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Japanische Mädchencomics
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Je nachdem für welches Zielpublikum der Comic bzw. das Comicmagazin gedacht ist, variiert das Alter des Mädchens. So ist auch rückwirkend für einen Ausländer (von Japan aus gesehen) leicht zu erkennen, für welche Altersgruppe ein Comicmagazin gedacht ist. Diese Mädchen sind oft passiv. Wie deutlich wird, besteht das Hauptziel einer jeden Comicheldin darin, jemanden zu finden, der ihr Leben bestimmt. Ihnen stehen Jungen an der Seite, die in den fünfziger und frühen sechziger Jahren noch als „Traummann" stilisiert wurden und mit den siebziger und achtziger Jahren sich in den „prima Jungen von nebenan" wandelten.
Aber nicht nur Mädchen sind in den Comics zu finden. Auch männliche Jugendliche spielen eine Rolle. So wie in HAGIO Motos "Jûichigatsu no giminajiumu" treten sie oft in Szenen der homosexuellen Liebe auf (sogenannte shônenai). Wie zuvor erwähnt tragen sie oft sehr weibliche Züge. Ein sehr häufiges und sehr interessantes Motiv ist zudem das Mädchen in Jungenkleidern. Schon die Prinzessin in "Ribon no Kishi" wandelt sich in einen Jungen, um ihr Königreich zu retten. Die Hauptfigur in "Berusaiyu no Bara" ist Oscar, auch ein Mädchen in Jungenkleidern. Dieses Phänomen wird oft interpretiert als die Flucht des Mädchens aus der Enge seiner Möglichkeiten als Mädchen. Auch kommt es häufig vor, daß sich das Mädchen auf andere Art und Weise vorher Umwelt unterscheidet, so wie z.B. das kleine Mädchen, daß eigentlich eine Katze ist oder das kleine Mädchen, das eigentlich eine alte Frau ist. Die Familie, die ja natürlicherweise zu einem jungen Mädchen dazugehört spielt oft eine zweitrangige Rolle. Die Thematik des von der Familie getrennten Mädchens ist, wie unten noch gezeigt wird, sehr beliebt. Aber auch ansonsten kommt der Familie des Mädchens keine tragende Rolle zu. Das Mädchen ist eher frei - im positiven wie im negativen Sinne. Die Rolle der Mutter als heiliges Idealbild ist nicht unüblich. Es kommt häufig vor, daß die Mutter einer Heldin verstorben ist und der Rest der Familie dem Mädchen kein Verständnis entgegenbringt und somit die Mutter noch mehr verherrlicht wird. Handlungsabläufe Megumi Maderdonner teilt die Comicgeschichten für Mädchen wie folgt ein: 1. Gespenster und Horrorgeschichten, die von einem erschreckenden Erlebnis der Heldin erzählen 2. Nonsense Komödien, welche unrealistische Geschichten mit unlogischer Handlung erzählen 3. Science-fiction und Märchengeschichten, die in einer fernen Welt spielen 4. Erzählungen über Männer und ihre Welt, über die das Mädchen nichts weiß 5. Sport- oder Berufsgeschichten, in denen ein Mädchen mit Sport oder einem Beruf seine Jugend verbringt 6. Alltagsgeschichten über Liebe und Glück Die Geschichten über die Liebe, die im Alltagsleben spielen, werden am liebsten von den japanischen Mädchen gelesen. Allerdings hat sich die Definition dessen, was Liebe und Glück ist, im Laufe der Jahrzehnte verändert. Vom Ideal des glücklichen Familienlebens in den Fünfzigern und die Schaffung einer solchen in den Sechzigern über das Finden des Idealpartners in den Siebzigern bis zu der alltäglichen Liebesgeschichte in den achtziger veränderte sich diese Definition.
Die Geschichten, die um den Sport kreisen erlebten einen Boom in den Jahren nach 1964, in dem die japanischen Nationalmannschaft im Hockey eine Goldmedaille erhielt. Auch andere aüßere Veränderungen, wie die Studenten- und Hippie-Bewegung der sechziger Jahre beeinflußten die Themen des Mädchencomics.
