nationalitäten handeln könnte, die ergänzend zu den herkömmlichen Sprachkursen für "Fortgeschrittene" als "Schnupperkurs" für Anfänger das Interesse für ein Studium in Deutschland erst einmal weckt, und sich später eventuell im akademischen Interesse des Einzelnen ausdrücken würde. Für viele bleibt denn auch dieser Sommer in Freiburg eine schöne Erinnerung, aber für manche, wie auch für Minako, führte das "Schnuppern" zu einem tiefergehenden akademischen Anspruch, das Land besser kennenzulernen und zu dem Wunsch, auch mal ein ganzes Jahr in Deutschland zu studieren.
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