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"Die Virtuellen werden die Lebendigen nicht verdrängen." Interview über die Zukunft von virtuellen Persönlichkeiten
Japanlink traf den Kölner Producer für virtuelle Charaktere Sascha Lammers und sprach mit ihm über virtuelle Idole, ihre Zukunft und ihre Akzeptanz in Japan.
Lammers: Ja, wir sind ja alles Männer in der Tevox, deswegen (lacht). Nein, es ist in der Tat so, daß der Kunde zu uns kommt und Wünsche äußert. Frauen sind dabei eher gefragt. Wir haben bisher einen Mann in einer Auftragsarbeit modelliert, ansonsten sind es auch von uns ausschließlich weibliche Charaktere, die erstellt werden. Warum, wieso, weiß ich allerdings auch nicht. Japanlink: Haben Sie auf dieser Messe feststellen können, ob das japanische Publikum die virtuelle Moderatorin anders aufnimmt, als sie es von europäischem Publikum gewohnt sind? Lammers: Ich habe die Japaner während unserer Shows beobachtet, weil es mich natürlich immer interessiert, wie das Publikum auf unsere Character reagiert. Die Japaner sind - das ist jetzt eine ganz persönliche Einschätzung - etwas schwierig in diesem Bereich: Sie zeigen wenig Emotionen nach außen und man weiß dann nicht, ob sie's gut finden und nicht. Das heißt, die meisten Japaner kamen zu unserem Stand, schauten, was es zu sehen gab - ein tolles, neues Auto, eine nette Messehostess, ein virtueller Character oder eine super Show - blieben 5 Minuten stehen, wenn überhaupt, und gingen weg, ohne eine Miene zu verziehen. Es war also sehr schwierig für mich zu beurteilen, ob dem Japaner dort gefällt, ob es ihn anspricht. Ich weiß nur, daß alle letztendlich zufrieden waren und das ist für mich die Bestätigung, daß der Character seinen Sinn und Zweck erfüllt hat, nämlich das Publkum anzusprechen und etwas zu vermitteln. Japanlink: Wie schätzen Sie, wird sich diese Erscheinung weiterentwickeln? Glauben Sie, daß virtuelle Models, Schauspieler und Moderatoren mittelfristig solche aus Fleisch und Blut verdrängen könnten?
Japanlink: Wie zur Zeit in Tarzan... Lammers: Ganz genau. Das funktioniert dann auch in Echtzeit, wird aber den klassischen Zeichentrick nicht ersetzen können, weil reiner Zeichentrick noch ganz andere Möglichkeiten bietet. Japanlink: Aber Sie gehen schon davon aus, daß die Anzahl der virtuellen Charaktere, vor allen Dingen der Moderatoren zunehmen wird? Immerhin sind schon wieder einige der Charaktere wieder von der Bildfläche verschwunden, wie z.B. DATE Kyôko. Glauben Sie, daß das daran liegt, daß sich das Publikum an den Figuren sattsieht und ständig etwas neues fordert oder daß einfach noch nicht die Akzeptanz für so etwas da ist? Lammers: Hm, ich glaube, ohne jemanden von den Mitbewerbern schlecht machen zu wollen, daß es sehr schwierig ist, gute Charaktere auf den Markt zu bringen. Es reicht nicht, einen tollen Character zu machen, der gut aussieht, sondern dieser Character muß auch ein Leben haben, eine eigene "Persönlichkeit" haben, mit der er nach außen treten kann. Entweder entwickelt er sich dann zu einem Publikumsliebling, oder nicht. Obwohl dies auch Zeit braucht, um sich zu entwickeln. Thomas Gottschalk ist wahrscheinlich auch nicht vom ersten Tag an überall auf Akzeptanz gestoßen. Und bei vielen Characteren ist es so, die sehen entweder gut aus oder sind technisch sehr gut umgesetzt, aber es fehlt die Story, es fehlt das drumherum. Genauso, wenn man eine gute Story hat, der Character ist aber technisch nicht auf dem Stand der Dinge oder ist einfach nur schlecht gespielt von den entsprechenden Puppenspielern oder gar schlecht animiert. Es muß also alles insgesamt stimmig sein, und das ist das, was einen Character gut und die ganze Sache schwierig macht.
Lammers: Ja, bei DATE Kyôko war es so, daß man ja tatsächlich nur diese paar Stills gesehen hat. Ich kann immer wieder diese Bilder im Internet posten. Wenn ich zwei Jahre lang immer nur die selben Bilder sehe, interessiert mich der Character irgendwann nicht mehr. Es ist so wie mit lebenden Idolen wie z.B. Madonna, immer neue Sachen sehen, ich will neue Platten hören, neue Bilder sehen, neue Videos und neue Stories lesen, ansonsten stirbt das Idol. Man muß also auch da auf dem Laufenden bleiben und immer Nachschub liefern und das ist genau das, was bei DATE Kyôko eben nicht gemacht wurde. Japanlink: Herr Lammers, vielen Dank für das Gespräch. JAPANLINK | aktuelles | medien & kultur | land & leute | geschichte & politik | special | über japanlink | © 1997-2010 by Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM und anderen Internetseiten sowie Nachdruck dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von APIX erfolgen. |