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Männer am Herd
Abkehr von der "Männer betreten nicht die Küche"-Tradition ?

Von Andreas Fels

Der japanische (und auch so mancher deutsche) Mann kennt die Situation: Das Essen hat wunderbar geschmeckt, die Stäbchen werden auf das Essschälchen gelegt, noch ein Schluck Bier aus der Dose genommen und dann auf dem Sofa eine Runde ausgeruht. Schließlich war es ja ein harter Tag. Die Frau oder Tochter räumt derweil das Geschirr ab und erledigt den Abwasch. Zu helfen wäre undenkbar: "Das macht man nicht". Wer schon einmal in Japan bei einer typischen Familie zu Gast war, wird die Bestürzung oder den amüsierten Ausdruck in den Gesichtern der Gastgeber kennen, wenn man (als Mann) seinen Teller nach dem Essen in die Hand nimmt, um ihn in die Küche zu tragen oder sonstige Anstalten macht, helfend einzugreifen. Wie gesagt: "Das macht man nicht".
Ist man selber in der Rolle des Bedienten, mag man dies noch gerne hinnehmen und im Zweifelsfall auf die heilige Tradition pochen, und wenn nicht, kann man sich beschweren oder hinnehmen - auch, weil man es gar nicht anders kennen mag.

Doch zeichnen sich jüngst Veränderungen am Horizont dieser eingefahrenen, noch aus Lehnsherrenzeit überlieferten Verhaltensweisen ab. Vor allen Dingen in jungen Familien greift der Mann auch über helfende Ratschläge ("Guck mal, da hinten ist noch was schmutzig!") hinaus in den Haushalt ein. Eine Veränderung der alten Vorstellungen scheint sich, wie ja auch bei uns, von den Eltern der Nachkriegsgeneration zu ihren Kindern abzuzeichnen. Hier ist es keine Ausnahme mehr, daß der Mann zusammen mit der Frau den Haushalt führt. Schon blühen auch Schulen, die in Japan Kochkurse nur für Männer anbieten. So hat sich zum Beispiel an einer Kochschule der "Better Home Association" in Tôkyô seit ihrer Eröffnung im Jahr 1992 die Teilnehmerzahl auf jetzt etwa 3000 Kursteilnehmer verzehnfacht.

Die Gründe, warum es Männer nun verstärkt in die Küchen zieht, sind mannigfach: Scheidung, ihre Frau wurde krank und kann nun nicht mehr für ihn kochen, Begeisterung für's Kochen an sich (oft geschürt durch TV-Kochshows), Versetzung durch die Firma entfernt von der Familie.

Auch wenn sich Kochbücher sonst eher schleppend in Japan verkaufen, so berichten Buchhändler, daß Kochbücher speziell für Männer zum Renner geworden sind. Hierbei mag vor allen Dingen die Möglichkeit des anonymen Ausprobieren könnens ein wesentliches Kaufargument sein.
Diesen aktuellen Trend haben übrigens auch einige japanische Life-Style-Magazine aufgegriffen. Neue Zeitschriften sind entstanden. Sehr erfolgreich dabei ist die Zeitschrift "Otoko no Shokusai" (etwa: Der Geschmack des Mannes/ der Männer), die, begleitend zu einer gleichnamigen TV-Kochsendung, auch Rezepte und Kochhinweise zu nicht ganz so exotischen Gerichten publiziert. Eine Domäne, die Männer auch früher gerne als "Hobbykoch am Wochende" besetzt haben.

Neben den jungen Leuten scheinen sich auch in Haushalten mit Männern, die nun in Rente gehen oder in Rente gegangen sind, Veränderungen abzuzeichnen. Berichten von Japanlink- Autoren zufolge, die zur Zeit in Japan verweilen, sei es keine Seltenheit mehr, wenn der Mann im Haushalt helfe, um der Frau ihre Last zu erleichtern.

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