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Shamisen

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Die reformierten hauta wurden unter dem Namen utazawa präsentiert.
Das Gegenstück zu utazawa ist der Stil namens ogie-bushi, der von Ogie Royu begründet wurde. Ogie-bushi wurde zwar 1766 erstmals im kabuki aufgeführt, entwickelte sich aber schnell zu einem Stil voller erotischer Anspielungen und fand daher vor allem im Tokyoter Vergnügungsviertel Yoshiwara und seinen Etablissements Verbreitung.

Stilmerkmale

Im folgenden seien die unterschiedlichen Genres der Shamisenmusik erläutert und zwar getrennt nach katarimono und utamono. Hierbei muß allerdings beachtet werden, daß die Unterschiede zwischen narrativen und liedhaften Stilen oft fließend sind, oder daß sogar ein Begriff beides beinhaltet (z.B. nagauta). Zumindest die japanische Sprache trennt hier aber eindeutig. Man „erzählt" katarimono, aber man „singt" utamono.
Eine weitere Charakteristik der Stile, nämlich die Herkunftsgegend, hat auch keinesfalls immer eindeutig abgrenzenden Charakter. Denn zwischen Edo (also Tôkyô) und dem Kamigata-Gebiet (Ôsaka und Kyôto), den beiden Innovations- und Entwicklungszentren der Shamisen-musik, bestand eine hohe Fluktuation führender Musiker.
Durch diesen Gedankenaustausch entstanden ebenso neue Entwicklungsanreize, aber die Stile der beiden Gebiete vermischten sich auch.
Im Allgemeinen kann jedoch gesagt werden, daß die Stile des Kamigata-Gebietes eher strenger, traditioneller und stärker an Konventionen gebunden waren und sind.
Auch war hier der Einfluß des Buddhismus auf die Musik zwingender, was eine strengere Formgebung bewirkte.
Im Gegensatz hierzu entwickelten sich im mondäneren Tôkyô, dem dortigen Publikumsgeschmack entsprechend, lockerere und leichtere Musizierstile. In beiden Gebieten war das Shamisen jedoch ein äußerst populäres Instrument der breiten Masse und fand auch in den Halbwelten beider Gebiete häufige Anwendung.
Es sei noch bemerkt, daß einigeder folgenden Stilarten heutzutage ausgestorben sind oder nur noch in besonderen Konzertformen existieren.

Stilmerkale der katarimono

Der Begriff joruri ist, wie bereits erläutert, sehr umfassend und wird im Allgemeinen mit dem Begriff katarimono synonym verwendet. Daher werde ich ihn  im Folgenden nicht gesondert erläutern.

naniwa-bushi

Entstehungsgebiet von naniwa-bushi ist Ôsaka, die gesungenen Texte sind folkloristisch und haben ruralen Charakter. Wegen der unterhaltsamen, zweideutigen Texte bis zum zweiten Weltkrieg hochpopulär, wurde es danach durch amerikanische Popmusik verdrängt. Die Inhalte von naniwa-bushi basieren ursprünglich auf altjapanischen Sitten und Bräuchen und unterlagen in ihrer Entwicklung auch buddhistischen Einflüßen.

gidayu-bushi

Entstanden im Kamigata-Gebiet wurde gidayu-bushi zum absolut vorherrschenden Stil im Bunraku und ist dies auch heutzutage noch. Das ist auch einer der Gründe für die große Popularität. Der Musizierstil ist relativ schwer und dunkel, was auch die Konstruktion des gidayu-Shamisen verrät. Von allen Stilarten wird im gidayu das schwerste Instrument verwendet, mit dem dicksten Hals (futazao), der dicksten Tierhaut, dem breitesten Plektrum, usw.

kato-bushi

Die Ursprünge von kato-bushi liegen zwar in Kyôto, aber vollendet wurde der Stil erst in Edo. Die Musik ist in ihrer Stimmung auch typisch für Edo. Es handelt sich um narrative Balladen leichter Stimmung. Anfangs oft im kabuki verwendet ist es heutzutage fast verschwunden.

itchu-bushi

Die Ursprünge von itchu-bushi liegen gleichfalls in Kyôto, es muß aber dennoch als Edo-Stil bezeichnet werden. Im Gegensatz zu kato-bushi  aber behielt itchu-bushi den schwereren Charakter der Kamigatamusik. Es wurde auch anfangs im kabuki gespielt, spielt in er heutigen Musik aber keine Rolle mehr. Der Stil gilt trotzdem als elegant und ausgereift.