Einige neuere Comicgeschichten aus Comicmagazinen für die Mädchen nähern sich einer Handlung, die auch bei Jungen auf Interesse stößt - so z.B die Geschichte eines Tierarztes in "Dôbutsu no Oishasan". Diese Veränderung ist auch damit zu erklären, daß immer Jungen Mädchenmagazine lesen, bzw. Themen aus dem Mädchencomics in den Jungencomics übernommen werden, und auch umgekehrt die Mädchen sich für die Jungencomics interessieren. Das kommt vielleicht daher, daß die Themen sich erschöpft haben oder nicht mehr mit den Vorstellungen der heutigen Jugendlichen übereinstimmen. Soziologisch interpretierbare Merkmale der Mädchencomics Sexualität Das Mädchencomic enthält, im Gegensatz zu den Erwachsenencomics und den Jungencomics, weder Gewalt- noch Sexszenen. Grundsätzlich sind die Personen, wie oben schon beschrieben, ohne sexuelle Merkmale gezeichnet, sozusagen asexuell. Dies bedeutet aber nicht, daß die körperliche Liebe kein Thema ist. So ist die homosexuelle Liebe zwischen zwei recht weiblich anmutenden jungen Knaben ein sehr beliebtes Thema. Auch körperliche Liebe zwischen zwei Mädchen wird des öfteren thematisiert. Es scheint, als ob die Mädchen, die noch nicht bereit sind, Teil des Lebens der Erwachsenen zu werden, ihre ersten sexuellen Gefühle auf gleichartige Personen projizieren, auf eine Beziehung, die nicht, wie in der japanischen Gesellschaft durchaus noch üblich, die Frau in eine ganz bestimmte Rolle drängt. Es wird auch vermutet, daß die homosexuelle Liebe in den Mädchencomics die Zweigeteiltheit der Seele des Mädchens symbolisiert, das weder Frau noch Kind ist. Tatsache ist, daß vor allem die Zeichnerinnen der siebziger Jahre in den Mädchencomics ein Medium fanden, in dem tabuisierte Themen wie die Homosexualität und auch die wahren Gefühle heranwachsender Mädchen dargestellt werden konnten, ohne daß ein Skandal ausgelöst wurde.
Es mag auf der Hand liegen, in dieser Darstellung der Sexualität eine Art von Befreiung zu sehen. Das häufige Auftauchen einer vollkommen androgynen Person in den Comicgeschichten für Mädchen und deren Bewunderung durch die Heldin zeigen jedoch, daß das Ideal der Frau noch nicht die frei über ihre Sexualität bestimmende Frau sondern die asexuelle, reine und erduldende Frau ist, die häufig in dem Bild der Mutter symbolisiert wird. Mädchencomics und YOSHIMOTO Banana Die 1964 geborene YOSHIMOTO Banana, Tochter eines der wichtigsten und distinguiertesten Intellektuellen der Nachkriegszeit, YOSHIMOTO Takaaki, veröffentlichte 1987 ihr Debutwerk "Kitchen", das einerseits sehr schnell sehr viele Leser fand und der Schriftstellerin einen wichtigen Preis einbrachte und andererseits große Kritik hervorrief. Der wichtigste Kritikpunkt bezog sich auf die Nähe des Romans zu dem Massenmedium Mädchencomic. John Wittier Treat bezeichnet YOSHIMOTO Banana gar als „shôjo novelist". YOSHIMOTO Banana hat selbst in Interviews und Aufsätzen darauf hingewiesen, daß ihre Romane in erster Linie von der Lektüre des Mädchencomics beeinflußt wurden. Tatsächlich weisen ihre Romane viele Motive auf, die in den Mädchencomics häufig vorkommen. Beispiele hierfür sind die Transsexualität, das Thema der verlorenen Eltern, die asexuelle Liebe, die homosexuelle Liebe, die Nähe zum Liebesroman und zum Science Fiction als auch der Kampf des Mädchens mit dem Eintritt in die Erwachsenenwelt. Die Beliebtheit der Romane von YOSHIMOTO Banana sowohl bei den Mädchen als auch beim Rest der Gesellschaft läßt die junge Schriftstellerin zu einem Phänomen werden und die Shôjo-Kultur zu einem interessanten Forschungsgegenstand. Die Frage, ob mit ihr endlich eine wahre Vertreterin einer neuen Generation aufgetaucht ist oder ob sie nur ein neues Produkt einer vom Kapitalismus geprägten irrealen Mädchenwelt ist, die die ganze Gesellschaft zu durchdringen droht , muß hier offen bleiben.
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