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Tropical Music, das deutsche Label von Cicala Mvta mit weitergehenden Informationen über die ÔKUMA Wataru Unit (D)

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Die stumme Zikade

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Die stumme Zikade
Cicala Mvta (Ôkumu Wataru Unit) und ihr Album "Deko-Boko"

Von Alexander Trofimow

Cicala Mvta (gesprochen: Shikála Múta) haben sich als eine der faszinierendsten und originellsten Bands aus Japan binnen kurzer Zeit auch in Europa einen Namen gemacht. Wie bei vielen innovativen Musikern, ist auch Cicala Mvtas Stil schwer zu definieren. Begriffe wie "punk chindon jazz", "world brass" oder einfach "strange popular music" sind nur unzureichende Beschreibungen. "Deko Boko" ist das zweite Album der Band Cicala Mvta. Es ist die konsequente Fortsetzung der ersten CD "Ching Dong - The Return of Japanese Streetmusic" (Nektar/Tropical Music CD 68.801/BMG 916.880.12). Der Soundmix ist radikaler und die größtenteils selbst- geschriebenen und arrangierten Stücke verbinden in genialer Form das Alte und das Neue, den Osten und den Westen.
Über den Titel des Albums sagt Bandgründer ÔKUMA: »Deko-Boko bedeutet konvex-konkav oder hoch und tief. Für mich ist alles so. Die Welt ist dekoboko ! Es ist schwierig einen Zustand, hoch oder tief, beizubehalten. Lediglich mit Hilfe einer Linse ist dies möglich. Ansonsten ist alles in Bewegung.«
   
Cicala Mvta (Ôkuma Wataru Unit) - Deko-Boko (Album)
Erscheinungsdatum: 18.03.2002

Label: Tropical Music
(Nektar 68.822)

Hörprobe:

Deko Boko (MP3-Download, 1,0 MB)

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Gegründet wurde die Band von ÔKUMA Wataru, der seine Karriere als Gitarrist in einer Punkband begann und später Klarinettist in einer Chindon Gruppe wurde. Die farbenfrohen Chindon- Gruppen gehörten früher zum Straßenbild Japans. Mit ihrer lautstarken Mischung aus Chindontrommeln und Blasinstrumenten interpretierten sie aktuelle Hits der Zeit. Sieben Jahre war ÔKUMA mit Chindon Musik auf den Straßen Tokyos unterwegs bis er Ende der 80er Jahre gemeinsam mit seiner Band "Compostella" begann Chindon und andere musikalische Elemente miteinander zu verbinden.

Japan ist wohl das bislang einzige östliche Land, das in einem sehr großen Ausmaß westliche Musik in sich aufgesogen hat. Marching Bands findet man hingegen fast überall auf der Welt. Als eine Form "entmilitarisierter" Marschmusik ähnelt Chindon sowohl der jüdischen Klezmer Musik, als auch den Marching(Brass)bands von New Orleans und den Blas- und Percussionsorchestern Chinas und Südostasiens. Bandleader ÔKUMA will alle diese Einflüsse in der Musik von Cicala Mvta verbinden. »Meiner Ansicht nach sind der Jazz, Klezmer und Hochzeitsblaskapellen von Indien bis zum Balkan der Chindon-Musik sehr ähnlich. Überall taucht die Klarinette als Hauptinstrument auf, und so ist es für mich selbstverständlich diese Stile in meiner Musik miteinander zu verknüpfen.«
   

ÔKUMA Wataru in seinem Element als Straßenmusikant
Bild: © Tropical Music

ÔKUMA Watarus musikalisches Portfolio umfasst jedoch auch progressiven Rock, Punk, Avantgarde Jazz, frühe moderne Musik (Bartok) und Folk. All das zusammen verleiht der Musik von Cicala Mvta ihren ganz eigenen Sound. Die Band kombiniert das freche und wilde Spiel von ÔKUMAs Klarinette und Saxophon mit den eigenwilligen und originellen Klängen einer verzerrten E-Gitarre, pumpenden Tubagrooves, quietschenden Celloklängen, angeschrägten Geigentönen und swingendem Schlagzeug. Als Gast ist der amerikanische Schlagzeuger Samm Bennett auf der CD zu hören, der in der New Yorker Szene mit Bands wie "The Kropotkins" und "Chunk" gespielt hat und nun seit einigen Jahren in Tokyo lebt und dort u.a. in Bands wie "Soul Flower Union" aktiv ist.

Als eine der wenigen Bands aus Japan ist es Cicala Mvta gelungen, auch im Ausland erfolgreich zu sein. Als Support-Act der britischen Band "Blur" hatten sie im Juli 2000 ihren ersten Europa- Auftritt in London. In den darauffolgenden sechs Wochen begeisterten sie das Festivalpublikum in ganz Europa.

Auch wenn Cicala Mvtas Musik instrumental ist, so ist sie doch nicht ohne Botschaft. Der Name der Band, italienisch für "stumme Zikade", bezieht sich auf die Grabinschrift auf dem Grab des bedeutenden japanischen Sängers und Komponisten AZEMBO Soeda (1872-1944). ÔKUMA über Azembo: »Mehrfach wurde er verboten und inhaftiert. Man versuchte in zu zerbrechen und mundtot zu machen, er fühlte sich wie eine stumme Zikade, aber er machte trotzdem weiter.«

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