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Der Samurai- Beat
KITANO Takeshi und sein Film Brother

Von Guido Keller

"In Bezug auf Frauen bin ich nicht sorglos. Ich weiss, wie mächtig sie sein können. Es ist, wie wenn ich Bodhisattvas sehe. Sie können Furcht einjagen und bestrafen."
(KITANO Takeshi)

Was hat "Beat" Takeshi, der Komiker und Filmregisseur, den man in Japan aus Dutzenden von TV-Shows kennt, mit den Samurai zu tun? Was sein Film Brother mit dem Erziehungsklassiker Budôshoshinshû? Eigentlich so viel wie Jim Jarmuschs Ghost Dog mit Hagakure, einem anderen Standardwerk der Samurai. Doch weil KITANO nicht aus Büchern vorlesen lässt und ihn hierzulande mehr Menschen durch seine witzige DSF- Show Takeshis Castle kennen, nicht aber als Gesellschaftskritiker, der in seiner Heimat desöfteren an alte Werte erinnert - wobei er sogar in Interviews das meist mehr zwischen den Zeilen als explizit tut -, werden die Parallelen seiner innerfilmischen Beziehungen zu Strukturen und Tugenden der alten japanischen Gesellschaft gern übersehen, wie sie etwa in Kurosawas Filmen uns viel offensichtlicher nahegebracht werden. "Wenn Menschen heute nach Japan schauen, beginnen sie die Seele zu verstehen, die wir Japaner vor vielen Dekaden verehrten, doch heute beinahe vergessen haben."*
   
Brother, Japan/ USA 2000

R
: KITANO Takeshi
B: KITANO Takeshi
D: KITANO Takeshi (Yamamoto), Omar Epps (Denny), KATO Masaya (Shirase), TERAJIMA Susumi (Kato), Tatyana Ali
Verleih (Deutschland): Advanced Film

112 Minuten (Farbe). Erhältlich in deutsch synchronisierter Fassung

Kinostart BRD: 18.01.2001

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KITANOs Figuren machen schreckliche Dinge, sie stehlen, vergewaltigen, erpressen, morden, besonders in den vergleichbaren Violent Cop, Boiling Point und Sonatine, die ihn im Westen zuerst einem Videopublikum bekannt machten. Brother wirkt wie eine Zusammenfassung dieser drei Thriller, und KITANO, der diesmal auch mit Geldern des Produzenten Jeremy Thomas aus dem Westen drehte, ja seine Geschichte sogar in den USA ansiedelte, gelingt es tatsächlich, keine Abstriche zu machen wie all die anderen hier spät entdeckten asiatischen Könner, John Woo, Jackie Chan, Chow Yun-Fat, Jet Li, Ringo Lam usw. Alle haben sie "verloren", keiner von ihnen mit einem in den USA vollendeten Werk an die Highlights heranreichen können, die sie in Asien drehten. Die Unverbiegbarkeit von KITANOs Autorenkunst belegt seine wahre Größe.

In Brother steckt Takeshis typisches Gemisch von Gewalt und Gefühl. Wer vor Brother noch keinen KITANO- Film gesehen hat, wird sie alle sehen wollen, und wer sie schon alle zu kennen glaubt, wird besonders in zwei Szenen Hinweise darauf bekommen, dass Takeshi ein moderner Samurai ist: Wenn seine Gefolgsleute im Film sich für ihn opfern - einmal auf moderne, einmal auf traditionelle Weise. Die Tibeter behaupten, der Action-Held Steven Seagal, der bei aller Aikido-Meisterschaft doch stets recht selbstbezogen wirkt, sei die Wiedergeburt des großen Heiligen Chokden Dorjee und die Verkörperung eines Buddha und erkennen ihn als Tulku, als spirituellen Führer an. Wäre es da vermessen, KITANO Takeshi als einen Zen-Meister zu bezeichnen? Wie diese Meister in alten Zeiten benutzt auch er punch lines, entscheidende Bemerkungen, um die Betrachter (Zuhörer) wachzurütteln. Selbst die Gewalt kommt meist so unvermittelt daher, dass sie unsere Erwartungshaltung und unser rationales Denken sprengt. "Beat" Takeshi, der komische Moralist, der mit Kikujiros Sommer doch gerade erst eine anrührende Beziehung zwischen einem erwachsenen Müßiggänger und einem vereinsamten Kind erzählte, will sich nicht auf ein Image festlegen lassen und hebelt die Vorstellungen auch japanischen Anstandes aus, wenn er bei Fernsehauftritten seine Genitalien entblößt und in seinen Filmen Frauen wie Wegwerfprodukte behandelt. "Ich bin wie ein Krebsgeschwür in der japanischen Filmindustrie", sagt er von sich selbst.

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