Kritik: Andreas Fels
„Boxen ist nichts für Mädchen!" Klar, wissen wir. „Boxen ist kein Spaß". „Du sollst mich nicht schonen -sei nicht unehrlich zu mir - schlag' mir auf den Kopf!"
So, jetzt haben wir eine Ahnung, um was für einen Typen es sich bei ADACHI Eiji handelt, der Hauptfigur des Films Dotsuitaru nen (Englischer Titel: Knockout) von SAKAMOTO Junji
(1.10.1954-), der solche Sprüche als Ausdruck seiner lebens- und menschenverachtenden Grundeinstellung von sich gibt.
Von diesem Boxer und einem Abschnitt aus seinem Leben handelt das Regiedebüt von SAKAMOTO. AKAI Hidekazu spielt hierbei den Profi Boxer im Welter-Gewicht ADACHI, der, gleich zu Anfang in einem Kampf gegen seinen Gegner TOMODA, dermaßen einen Schlag mitbekommt, daß er nicht nur K.O. geht, sondern auch im Krankenhaus die
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 | Dotsuitaru nen, Japan 1989
R: SAKAMOTO Junji D: AKAI Hidekazu (ADACHI Eiji, der Boxer), HARADA Yoshio (SAJIMA Morio, Trainer und Ex-Meister), SAGARA Haruko (Takako,Tochter des alten Trainers und Sandkastenfreundin Eijis),YAMATO Takeshi (KIYOTA, der junge Boxer) 91 Minuten (Farbe). Nur erhältlich in O-Ton mit englischen Untertiteln. |
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Schädeldecke gelüftet bekommen muß. Mit zwei Konsequenzen: ADACHI trägt fortan eine Narbe auf dem Kopf und er darf nicht mehr Boxen. Vor allen Dingen letztere Konsequenz will dem Boxer nun gar nicht zusagen: Auf der Pressekonferenz, auf der sein Rücktritt aus dem aktiven Boxgeschäft bekanntgegeben wird, verleiht er seinem Unmut schlagend gegen seinen Arzt und Pressevertreter Ausdruck. Sein Leben muß sich also ändern und das, wo er doch nie etwas anderes war und werden wollte als ein Boxer. Also liegt es nahe, in diesem Umfeld zu bleiben und eine eigene Boxschule zu eröffnen. Die frühere, piefige, kleine Boxschmiede war ihm sowieso schon lange über und so baut er, mit dem Kapital eines homosexuellen Fans, der unbedingt Box-Promoter werden will, seine eigene Adachi-Boxschule auf. Ein Trainer findet sich in Form des abgewrackten, ehemaligen Meisterboxers SAJIMA, der von HARADA Yoshio gespielt wird.
Die Schule könnte ganz gut laufen, wenn dabei nicht ADACHIs emotionale Probleme und seine Einstellung zum Boxen im Weg stünden: Er will eher seine Recken gedrillt, denn trainiert sehen. Er brüllt, schlägt und pöbelt, das kein Auge trocken und kein Schüler in der Schule bleibt.
Als er trunken die gelöste Stimmung in einer Wirtschaft stört, fällt Eiji auf, daß der Umfang seiner Faust geschrumpft ist. Dies wird für ihn zum Signal das zu tun, was er kann und wovon er glaubt, dafür bestimmt zu sein: Selber Boxen.
Arrogant wie eh und je kehrt er in seine ehemalige, kleine, schmierige Boxschule zurück und beginnt, unnachlässig mit sich selbst und den anderen, zu trainieren für sein Comeback. Sein Comeback- Kampf soll gegen den jüngeren KIYOTA (YAMATO Takeshi) stattfinden: Eine Schande. So versucht er, wenn es schon nicht ein weltmeisterlicher Kampf werden wird, es wenigstens wie einen solchen aussehen zu lassen, in dem er alte Gefälligkeiten einfordernd oder erpressend Presse und Fernsehen dazu gewinnt, über „seinen" großen Kampf zu berichten, der auch sein Tod sein könnte...
SAKAMOTO Junji, der nach Knockout auch noch mit Filmen wie Tekken (1990), Biriken (1996) und Orokamono (1998; dieser Film gewann so ziemlich alle wichtigen japanischen Filmpreise) von sich hören ließ, läßt in seinem die Stimmungen des Protagonisten deutlich nachzeichnenden Film seine Darsteller alles geben: Da wird schon einmal der Finger in den Hals gesteckt, um das nötige Abspecken für den großen Fight effektiv zu illustrieren, da wirkt das harte Training, welches ADACHI und sein Kontrahent KIYOTA in bester Rocky-Manier über sich ergehen lassen, erschreckend echt und der Zuschauer verfolgt die Stählung der Körper der Kontrahenten. Vor allen Dingen AKAI Hidekazu, auch Hauptdarsteller des späteren SAKAMOTO Films Ôte (1991), spielt in diesem Film sehr intensiv und glaubhaft. Sein ADACHI Eiji ist ein unangenehmer Geselle, gleichzeitig gespalten in Arroganz und Selbstverliebtheit und Minderwertigkeitskomplexen, in absoluten Siegeswahn und der Angst, doch zu verlieren.
Und doch: Auch wenn er, grob gesagt, ein richtiges Schwein ist, der vor sich hin spuckend durch Tôkyô läuft und einen Schlag einem schlagfertigen Argument seinem Gegenüber, ob Frau, alter Mann oder anderer Boxer, stets vorzieht, so ist er doch ein eher zu bemitleidender, denn zu verachetender Mann. Ein Mann, der nie etwas anderes gelernt hat als Boxen und dessen Kosmos auch nur eines zuläßt: Kämpfen um jeden Preis.
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