Japanlink Logo
 
AktuellesMedien und KulturLand und LeuteGeschichte und PolitikÜber Japanlink
AuswahlStartseite

Verwandte Themen
Manga
Shôjo Manga

Druckerversion
Lady´s Comic

Suchen


Gästebuch
Japanlink Forum
Kontakt
Impressum
Umfrage





| m a n g a |

Lady´s Comic
Comics für junge Frauen

(Seite 2 von 3)

<< zurück zu Seite 1

Im erotischen Magazin "ROUGE" erscheinen die Merkmale besonders ausgeprägt: alle Hauptfiguren sind groß, schlank und haben lange Beine; die Gesichter sind meistens lang und schmal, die Haare oft blond und die Augen zwar nicht mehr (wie im Mädchencomic) übertrieben groß aber doch sehr rund gezeichnet. Die Darstellung dieser Merkmale findet sich im Magazin "YOU" nicht ganz so stark ausgeprägt. Die Gesichtszüge wirken asiatischer und Frisuren der weiblichen Charaktere sind relativ natürlich gezeichnet. Nebenfiguren in den Geschichten sind im allgemeinen etwas realistischer und weniger ‘schön’ dargestellt. Man kann nicht davon ausgehen, daß kaukasisch gezeichnete Figuren sämtlich Amerikaner oder Europäer darstellen sollen. Nicht-Japaner werden im manga extra durch Sprach- und Verhaltensweisen gekennzeichnet, der Haarfarbe kommt lediglich ein gewisser Symbolcharakter zu. Blonde Haare sollen auf einen intelligenten, beherrschten Menschen hindeuten, schwarze Haare hingegen lassen angeblich auf unkontrolliertes Temperament und eine gewisse Pathetik schließen. Es erscheint sehr fraglich, aus dem kaukasischen Erscheinungsbild der Comic-Helden/innen zu interpretieren, daß der westliche Kulturkreis eine Faszination auf Japaner ausübt, dennoch können immer wiederkehrende, äußere Merkmale einigen Aufschluß über in Japan herrschende Schönheitsideale geben. Überdies werden Zusammenhänge aufgezeigt, die Japaner/innen zwischen äußerem Erscheinungsbild und charakterlichen Eigenschaften knüpfen. Im Lady’s Comic sind lange Haare für weibliche Hauptfiguren absolut kein Muß, wie dies im Männercomic häufig der Fall ist. Besonders in Geschichten, die in der Gegenwart spielen, tragen viele Frauen eine Kurzhaarfrisur, männliche Hauptpersonen dagegen sind oft mit schulterlangen Haaren dargestellt. Obwohl diese Umkehrung schon seit längerem keine schockierenden Wirkungen mehr mit sich bringt, soll hier anscheinend eine Auflehnung gegen soziale Normen zum Ausdruck gebracht werden. In vielen manga tauchen Hauptfiguren, die eigentlich mit detailliert-feinen Gesichtszügen ‘schön’ gezeichnet sind, immer wieder karrikaturhaft verzerrt auf. Diese abstrakten Verfremdungen, in denen meistens Empfindungen wie Wut zum Ausdruck gebracht werden, wirken auch in Liebesgeschichten als komisch-ironisches Element. Liebe wird hier also nicht nur als Drama behandelt, wie dies zur Anfangszeit des Mädchencomics der Fall gewesen ist, sondern auch als Komödie (rabukome).

