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Kurzkritik im Rahmen des Toronto Filmfestivals '98

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Orokamono, The Goofball: Scarred Angel

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Orokamono, The Goofball: Scarred Angel

Kritik: Andreas Fels

„Laß mich liegen. Ich will einfach nur im Bett liegen. Wer bist du denn überhaupt?" Ein interessanter Spruch des Protagonisten Hisashi, der im Verlauf des Films auch zu meiner Maxime erwuchs.

Eigentlich hätte ich mich schon im Vorfeld gegen diesen Film entscheiden sollen: Dieser Film war ein Festival-Liebling: Ein schlechtes Omen.
   
Orokamono, Japan 1998

R
: SAKAMOTO Junji
D: MAKI Kurôdo (ISHII Hisashi, der Loser), OGUSU Michiyo (MASUI Chikako, Die Ladendiebin), SUZUKI Kazuma (der chlolerische Mann der Diebin)),OSUGI Ren, SAKAYÔ Miki

91 Minuten (Farbe). Nur erhältlich in O-Ton mit englischen Untertiteln.

Filme, die auf solchen Festivals wie in Venedig oder Toronto gewinnen, werden von den hier vertretenden Kritikern oft wegen ihrer "Vielschichtigkeit" und wegen ihres, nun nennen wir es mal "Individualismus", bejubelt.
Das Problem mit derart individuellen Filmen ist, daß sie auch nur denen mit "Individualgeschmack" zuträglich sind. Also solchen, die bevorzugt schwarzgekleidet (zeitlos und über einen modischen Fauxpas erhoben) und mit "irrer" Brille, nach dem Film bei einem Espresso über die dem Film innewohnende Energie sprechen und genauestens über Gefühle und Motive des Regisseurs, wahlweise auch des Autors oder Protagonisten, bescheid wissen.
Ich könnte hier auch über die "leichte Kameraführung" des Films sprechen, über SAKAMOTOs Wechsel von intensiven Charakterstudien wie in dem tatsächlich großartigen Dotsuitaru nen zu dem eher lockeren Umgang mit Vertretern sozialer Randgruppen. Da wir ja wissen, wie soetwas klingen kann, beschränke ich mich folgend auf einen grobe Angabe des Inhalts- soweit dies möglich ist.

Das erste, was wir in diesem Film zu sehen bekommen, ist eine Faust, die aus der subjektiven Kameraperspektive in Hisashis Gesicht donnert. Mit diesem Knalleffekt verspricht der Film schon einmal viel von dem, was er leider nicht halten kann. Der gegnerische Schläger ist ein Kollege beim Fensterputzen und der Schlagabtausch bleibt nicht ohne Konsequenzen: Die beiden werden entlassen. Hisashi, gespielt von dem Schauspieler MAKI Kurôdo, der dem einen oder anderen aus dem 92er Ano natsu, ichiban shizukana umi (Shigeru AKA, A Scene at the Sea) bekannt sein könnte, zieht selbstmitleidig nach Hause und betrauert sein Schicksal, wieder einmal entlassen worden zu sein.
Dort in seiner Einzimmerwohnung wird er bereits von seinem Deutschen Schäferhund Micky erwartet. Als er loszieht, um im Supermarkt Futter für den Hund zu besorgen und sich mit den Angestellten des Supermarktes darüber zu streiten, daß dieses 90 Yen teurer geworden ist, lernt er die Ladendiebin Chikako (wurde zuvor nur durch den Film Tsigoneruwaizen (Zigeunerweisen) aus dem Jahr 1980 bekannt) kennen, eine unglücklich wirkende, mittelalte Frau, die seltsamerweise stets Barbeque- Sauce (!) zu stehlen scheint.

Später, als Hisashi seinen Hund Micky aus finanziellen Gründen auf einem Spielplatz aussetzt, trifft er Chikako wieder. Sie lädt ihn zu sich nach Hause an und bietet ihm neben einem Omelett, der einzigen Speise die sie kochen kann, einen Job an. Dort treffen die beiden auf ihren Ehemann Masaru, der, während Hisahi seine Eispeise im Treppenhaus ißt, ersteinmal seine Frau verprügelt, um seinem Unmut über Chikakos Vernachlässigung ihrer Hausarbeitspflichten Ausdruck zu verleihen. Hisashi hört da nicht lange zu, greift ein und treibt den Mann aus dem Haus.
Chikako erzählt ihm nun ersteinmal von dem Job: Er soll sich als Privat Detektiv verdingen und ihren Sohn aus erster Ehe, Masaru, ausfindig machen.

Seine Suche bringt ihn dazu, Masarus Lieblingslied im Radio zu wünschen und mit einem Foto durch verschiedene Stadtviertel Tôykôs zu ziehen. Schließlich wird er aber von Masaru gefunden, der Hisashi von nun an begleitet und in Staftaten mit hereinzieht. Den Rest des Films verbringen die beiden auf der Flucht und Hisashi vor allen Dingen mit hysterischem Selbstmitleid.

Auch wenn sich diese Kurzzusammenfassung des Plots gar nicht einmal so belanglos anhören mag: Dieser Film ist es und sogar mit nur 91 Minuten einfach zu lang und wenig akzentuiert.

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