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Shamisen

Von Jens Probst

Das Shamisen ist ein dreisaitiges Lauteninstrument mit einem auffällig langen Hals, sowie einem relativ gedrungenem Körper. Die Maße des Instruments sind nicht generell normiert, sondern variieren zwischen den unterschiedlichen Musizierstilen.
Das Shamisen wird auch als Langhalslaute bezeichnet und trat auf den Hauptinseln Japans erstmals vor ca. 430 Jahren in Erscheinung. Seine Wurzeln gehen natürlich wesentlich weiter zurück, und zwar sowohl in entwicklungs- und zeitgeschichtlichen als auch geographischen Maßstäben.
Das Shamisen nimmt unter den traditionellen Musikinstrumenten Japans einen besonderen Platz ein. Denn als eines der wenigen traditionellen Instrumente genießt es auch noch heutzutage eine außerordentliche Popularität. Dies ist nicht zuletzt auf die Verwendung des Shamisen in den Bühnenkünsten Japan`s, vor allem in Kabuki und Bunraku, zurückzuführen.
Demnach definiert sich die Popularität des Shamisen vor allem als Element dieser populären Schauspielkünste.
Eine weitere Sonderstellung gegenüber anderen Musikinstrumenten nimmt es durch seine Verwendung in der Musik verschiedenster sozialer Schichten, mit Ausnahme der obersten, ein. Kaum ein anderes Instrument Japans hat in gleichem Maße für Kontroversen gesorgt und nur wenige haben ein solch breites Verwendungsspektrum vorzuweisen. Ob Soloinstrument oder Ensemblebestandteil, ob Bühnenmusikinstrument, Kammermusik- oder Volksmusikinstrument, das Shamisen erfüllt die unterschiedlichsten Zwecke oder hat diese in seiner relativ kurzen Geschichte in Japan erfüllt.
Heutzutage kann man das Instrument Shamisen an der Tôkyô National University of Fine Arts and Music studieren und sogar graduieren.

Konstruktion

Das Shamisen besteht aus einem Körper, der aus vier konvex geformten Brettern zusammengesetzt ist. Die bevorzugten Materialien hierfür sind Hölzer von Quitte, Eiche, Maulbeerbaum und Sandelholz. Oft werden diese Bretter auch mit Mustern oder Zeichen beschnitzt, was selbstredend außer ästhetischen oder symbolischen Effekten auch Einfluß auf die Klangqualität des Instruments hat.
Dieser Rohkörper wird auf beiden Seiten mit Katzenhaut bespannt. Seltener wird auch Hundehaut verwendet, im gidayu allerdings immer. Dies ist mit der unterschiedlichen Klangqualität der dickeren Hundehaut zu begründen. Die billigere Hundehaut findet auch bei Übungs-Shamisen Verwendung .
Nennenswert ist, daß das Tierfell nur durch reine Schrumpfung, zuweilen mit Hilfe von Leim auf den Holzrohkörper appliziert wird.
Auf der Tierhaut, über die die Saiten verlaufen, ist ein weiteres, halbmondförmiges Hautstück aufgebracht, und zwar genau an der Stelle, wo der Shamisenspieler mit dem Plektrum die Saiten anschlägt. Dieses Hautstück wird bachigawa (= Plektrumhaut) genannt und dient also dem Schutz der Tierhaut vor Verschleiß.
In den Körper wird ein 88 cm langer Hals gesteckt, und zwar so, daß er mitten durch den Körper verläuft und sein unterstes Ende aus demselben hervortritt. Hals und Körper werden weder chemisch noch mechanisch fix verbunden , sondern bleiben zerlegbar und damit auch nicht zuletzt transportabel.
Für den Hals finden im allgemeinen die gleichen Hölzer wie für den Körper Verwendung. Der Durchmesser des Halses ist auch maßgebend für die Bezeichnung des Instrumentes nach der Bauweise. So unterscheidet man breite, dunkelklingende (futazao), mittelbreite (chuzao) und schlankhalsige, hellklingende Instrumente (hosozao).
Die drei Saiten des Shamisen werden zwischen den Wirbeln am oberen Halsende (ein Wirbel pro Saite) und einem Seidenband, dem sog. neo, das am Halsende an der Körperunterseite befestigt ist, gespannt.
Die effektive, d.h. die schwingende Saitenlänge wird allerdings durch zwei  Stege bestimmt. Der obere, auch kamigoma genannte Steg befindet sich unterhalb des Wirbelkastens am oberen Halsende, der untere, koma genannte Steg befindet sich auf der Haut am unteren Korpusende.  Der obere Steg besteht aus Metall, meist aus Gold, der untere Steg aus Elfenbein oder Holz. Allerdings verläuft die untere Saite nicht über den oberen Steg sondern wird seitlich an ihm vorbeigeführt. Direkt unterhalb des oberen Steges befindet sich eine Vertiefung, das sogenannte Tal, gefolgt von einer Erhöhung, dem sog. Berg. Wird nun die untere Saite in Schwingung versetzt schlägt sie immer leicht am Berg auf, so daß ein schnarrender, metallisch klingender Ton entsteht. Dieser Toneffekt wird sawari genannt. Wegen der außerordentlichen Bedeutung des sawari für das Shamisenspiel wird bei der Instrumentenproduktion besonders auf die richtige Saitenspannung, und die korrekte Berghöhe geachtet.
Die Saiten werden mit einem ginkoblattförmigen Plektrum angeschlagen, das aus Elfenbein, Holz oder Plastik besteht. Eine Ausnahme bilden die Kammermusikrichtungen jiuta und sankyôku, bei denen die Plektrumspitzen aus Schildpatt bestehen.
Die genannten Bauteile ( Hals, Bespannung des Korpus, Saiten, Stege und Plektrum) sind nicht normiert, sondern variieren zwischen den verschiedenen Schulen, und damit auch die Klangqualität.

