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Verfolgungsjagd im Schneckentempo

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Verfolgungsjagd im Schneckentempo
Sabu bringt in "Drive" Komplizen für einen Tag zusammen

Kritik: Andreas Fels

Wenn doch nur schon von Feierabend wäre. Es ist punkt 13 Uhr und Sie sitzen - wie an jedem Tag - mit einem vor Schmerzen hämmernden Kopf in ihrer Durchschnittslimousine und warten darauf, dass das hübsche, leicht tollpatschige Mädchen auftaucht, das Sie hier jeden Tag zu selben Zeit sehen. Und da ist sie, die Ampel schaltet auf grün, Sie blicken dem Mädchen in die Augen, ein Erkennen, Sie machen sich bereit, das Gaspedal mit dem rechten Fuß anzutippen und davon zu rollen, als die Türen ihres Wagens aufgerissen werden und drei mit Skimasken vermummte Männer in Ihren Wagen springen und Ihnen lautstark befehlen, loszufahren und einem anderen Fahrzeug zu folgen. Eine wirklich unangenehme Situation, in der man voller Panik den Kopf verlieren könnte.
   
Drive,
Japan 2002

R + Drehbuch
: Sabu (TANAKA Hiroyuki)
Produzenten: KASHINO Takahito, TANI Norihiko und SAKAGAMI Naoyuki
Darsteller: TSUTSUMI Shinichi, SHIBASAKI Kô, ANDO Masanobu, KAKEI Toshio, OSUGI Ren, TERAJIMA Susumu
Produktion: IMJ Entertainment/ Twins Japan Production/ Drive Film Partners

102 Minuten (Farbe).
In Japan seit dem 21.2.2003 auf DVD erhältlich.

Kinostart Japan: 24.08.2002

Filmplakat (Japan) Drive

Gut für Sie, dass Ihrer statt Apothekenlieferant Kenichi Asakura hinter dem Lenkrad sitzt. Der ist zwar auch nicht erfreut über die ungebetenen Fahrgäste im Fond und auf dem Beifahrersitz, aber dem Befehl, trotz inzwischen roter Ampel loszurasen, kann und will er - schlecht für die Banditen - nicht Folge leisten: Es wäre gegen die Verkehrregeln. Daran ändert auch das Gebrüll der vermummten Herren nichts, die zuvor eine Bank überfallen haben und nun gerne ihrem Komplizen und der von ihm abgegriffenen Beute im anderen Auto folgen möchten. Auch die grüne Ampel bringt die Räuber nicht wirklich voran, denn schließlich gilt ein Tempolimit und das wird von Asakura nicht überschritten. Im Leben nicht.

So die Ausgangssituation von Sabus "Drive", seinem ersten Regie- und Drehbuchwerk nach dem preisträchtigen "Monday". Und wieder einmal beschäftigt er sich mit der Welt des kleinen Mannes, der unverschuldet in scheinbar unlösbare Probleme hineinschlittert. Die Hauptrolle wurde - wie in allen seinen vier Filmen - mit dem Theatermimen TSUTSUMI Shinichi besetzt, der souverän den kopfschmerzen- und prinzipiengeplagten Asakura gibt. Für die hochkarätige Darstellerriege konnte er ferner SHIBASAKI Kô ("Go", "Battle Royale"), KITANOs Stammschauspieler ÔSUGI Ren ("Sonatine", "Hana-bi", "Dolls") und Teenie-Idol ANDO Masanobu ("Kids Return", "Battle Royale") gewinnen.

Zurück zum Fluchtwagen, der mit 40 km/h durch eine japanische Stadt schleicht: Die Bankräuber und frischgebackenen Entführer sehen ein, dass sie Asakura auch mit Waffengewalt nicht zu einer Verfolgung des abtrünnigen Komplizen bewegen können. Hier ist er stur und seines Vaters Sohn, der es seinerzeit vorzog, sich traditionellen Samurai-Prinzipien folgend mit dem Schwert zu entleiben, als mit der Schmach der Arbeitslosigkeit nach Schließung seiner Werft weiter zu leben. Der Mann mit dem Geld ist derweil schon über alle Berge und er könnte seinen Lebensabend sicher glücklich mit einer Traube schöner Frauen in seinem Sportwagen verbringen, wenn ihm beim Wagenwechsel nicht eine kleine, aber folgenreiche Dummheit unterlaufen würde...

Die übrigen drei und ihre Geisel dinieren inzwischen zur Lagebesprechung in einem französischen Restaurant, als Asakura in der Folge eines pochenden Migräneanfalls eine Kette aberwitziger Schicksalswendungen anstößt, welche die drei zurückgebliebenen Gangster - moralisch wertvoll - von ihrer kriminellen Karriere Abstand nehmen und den Beutedieb die Bekanntschaft mit einem Geister-Samurai und einer Hundertschaft von Zombie-Soldaten machen lässt.

Nach einem Einsatz als Schauspieler in MIIKE Takashis "Ichi the Killer" (Sabu hatte 1986 eine Karriere als Schauspieler begonnen und in dieser Zeit unter seinem bürgerlichen Namen TANAKA Hiroyuki eine Reihe Filme abgeliefert, in denen er meist einen Yakuza mimte. In einem dieser Filme war Sabu, sein Regisseurspseudonym, der Name seiner Figur) erfreut Sabu in dem von ihm inszenierten "Drive" mit unerwarteten Storywendungen, schrägen Charakterzeichnungen und abstrusen Situationen. Dabei schafft er den Balanceakt zwischen eher ernsten Szenen, in denen die Gründe für Asakuras stoische Art angedeutet werden und den humoresken Etappen und lässt ihn niemals in eine sanfte Komödie abgleiten - ein Fahrwasser, in dem viele japanische Produktionen dieser Tage schippern. Es bleibt zu hoffen, dass diese Perle auch hierzulande ihren Weg in die Kinos findet.

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