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Hana-Bi, Feuerblume

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Hana-Bi, Feuerblume

Kritik: Andreas Fels

"Aber wenn er ausrastete, war Nishi wirklich zu fürchten. So wie damals, als er auf einen bereits Toten ein ganzes Magazin leer schoß." Nishi, von dem hier so erfürchtig gesprochen wird, ist die von KITANO gespielte Hauptfigur des Films und der, der dies sagt, einer seiner ehemaligen Kollegen bei der Polizei.
Nishi kündigte dort seinen langjährigen Dienst, nachdem Horibe, einer seiner Kollegen, von einem Yakuza zum Rollstuhlfahrer geschoßen wurde und Tanaka, ein anderer Kollege, durch die Waffe eben jenes Gangsters sein vorzeitiges Ende fand. Überhaupt läuft Nishis Leben in nicht gerade erfreulichen Bahnen: Vor nicht allzu langer Zeit ist seine Tochter gestorben und seine Frau wird aus dem Krankenhaus entlassen, weil sie die Ärzte für einen hoffnungslosen Fall halten, dem es vergönnt sein soll, in Ruhe und Frieden zu Hause den nahenden Krebstot abzuwarten.

   
Hana-Bi, Japan 1997

R
: KITANO Takeshi
D: KITANO Takeshi (Nishi), KISHIMOTO Kayoko (Miyuki), OSUGI Ren, TERAJIMA Susumu, WATANABE Tetsu, ASHIKAWA Makoto
Verleih (Deutschland): ARTHAUS

103 Minuten (Farbe). Erhältlich in deutsch synchronisierter Fassung

Der Film gewann 1997 auf dem Filmfest in Venedig den Goldenen Löwen.

Was Nishi bleibt, ist der Schmerz um seine Frau, die verstorbene Tochter und den verlorenen Freund und die damit verbundenen Schuldgefühle und das Bedürfnis, dies wieder gut zu machen. Als wäre dies nicht genug, drängen Yakuza auf die Zahlung von Zinsen für einen Kredit, den er aufnahm, um die teuren Medikamente seiner Frau zu bezahlen.
Dem Zuschauer ist klar: Diese Situation kann der Mann nicht aushalten. Und er hat recht: Wie auch Michael Douglas in Joel Schumachers kontroversem Falling Down die innere Spannung dadurch löste, daß er all die Menge an die Dingen, die ihn Tag ein Tag aus immer störten, aus dem Weg räumt oder nach seinem GeschmackNishi bereitet sich auf ein Gespräch mit den Yakuza vor zurechtbiegt, zählen auch für Nishi plötzlich keine moralisch- ethischen Einschränkungen mehr: Er verprügelt und verstümmelt die Schuldeneintreiber, lackiert ein gestohlenes Taxi in einen Streifenwagen um und überfällt in dazu passender Uniform eine Bank.

Dieses Geld soll dem schweigsamen Nishi keinen Ruhestand im Luxus bescheren, sondern etwas von der Last von seinen Schultern nehmen: Er zahlt mit einem Mal den Yakuza- Kredithai aus, schickt der Witwe Tanakas Geld und Horibe in der Erfüllung dessen Herzenswunsches Farbe und Papier zum Malen. Er selbst benutzt das restliche Geld um mit seiner Frau Miyuki zu Reisen und ihr so ihre letzten Tage zu erleichtern: Zum Fuji-San, in den Schnee und an's Meer - eine Sache, die sie sich wahrscheinlich ihr ganzes Leben wünschte, aber wegen seines Berufes nicht in die Realität umsetzen konnte.

KITANO Takeshi, wie zuvor in Sonatine und Violent Cop nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Autor, Regisseur, Cutter und Produzent Nishi (KITANO Takeshi) vor dem Banküberfallin Personalunion, benutzt auch in diesem Film eine ganz eigenwillige und teilweise verstörende Bild- und Erzählsprache. Er schwankt zwischen den gegensätzlichen Motiven Poesie - welche zum einen in der zärtlichen Beziehung und im wortlosen Umgang der Figur Nishi mit seiner Frau Miyuki zum Ausdruck kommt und zum anderen durch minutenlang eingeblendete und zu einigen Szenen gegengeschnittene Bilder Horibes (die gleichzeitig ein Spiegel des Seelenzustandes Horibes, aber auch Nishis zu sein scheinen) und schockierender, weil realistisch dargesteller Gewalt. Doch ist Hana-Bi kein Gewaltfilm. Die Gewalt tritt im Affekt auf, kurz und intensiv, denn ansonsten ist der Film eher der stillen Art. Bis zum Ende, nach der Verfolgung durch Yakuza - die den ehemaligen Schuldner ja nicht einfach so ziehen lassen können - und durch seine ehemaligen Kollegen, dem Ende im unweigerlichen, schon seit dem Kabuki bekannten japanischen Motiv des Todes zweier Liebender.

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