Zur Musik im Allgemeinen

Spieltechnik

Das Shamisen wird vom Spieler gitarrenähnlich gehalten. Das Plektrum wird mit der rechten Hand gefaßt und mit den Ecken desselben die Saiten angeschlagen. Gleichzeitig mit der Saite berührt das Plektrum auch die Haut des Korpus (abachigawa).
Außer dem Schlagen der Saite werden Techniken wie Zupfen, Hämmern und Gleiten verwendet. Auch Pizzicatos und Tremolos finden Anwendung. Eine Ausnahme bilden leichtere Shamisenstilarten (z.B.kouta) bei denen die Saite mit den Fingernägeln der rechten Hand oder einem kleinem Fingerplektrum in Schwingung versetzt wird.
Die schwingende Saite wird generell mit den Fingern der linken Hand, außer Daumen und kleiner Finger, gestoppt.
Um die Gleitfähigkeit der Hand am Hals zu erhöhen, wird oft eine Art Daumensocke getragen. Im gidayu wird die linke Hand hierzu oft gepudert.

Stimmung, Rhythmus und klangliche Besonderheiten

Das Shamisen begleitet normalerweise Gesang mit einer ähnlichen Melodie, ist aber vom Gesang um einen halben Schlag versetzt. So sind sowohl Gesang als auch Shamisen einzeln hörbar, bleiben aber dennoch im Einklang. So wird der gesungene Text verständlicher, und Shamisen und Gesang ergeben einen spannungsreichen Kontrast.
Das harte Schlagen der Saiten und des Korpus mit dem Plektrum hat auch die Funktion von Rhythmuserzeugung.
Die drei Saiten des Shamisen kennen drei Grundstimmungen, nämlich honchoushi (entspr. den Tönen h, e und h ), niagari ( entspr. den Tönen h, fis und h) und sansagari (entspr. den Tönen h, e und h).honshoushi kann als die Standardstimmung bezeichnet werden, niagari.wird zum Ausdruck froher Stimmung verwendet, sansagari drückt melancholische Stimmung aus.
Oft wird die Stimmung der Saiten innerhalb eines Stückes, je nach erforderlicher Stimmung, geändert. Hierbei gilt der Wechsel von honchoushi zu niagari als besonders effektvoll.
Die wichtigste Charakteristik der Shamisenmusik, das sawari, entsteht nicht nur durch direktes Anreißen der unteren Saite, sondern auch durch Mitschwingen der Saite wenn die beiden höheren Saiten schwingen. Dies ist besonders der Fall, wenn das Intervall zwischen gespieltem Ton und Stimmung der unteren Saite genau eine Oktave, Quinte oder Quarte beträgt.

Geschichte und Genres

Während seiner ganzen Geschichte war das Shamisen eher ein Instrument der unteren sozialen Schichten; dies begann sich auch erst nach dem 2. Weltkrieg zu ändern, so daß es heutzutage durchaus seinen Rang hat. Vorher jedoch war es auch in der Halbwelt Japan´s das wichtigste Instrument und eine geisha von Rang und Namen mußte es ab dem 17. Jahrhundert zu ihrem Repertoire zählen können. Besonders die geishas Edo´s erwarben sich einen Ruf im Umgang mit dem Instrument.
Ein wesentlicher Entwicklungsfaktor war die Förderung der Shamisenmusik durch die sozial niedrig stehende aber dank ihres Reichtums sehr einflußreiche Klasse der Händler und Kaufleute.
Das japanische Shamisen ist eine Modifikation der ab dem 13. Jahrhundert in China auftretenden san-hsien, wobei die Ursprünge des Instrumentes wahrscheinlich bei zentral- oder west-asiatischen Instrumenten wie Sitar oder Qubuz zu finden sind. Das san-hsien wurde allerdings noch mit Schlangenhaut bespannt und war daher vor allem in Gegenden China´s populär, in denen Schlangenhaut leicht erhältlich war; so z.B. in Szechuen und Fukien.
Im Jahr 1392, zu Anfang der Ming-Dynastie, wurden 36 Familien von China auf die Ryukyuinseln versetzt, um hier die chinesische Kultur zu verbreiten.

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