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Wovon Papa Schlumpf nicht einmal zu träumen wagte
"Pokémon - Der Film"

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Mewtwo erwacht...

Das Spiel wurde zunächst sogar von seiten des Konzerns mit Skepsis auf den Markt gebracht, ohne viel Aufsehen, ohne viel Werbung. Pokémon entwickelte sich jedoch mehr und mehr zu einem Renner, für Nintendo zu einer unerwartet großen Finanzspritze und zu einem Heilsbringer des eigentlich veralteten Gameboys. Die Untersuchung der Käuferstruktur ergab folgendes: es waren zumeist Kinder im Grundschulalter, die durch ihren kleinen finanziellen Spielraum aus dem Markt der großen 16- oder 32-Bit-Konsolen ausgeschlossen waren.
Die Idee zum Spiel entstand nicht in der Kreativ- Zentrale des Videospielgiganten, sondern im Kopf des japanischen Videospiel-Tüftlers TAJIRI Satoshi. Sie basiert auf seiner Kindheitsobsession, dem Sammeln und Beobachten von Insekten. Ähnlich diesem für japanische Verhältnisse auch nicht gewöhnlichen Hobby liegt der Auftrag des Spiels zunächst darin, Pokémons im Gebüsch, in Höhlen oder Flüssen aufzuspüren. Diese werden dann gehütet und trainiert: durch ein Verbindungskabel werden zwei Gameboys zusammengeschlossen und die eigenen Pokémons liefern sich Duelle mit denen des anderen Spielers, nur so erstarken die Knuddeltiere und können die nächste Verwandlungsstufe erreichen. Aber: Pokémons sterben nicht - wie in jedem Lustigen Taschenbuch fallen die Helden höchstens in Ohnmacht. Schlimmer wiegt schon fast die Möglichkeit, daß ein Pokémon wegen schlechter Behandlung durch das Verbindungskabel zum Gegner "überläuft" - eine Katastrophe für Kinder. Besonders glücklich kann man sich aber schätzen, wenn man alle 150 Wesen gesammelt hat, wobei das 151. von TAJIRI ohne Wissen von Nintendo im Spiel versteckt wurde und als mysteriöser Gimmick die Verkaufszahlen noch erhöhen dürfte.

Das Videospiel, die Fernsehserie, die Kinofilme - ja, liebe Kinokritiker, es erwarten Euch noch zwei weitere Pokémon-Produkte auf Breitleinwand - Pokémons sind multimediale
   
Der Kampf beginnt
Ash, Pikachu und andere Pokémon
Superstars und sie lassen sich wunderbar vermarkten. Ob Kartoffelchips oder Gewürzpackungen in Japan, ob Maccaroni oder Kindermahlzeiten von Burger King in den USA, mit einem Pikachu auf der Verpackung wurde (und wird) jedes Produkt zum Renner. Besonders geschätzt werden von Kindern die Sammelkarten, man kann diese tauschen oder um sie in Gameboy-Duellen spielen. In den USA finden regelmässig "Training Camps" statt, zu denen nicht wenige eine Reise von mehreren hundert Meilen auf sich nehmen.
Das Konzept geht auf: die Kinder kaufen sich das Spiel, weil die Figuren süss sind oder weil alle coolen Kids bereits eines besitzen, sie sehen die Fernsehserie - und sie werden dabei ununterbrochen beworben. Man kann den wirtschaftlichen Erfolg - in Zahlen ca. 6 Mrd. US$, die auf die Konten von Nintendo fliessen - nicht auf das Pokémon-Motto "Schnapp sie Dir alle" reduzieren, es ist das Konzept des Hand-in-Hand-gehens gleich mehrerer Unterhaltungsmedien. Darin liegt auch der Unterschied zu bisherigen Modeerscheinungen, die sich für kurze Zeit im Kinderzimmer ausbreiteten und schliesslich nach einem halben Jahr wieder im Keller landeten, ob es nun die Power Rangers waren oder das Tamagotchi.

Wer meint, dass das Phänomen deutsche Kinderzimmer nicht erfassen wird, hat etwas verpasst. Im täglichen Nachmittagsprogramm von RTL2 wird zur Zeit die erste Pokémon- Staffel mit 130 Folgen gezeigt. Sie hat bereits im Januar die 1-Millionen-Zuschauer-Grenze überschritten. Der Sender wähnt sich als Marktführer, was die Altersklasse der 8 -14-Jährigen betrifft, und hängt mit seinem Nachmittagsblock den ärgsten Rivalen Kabel 1 um mehr als 4 Prozentpunkte ab. Eine gute Zeit für noch mehr Werbung. Zeit für den Mittagsschlaf von Papa Schlumpf, seine "altmodische" Merchandisingmaschinerie hat ausgedient.

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