bungo-bushi

Auch bungo-bushi entstand in Edo, hat seine Wurzeln aber im Kamigata-Gebiet. Es ist ein narrativer, balladenhafter Stil mit teilweise anzüglichen Texten. Thema ist oft tragische Liebe, die mit Doppelselbstmord endet. Das TOKUGAWA-Shogunat befürchtete deshalb demoralisierende Effekte und verbot diesen Stil.

tokiwazu-bushi

Entstand simultan in Tôkyô und Ôsaka und verdrängte das verbotene bungo-bushi mit einem ernsten und geschliffenen Charakter. Es wird seitdem unter anderem im Kabuki gespielt, bevorzugt bei dramatischen Szenen. Es ist heutzutage einer der populärsten Stile.

tomimoto-bushi

Ähnlich wie tokiwazu-bushi allerdings weniger populär.

kiyomoto-bushi

Entwicklungszentren waren Tôkyô und Ôsaka. Kiyomoto-bushi entwickelte sich mit sanften Klängen und ausgeprägter Melodik  zu höchster Popularität, vor allem im Kabuki. Sein lyrisch-dramatischer Charakter wirkt hier besonders bei Liebes- oder anderen emotionalen Szenen. Erwähnenswert ist auch der Gesang, der „instrumental" klingt und eine hohe Kunstfertigkeit erfordert. kiyomoto-bushi ist heute eine der beliebtesten Stilarten, und wird wie tokiwazu mit chuzao-Instrumenten gespielt.

shinnai-bushi

Entstand in Edo und ist durch Passion, Emotion und starke Melodik geprägt. Es fand anfangs im Kabuki Anwendung, war jedoch auch ein sehr beliebter Stil unter Geishas. Wegen anrüchiger Texte wurde es von den TOKUGAWA verboten, erfreut sich heute aber wieder großer Popularität.

Stilarten der utamono

kumiuta

Entstand im Kamigata-Gebiet und ist ein Vorläufer der anderen Stile. Der Stil war geprägt durch die Aufeinanderfolge mehrerer Kurzlieder und ist heutzutage sehr selten zu hören.

jiuta

Entstand gleichfalls im Kamigata-Gebiet und verdrängte kumiuta. Jiuta ist auch heute noch als koto begleitete Kammermusik recht beliebt.

kouta

Ebenfalls ein sehr umfassender Begriff, der sowohl Kinder- als auch geisha-Lieder umfaßt und allgemein für jede Art kurzer, populärer Lieder angewandt wird.
Nach dem 2. Weltkrieg erfuhr dieser Stil einen starken Wiederaufschwug und ist noch heute populär. Durch den Bau als hosozao (=dünner Hals, leichte Stege und Saiten, dünne Katzenhaut, usw.) ist der Klang des Instrumentes relativ hell.

hauta

Das in Edo entstandene hauta bezeichnet ebenfalls populäre Lieder im Allgemeinen, kann aber im Speziellen eine Art Geishalied klassifizieren. Oft wurden alte Volksweisen mit anrüchigen Texten wiederbelebt.

utazawa

Neuauflage der hauta, allerdings mit „bereinigten" Texten, im Stil aber auch etwas schwerer.

nagauta

Stammt ursprünglich aus dem Kamigata-Gebiet, entwickelte sich aber erst in Edo zur Vollendung. Nagauta wurde zum dominanten Musizierstil des Kabuki, was es noch heutzutage ist, und fällt im Vergleich zu anderen Stilen durch seine helle Stimmung auf (hosozao). Im Kabuki wird es mit drei Funktionen angewendet:
1. Als Tanzbegleitung
2. Zum Rezitieren
3. Zur melodiösen Untermalung des Schauspieles.
Im Kabuki spielt das nagauta-Shamisen als Bestandteil eines Ensembles, des nô-hayashi. Da Shamisenmusik ja fast immer im Zusammenspiel mit Gesang abläuft, fallen beim nagauta im Kabuki besonders die langen, gesangslosen Instrumentalteile auf. Nagauta ist eine der populärsten Musikstilrichtungen der Shamisenmusik.

ogie-bushi

Dieser Stil war ein typischer Edo-Stil und lebt noch heutzutage mit mäßiger Popularität.
Ogie-bushi ist gekennzeichnet durch kurze Musikstücke mit anzüglichen Texten. Dieser Stil fungierte hauptsächlich bei Stimmungsmusik in den Vergnügungsvierteln Edo`s.

Literatur zum Thema
Harich-Schneider, Eta: A History of Japanese Music. London: Oxford University Press 1973.
KISHIBE Shigeo: The Traditional Music of Japan. Tôkyô: Kokusai Bunka Shinkokai 1966.
TANEBA, Hisao: Japanese Music. Tôkyô: Kokusai Bunka Shinkokai 1959.

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