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DATE Kyoko
Das erste "Virtual Idol"
Von Andreas Fels
1996: Kyoko ist ein 13 jähriges, japanisches Mädchen, daß 1,62 m groß ist, gerne Mariah Carey, TLC und Enya hört, Christian Slater und NAGATSUKA Kyozo als Schauspieler mag und gerade die erste große Liebe zu einem zwei Jahre älteren Jungen aus der Fußballmannschaft hinter sich hat. Hört sich ganz normal an? Ist es allerdings nicht ganz. Zum einen ist Kyoko einer der Teenie-Stars zur Zeit in Japan und ihre erste Single "Love Communication" schon seit einiger Zeit in den dortigen Hitparaden, zum anderen ist sie kein Mensch. Sie ist eine voll animierte Computer-Grafik und der Versuch ihrer Entwickler zu beweisen, ein Idol schaffen zu können, ohne einen Menschen als ein ebensolches aufbauen zu müssen.
Es ist Anfang des Jahres 1995. Ein Team von Entwicklern sitzt in einem Büro der japanischen Multimediafirma HoriPro zusammen und diskutiert die Idee einer Software passend für das "Multimedia-Zeitalter". Man beschließt schließlich mit dem Computer eine& virtuelle Persönlichkeit zu kreieren. Ein Konsortium bestehend aus Spezialisten aus Künstler-Management, Werbung und Computer-Animation bastelt unter dem Code-Namen DK ("Digital Kid"; später wurden die Initialen für ihren Namen DATE Kyoko verwendet) mehr als ein Jahr an seinem virtuellen Kind, daß, wenn es dann fertig wäre, ein Teenie-Idol werden solle.
Doch vorher mußten die Grafiken noch zum Laufen gebracht werden: "Motion Capture" heißt das Stichwort für den Vorgang, bei dem über einen Datenanzug mit Kontakten und Spezialkameras die Bewegungsabläufe eines realen Menschen in den Computer übertragen werden. Hierbei werden dann die Lippenbewegungen eines Sprechers und die von Kyoko synchronisiert, was einen realistischen Sprecheindruck vermittelt. Die Grafikcracks des in Japan führenden Computergrafikunternehmens Visual Science Inc. nahmen sich dieser Aufgabe an und schafften es tatsächlich, ein animiertes 3D-Mädchen fernab von Manga und Zeichentrick zu produzieren, welches wirklich menschlich aussieht. Und damit auch der menschliche Background stimmt, schuf ein weiteres Team die schier lückenlose Biographie eines 13 Jährigen Teenagers; wichtig für all die Fanzines und die Fans selbst.
Und wie schon Eingangs erwähnt: Der kalkulierte Erfolg trat ein. Kyoko war die angesagte Sängerin schlechthin. Auf Tôkyô FM hatte sie ein eigenes, wöchentliches Programm, Werbespots mit ihr sind gedreht worden und sogar eine eigene Fernsehsendung folgte. Wie ihr geistiger Vater Hori Yoshitaka schon mutmaßte, sollte Kyoko "in Zukunft in vielerlei Ausführung echten Stars Konkurrenz machen".
Inzwischen hat Hori Pro die Bemühungen um virtuelle Idole eingestellt und fördert wieder junge Mädchen aus Fleisch und Blut. Allerdings hat DATE Kyoko eine ganze Welle von "künstlichen Menschen" losgetreten, die auch heute noch Internetseiten, Fernseh- und Filmproduktionen sowie Computerspiele bevölkern.
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