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Nipponconnection
Ein Festival für alle Sinne

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Ausserdem möchten Festivals in Berlin, Hamburg und Karlsruhe einige der Filme zeigen. Die Sponsoren waren, so weit ich weiss, auch sehr zufrieden.

JL: Für einige der Filmleute hat es sich also gelohnt. Wie gross war denn der Publikumszuspruch?

MK: Fast jede Vorstellung war ausverkauft. Genaue Zuschauerzahlen habe ich hier nicht, ich schätze aber es waren mit den Parties ca. 6000 Zuschauer. Das Feedback war sehr überschwenglich. Ein Kritikpunkt war allerdings der chaotische Kartenverkauf bei PORNOSTAR und die etwas lieblos gehängte Mangaausstellung. Der Kritik kann ich nicht widersprechen, das nächste Mal wirds besser... Auch Herr Generalkonsul TANAKA ist ein grosser Fan von unserem Festival, er hat sich fast alle Filme angeschaut und war sogar auf einem Konzert. Am Montag nach dem Festival waren wir bei ihm zu einem sehr netten Umtrunk eingeladen.

JL: Welcher Festival-Programmpunkt hat Dich (Euch) am meisten gefreut, was hat die meisten Nerven gekostet?

MK: Natürlich bin ich von unserem Filmprogramm schwer begeistert und habe mich riesig gefreut, dass so viele Leute japanische Filme sehen wollen! Es ist wirklich ein Glücksfall, dass wir alle diese Filme bekommen haben. Es ist normalerweise nicht einfach, Filmkopien aus Japan zu kriegen, viele Filmcompanies sind nicht an einer Festivalvorführung interessiert - erst wenn man mit Dollarscheinen winkt, geben sie eine Rückantwort. Die meisten Nerven haben die Räumlichkeiten und die ständigen Um-, Auf- und Abbauten gemacht. Leider ist das Studierendenhaus nicht gerade das schönste Gebäude und ihre normalen Besucher, d.h. Alkies und Junkies, waren nicht einfach davon zu überzeugen, die Festivalgäste nicht zu belästigen oder die Örtlichkeiten im sauberen Zustand zu hinterlassen. Ausserdem mussten wir ständig aufpassen, dass nichts geklaut wird. Abends haben wir immer alles, was nicht niet und nagelfest war weggeräumt und am nächsten Tag wieder aufgebaut. Auch die Veranstaltungen des Rahmenprogramms erforderten ständige Umbaumaßnahmen.

JL: Trotz des Stresses: Wollt Ihr das Nipponconnection fortsetzen?
   

Gedränge im Foyer: Gelegenheit, sich mit Filmleuten zu unterhalten...

MK: Wir werden ständig gefragt, ob es ein zweites NIPPON CONNECTION geben wird. Wir wollen alle ein nächstes Festival, aber ob es 2001 klappt, steht noch in den Sternen, weil Holger, Alex und ich nächstes Jahr hoffentlich im Magisterstress sein werden. Vielleicht wird es aber noch Einzelveranstaltungen im Laufe des Jahres unter dem "Label" NIPPON CONNECTION geben. Nach meinem Studium würde ich persönlich sehr gerne nur noch Kino bzw. Festivalprogramm machen, vielleicht mit Verleih. Aber damit kann man leider nur schwer Geld verdienen, man muss eher etwas mitbringen. Zur Zeit verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Cutterin.

JL: Was denkst Du persönlich über japanische Popkultur?

MK: Japan ist für mich sehr faszinierend, die Gegensätze von Tradition und Moderne sind bezeichnend für die Kultur. Vor allem aber interessieren mich die Menschen, wie sie mit anderen Wertvorstellungen und anderem historischen Background als wir "westlichen Menschen" in einer Industrienation leben. Der Zwiespalt zwischen Individuum und Gesellschaft kommt in vielen Filmen zum Ausdruck. Die Jugend finde ich allerdings sehr merkwürdig, sie lebt sehr dekadent und scheint etwas orientierungslos. Das nimmt schon etwas abartige Formen an. Ich finde es allerdings vermessen, über eine andere Kultur zu urteilen, v.a. wenn man nicht längere Zeit im Land gelebt hat. Auch das Festival sollte nicht den Eindruck vermitteln: Seht her Leute, wir erklären Euch Japan. Es sollte eher eine spielerische Annäherung sein und eine Möglichkeit bieten, etwas neues kennenzulernen. Japanische Kultur ist ja momentan ziemlich "hip" in Deutschland, ich finde aber, dass sie ganz oft überschätzt wird, zumindest was die Popkultur bzw. Musik, Kleidung etc. betrifft. Gute Musik kommt wahrscheinlich auch nur aus dem Untergrund, der alles überflutende J-Pop, ist ja noch seichter und süsslicher als so manche US-Hitparadenmusik. Ich fand zwar, dass in Tokyo alles bunt aussah, aber oft war es etwas geschmacklos oder wild zusammengewürfelt und passte nicht richtig zusammen. Und modisch gesehen sind ja Plateauschuhe, blond gefärbte Haare und Bundeswehrjacken auch nicht so innovativ. Es geschieht aber einiges in der Subkultur und in der Künstler- und Filmemacherszene, da sind sicher noch einige interessante Leute zu entdecken.

JL: Du sprichtst von "hip". Wie schätzt Du die Zukunft der Präsenz der japanischen Kultur in Deutschland ein? Ist das nur ein Hype oder ein fester Bestandteil des Kulturangebots?

MK: Das wird sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen. Ich denke aber, dass Asien auf Dauer angesagt bleiben wird, denn viele haben genug von der amerikanischen Vorherrschaft und wollen einen anderen Blickwinkel.

JL: Vielen Dank für das Gespräch.

(Initiiert wurde Nipponconnection von Studenten des Instituts für Filmwissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main und Pupille Kino e.V., in Zusammenarbeit mit dem AstA Kulturreferat, Frankfurt und dem Japanischen Kultur-Institut, Köln (Japan Foundation))

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