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Erfahrungsbericht einer Tamagotchi-Besitzerin

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Tamagotchi

Von Andreas Fels

Was ließ Tausende Japans Spielzeugläden stürmen? Was trieb Menschen dazu, vor einem solchen Laden die ganze Nacht auf eine neue Lieferung dieses kaum Hühnerei großen Spielzeugs zu warten? Was wurde auf dem Schwarzmarkt, obwohl es eigentlich nur 2000 Yen, also umgerechnet knapp 30 DM kostet, für bis zu 500,- DM gehandelt? Welches japanische Spielzeug wurde in den USA wegen seiner "seelischen Härte" nur in zensierter Fassung auf den Markt gebracht?


Tamagotchi war der Verkaufsschlager des Jahres 1996 in Japan schlechthin. Der Erfolg dieses an sich simplen Taschencomputerspiels, indem es darum geht ein "virtuelles" Küken von seinem Schlüpfen an durch Drücken von einem der sechs angebrachten Knöpfe zu pflegen oder durch Spielen zu beschäftigen, kam selbst für seinen Hersteller Bandai überraschend: Sie kamen wegen der erhöhten Nachfrage mit der Produktion ihres eigentlich als Schlüsselanhänger gedachten Spielzeugs nicht mehr nach. Tamagotchi wurde zu einem begehrten Kultobjekt. Wer es besaß gehörte vor allen Dingen in den Schülerkreisen dazu. Man sprach auf dem Pausenhof, am Telefon oder in Internet-Newsgroups über den Zustand seines Kükens und deren neuesten Leistungen.

Wie hält man Tamagotchis? Mit fürsorglicher Pflege und Ernährung, die Tamagotchi wachsen schnell zu süßen virtuellen Haustieren heran mit einer großen Vielfalt an Formen und Persönlichkeiten.
Aber Vorsicht: Vernachlässigt man Tamagotchi, stirbt es und läßt sich, in der japanischen Version wenigstens, wie im richtigen Leben nicht mehr zum Leben erwecken.

Auch in Deutschland gab es ähnliche Szenen wie in japan und den USA: Zur Markteinführung waren weit und breit keine dieser Eier erhältlich und Tamagotchi war in den Medien sehr präsent. Doch ebenso schnell wie das Tamagotchi gekommen war, ist es auch wieder aus den Händen der Kinder und Erwachsenen verschwunden.
Das Tamagotchi verbringt seinen Lebensabend jetzt in Schubladen und auf virtuellen Tamagotchi-Friedhöfen.

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