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Das Land der Automaten "Vending Machines" in Japan Von Robin Loch
Man findet sie an jeder Strassenecke Japans, auch in den abgelegensten Winkeln des Landes. Sie gehören fest zum Landschaftsbild und selbst bis auf die Spitze des heiligsten Berges der Japaner, dem Fuji-San, sind sie vorgedrungen. Die Rede ist von den stummen, immerbereiten Verkäufern Japans, den Automaten. Zur Zeit bevölkern schätzungsweise knapp 6 Millionen dieser Jidouhanbaiki das Land. Damit müssen sich gerade mal zwanzig Japaner um einen Automaten streiten. Das ist unangefochtene Weltspitze, weit abgeschlagen auf Platz zwei liegen die Amerikaner mit einem Automaten pro Kopf Verhältnis von gerade mal eins zu fünfunddreißig.
Wer schon einmal in Japan war wird an diesen Zahlen kaum zweifeln, kann man sich doch an fast jedem zumindest mit einem Weg erschlossenen Punkt des japanischen Hoheitsgebietes aufhalten und sich gleichzeitig zumindest in Sichtweite, wenn nicht sogar in greifbarer Nähe, eines oder gleich mehrerer Automaten befinden. Denn ein japanischer Automat kommt selten alleine: Zehn oder mehr von ihnen im Rudel anzutreffen, ist keine Ausnahme.
Wer in Japan von einem akuten Durstanfall ergriffen wird, sollte aus Panik nicht den nächstbesten Automaten ansteuern. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein nicht weit entfernter Automat das gleiche Getränk billiger anbietet ist hoch. So liegt der Preis einer Dose zwischen 100 ¥ und 150 ¥, was immerhin eine Schwankungsbreite von einer Deutschen Mark bedeutet. Diese Tatsache ruft verschiedene Webseiten auf den Plan, die Standorte günstiger 100 ¥ Getränkeautomaten verraten. Es gibt sogar Automaten, die das gleiche Getränk in unterschiedlichen Dosengrößen zum selben Preis anbieten. Dies erscheint dem Betrachter auf den ersten Blick als sinnlos. Doch hat man die Gelegenheit, die Begegnung eines Japaners mit einem solchen Automaten zu beobachten, wird man eines Besseren belehrt: Der Japaner wählt unabhängig vom Preis die Dosengröße, die am besten zum Ausmaß seines Durstes passt. Und so greift er oft tatsächlich zur kleineren Dose!
Dem jährlichen Umsatz von 7 Billionen Yen (rund 140 Milliarden DM oder auch das Bruttosozialprodukt Neuseelands) und all den Annehmlichkeiten, die Japans Automaten mit sich bringen, muss man die enorme Umweltbelastung, die vor allem die Getränkeautomaten mit sich bringen, kritisch entgegenhalten. Denn jeder Getränkeautomat ist schließlich nichts anderes als eine Kombination aus Kühlschrank und Leuchtreklame. Leicht lässt sich errechnen, dass alle Automaten jährlich zusammen geschätzte 10 Milliarden kWh an Strom konsumieren. Das entspricht einer Stromrechnung von rund 3 Milliarden DM. Dazu kommt noch die Umweltbelastung durch die Befüllfahrzeuge und die Unmenge an Dosen, die oft ihren Weg nicht zurück ins Recycling finden. Doch der Automat ist ein fester Bestandteil der Servicekultur Japans geworden. Und so wird wohl der Tag, an dem der Japaner auch nur auf einen seiner Automaten verzichtet, mit jenem Tag zusammenfallen, an dem der Menschheit die Energie ausgeht. JAPANLINK | aktuelles | medien & kultur | land & leute | geschichte & politik | special | über japanlink | © 1997-2010 by Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM und anderen Internetseiten sowie Nachdruck dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von APIX erfolgen. |