Im Rahmen dieses Artikels ist es nicht möglich gewesen, story manga aus dem Lady’s Comic von Anfang bis Ende zu verfolgen, es konnten nur einzelne Folgen eingesehen werden. Deshalb ist es schwer möglich, repräsentative Aussagen über stereotypische Handlungsabläufe und Themen zu machen. Zu diesen Bereichen sollen Statistiken aus der Forschung herangezogen werden. Es soll jedoch anhand von Beispielen untersucht werden, inwieweit diese in aufgestellte Schemata einzuordnen sind und welche Frauentypen im einzelnen dargestellt sind. In der Forschung ist man sich einig: „Die thematische Grundstruktur sämtlicher Comic-Literatur für Frauen beruht auf Variationen zum Thema: „a woman finds her great love"
Diese Aussage stammt zwar aus dem Jahr 1981, aber in einer statistischen Untersuchung hat MORI Shigeo 1990 bestätigt, daß das Thema ‘Liebe’ im Durchschnitt den mit Abstand größten Themenkomplex im Lady’s Comic darstellt. Zählt man die Bereiche ‘Heirat’ und ‘Ehe’, die extra aufgeführt sind, auch zu ‘Liebe’, so bestimmt diese ca. 70% der Themen. Abgeschlagen am Schluß liegen die Themen Familie und Beruf mit 9,8% bzw. 9,2%. Lediglich in einigen Ausnahmen weichen die Prozentwerte stark vom Durchschnitt ab; zum Beispiel in dem Magazin "FOR MRS.", das sich an verheiratete Frauen wendet, nimmt das Thema ‘Familie’ fast 40% ein, das Magazin "OFFICE YOU" weist eine höhere Prozentzahl im Bereich ‘Beruf’ auf, die aber dennoch geringer ist als die der ‘Liebe’. MORI untersucht außerdem die Berufe der Heldinnen im story manga. Seine Statistik besagt, daß mit etwa 41% die sogenannten office ladies hier die Hauptberufsgruppe bilden. Bei männlichen Protagonisten stehe der salary man (Angestellter) an der Spitze der Berufsgruppen, und die Kombination aus office lady und salary man sei die am häufigsten Dargestellte. Diese Berufe definieren in Japan den absoluten Durchschnittsmenschen. Sie werden im manga nicht betont, sondern dienen lediglich als realistischer Hintergrund für Liebesgeschichten. Nach MORI entsprechen die Heldinnen des Lady’s Comic durchgehend einem traditionellen Frauenbild, in dem Heirat, Haushalt und Erziehung als wichtigste Aufgaben zu erlernen sind, dem Mann zu gehorchen ist und ein Beruf mit der Heirat selbstverständlich aufzugeben ist. ERINO teilt in ihrem Aufsatz „Shiawase no dôdômeguri" (Der Teufelskreis des Glücks) von 1991 die Heldinnen des Frauencomics grob in drei Gruppen ein: Erstens die Durchschnittsfrau, die im Laufe der Geschichte heiratet, zweitens die unzufriedene Ehefrau, die entweder ihren Ehemann wieder- oder einen anderen Helden findet, und drittens die Frau, die einen Mann verläßt und einen neuen findet. Andere Frauentypen als diese würden von der Leserschaft des Lady’s Comic tatsächlich nicht akzeptiert. Am Beispiel von drei story manga aus dem Magazin "YOU", soll im folgenden untersucht werden, inwieweit die dargestellten Stereotypien auf einzelne Geschichten von August 1996 zutreffen. Das Magazin "YOU" als Ganzes betreffend, kann bereits gesagt werden, daß Statistiken, die MORI diesbezüglich liefert, im Jahr 1996 nicht ohne weiteres gelten. Er schreibt, daß 45% der Zeitschrift aus Sex-Darstellungen bestünden, und daß das Thema ‘Beruf’ überhaupt nicht aufgegriffen werde. Die Darstellung von Sex-Szenen beschränkt sich im vorliegenden Exemplar von "YOU" auf 6 von 366 Seiten, auf denen als intimstes Detail eine weibliche Brust zu sehen ist. Von insgesamt sechs story manga handeln allein drei vom beruflichen Alltag der Heldinnen. Das Verhältnis dieser beiden Ausprägungen hat sich also im Vergleich zu 1990 in diesem Magazin umgekehrt.

Wirkung auf die Zielgruppe

Frauenrealität in Japan. Eine Studie der japanischen Regierung besagt, daß 1970 7,2% der japanischen Frauen zwischen 30 und 34 und 18,1% der 25 bis 29jährigen nicht verheiratet gewesen sind. Im Jahr 1985 sind die Prozentsätze auf 10,1% und 30, 4% angestiegen. Heutzutage werden die Zahlen, einer internationalen Tendenz folgend, weiter gestiegen sein. Mehr als 50% der verheirateten Frauen in Japan sind erwerbstätig, ein höherer Prozentsatz als in Deutschland. Der Anteil der arbeitenden Frauen, gemessen an allen Erwerbstätigen, entspricht etwa dem Anteil in Deutschland. Für japanische Frauen ist es allerdings schwieriger als für deutsche, kontinuierlich und in höherqualifizierten Berufen wie Managerpositionen tätig zu sein. Bis Ende der 60er Jahre hat in Japan eine arrangierte Heirat (miai-kekkon) zu mehr Ehen geführt als eine sogenannte ‘Liebesheirat’ (renai-kekkon). Seitdem verläuft die Entwicklung entgegengesetzt, die Zahl der Liebesheiraten steigt immer mehr an. Während in Japan ursprünglich weniger emotionale und sexuelle als vielmehr pragmatisch-rationale Erwartungen an die Ehe als solches gestellt wurden, hat sich das Bild heute verschoben. Ruth Linhart schreibt dazu: „Die Vorstellung von Liebesheirat, partnerschaftlicher Ehe und freier Sexualität ist gemeinsam mit amerikanischen Demokratievorstellungen eingewandert." Über die tatsächliche Umsetzung dieser neuen Ideale sind nur schwer Aussagen möglich. Die Scheidungsrate Japans ist trotz eines Anstieges in den letzten Jahrzehnten, im Vergleich zu Nordamerika und europäischen Ländern immer noch extrem niedrig.

Wie bereits gesagt, stellen Hausfrauen den größten Teil der Leserinnen des Lady’s Comic, erst danach rangieren die Angestellten. Wenn hier von Hausfrauen in Absetzung zu Angestellten die Rede ist, dann sind also Vollhausfrauen gemeint. Wie aus der Statistik ersichtlich, sind solche Frauen die Minderheit der verheirateten Frauen Japans. Es ist ebenfalls aus der Statistik zu ersehen, daß diese Frauen sowohl mit dem Mädchencomic als auch mit der sich verbreitenden Vorstellung der Liebesheirat großgeworden sind.

Seitenanfang


JAPANLINK
| aktuelles | medien & kultur | land & leute | geschichte & politik | special | über japanlink |
© 1997-2010 by APIX
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM und anderen Internetseiten sowie Nachdruck dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von APIX erfolgen.