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Hunde-Boom in Japan

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Hunde-Boom in Japan
Neuester Trend in Tôkyôs Straßen

Von Ruth Schneider

Es sind 34 Grad Hitze und ich quäle mich in der beißenden Sonne die 300 m aus dem klimatisierten Bahnhof auf die offene Strasse hin zu meiner Wohnung, wo ich als erstes die Klimaanlage anwerfen werde. Es ist Sommer in Tôkyô. Vor dem Bahnhof neben der Straße habe ich eine zur Zeit nicht ganz ungewöhnliche Begegnung: Hechelnd, mit hängender Zunge, steht dort ein Hund. Kein kleiner Schoßhund, sondern ein großer langhaariger Collie. Im Haar trägt er links und rechts neben seinen Ohren rosa Schleifchen. Die Dame neben ihm ist von Kopf bis Fuss in der gleichen Farbe gekleidet. Die Fahne in ihrer Hand trägt die Aufschrift:"Hundeverwahrung". Frauchen ist wohl gerade einkaufen.
   
Haariges Vergnügen: Hundehaltung in Tokyo
Haariges Vergnügen: Hundehaltung in Tôkyô

Hunde sind zur Zeit "in" in Japan. So wie vor zwei Jahren das sogenannte "gardening"- das Ziehen von Pflanzen auf den in Tôkyô üblichen winzigen Balkönchen- in Mode war, so sind es heute die freundlichen Vierbeiner. Die "gardening-center" des berühmten Kaufhauses Takashimaya wurden inzwischen zur Hälfte umgebaut in sogenannte "pet center". In diesen findet der Tierliebhaber alles um seinen Liebling zu verwöhnen: Kleidungsstücke, Spielzeug, Shampoos und Futter für jeden Hundegeschmack. In dem angeschlossenen Hundesalon können drei Hunde gleichzeitig frisiert werden. Hinter einer Glasscheibe versuchen ca. 20-30 Welpen und auch ausgewachsene Hunde trotz des Neonlichtes und der zahlreichen Betrachter hinter der Scheibe etwas Schlaf oder Ruhe zum Fressen zu finden. Überall in Tôkyô sieht man kleine, aber auch große Hunde. Wo sie ihren Auslauf zwischen dem sonntäglichen Besuch im "pet center" und der winzigen Wohnung finden, bleibt ein Rätsel.

Im Fernsehen läuft die Show "Leben mit Hunden" in der das neueste Vergnügen gepflegt wird. Vielleicht war es der Star der Serie "Happy", der den Boom ausgelöst hat. Der treue Blindenhund mit dem unmißverständlichen Namen hat wohl mit seinen treuen Hundeaugen die japanische Weiblichkeit, die auch heute noch über reichlich Zeit und Geld verfügt, verführt. Erstaunlich in einem Land, in der Hunde rein pragmatisch als Wachhunde gehalten werden. Vor einigen Jahren waren Katzen mal in. Als das Vergnügen langweilig wurde und die Katzen sich wegen unkontrollierter Vermehrung zur Plage entwickelten, mußten viele eingeschläfert werden. Viele wurden ausgesetzt und überlebten irgendwie oder wurden überfahren. Zwei dürre und zerlauste Exemplare spielen regelmässig in meinem Hinterhof. Ob die Hunde auch so clever und überlebensfähig sein werden wie sie?

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