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3 Begründer der Tee-Kunst

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3 Begründer der Tee-Kunst

Von Marc Verfürth

Grundlagen

Allgemeines zur Tee-Kunst

Kernelement der Tee-Kunst ist die Tee-Zusammenkunft, zu der der Tee-Meister mehrere Gäste - in der Regel fünf, manchmal aber auch nur drei - einlädt. Bei dieser Zusammenkunft bereitet der gastgebende Meister in einem besonderen Tee-Raum oder sogar in einer Tee-Hütte für seine Gäste den Tee, den diese einer nach dem anderen trinken. Desweiteren werden die Gäste mit kleinen Süßigkeiten und einem bescheidenen Tee-Mahl bewirtet. Die Beteiligten folgen dabei genau festgelegten Verhaltensrichtlinien, die schon bei der Einladung der Gäste einsetzen und einen Tag nach der Zusammenkunft durch den Dank beim Gastgeber ihr Ende finden.

Diese Formalisierung geht soweit, daß jede zum Tee-Zubereiten nötige Handlung des Meisters lange geübt werden muß, um perfekt beherrscht werden zu können. Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Kunst, deren Ziel die innere Vervollkommnung mit Hilfe äußerer Tätigkeiten, dem "Im-Leben-Stehen", und ihrer Übung ist. Um diesen Punkt besser zu verstehen, ist es günstig, einen Blick zu werfen auf den Einfluß des Zen-Buddhismus auf die Tee-Kunst.

Der Zen-Buddhismus in der Tee-Kunst

Die spirituellen Verwurzelungen

Die wesentlichen Impulse erhielt die Tee-Kunst aus dem Zen-Buddhismus. Eine wesentliche Ursache hierfür liegt vor allen Dingen wohl darin, daß der Tee von Zen-Mönchen aus China eingeführt wurde und zunehmend Gebrauch fand sowohl als "Aufputschmittel" zur Unterstützung der zum Teil recht langen Meditationsübungen als auch im Ritus selbst. Zudem durchliefen fast alle Tee-Meister eine Ausbildung im Zen als Laien oder sogar als Mönche, bevor sie sich dem Tee zuwandten.

So ist die Tee-Kunst ganz durchdrungen von den Vorstellungen des Zen, so daß bald der Begriff chazen ichimi, was soviel bedeutet wie 'Tee und Zen in einem (Körper)', geprägt wurde. Diese Religiosität der Tee-Meister war, wie aus dem bisher gesagten unschwer zu erkennen ist, nicht etwa Ziel oder Folge der Beschäftigung mit der Tee-Kunst, sondern sie war einerseits schon durch die vorhergehende Ausbildung der Tee-Meister im Zen ganz natürlich als Grundlage vorhanden, und andererseits wurde sie auf diese Weise auch für diejenigen, die diese Grundlagen später so nicht mehr besaßen, als fest dazugehöriges Bestandteil dieser Kunstform etabliert. Von SEN SÔTAN "einem bedeutenden späteren Tee-Meister stammt der Satz:

"Beim Tee-Trinken den Zen-Weg zum Mittelpunkt machen."

Sein Vorfahr, SEN no Rikyû, der bedeutendste Tee-Meister überhaupt, bezeichnete die Teeguzammenkunft als eine"Buddhasphäre der Reinheit",und die von ihm aufgestellten vier Ideale iei-wa-sei-jaku sind nichts anderes als die Grundsätze zen-klösterlicher Verhaltensregeln.

Wie im Zen, so ist auch in der Tee-Kunst das satori, auch "Nirvana" genannt, das Ziel. Im Zen-Buddhismus ist man, im Gegensatz zu den anderen buddhistischen Schulen, davon überzeugt, daß man nicht etwa durch das langwierige Studium der Sutren oder anderer Lehrbücher allmählich zur Erleuchtung gelangt, sondern plötzlich und ohne bewußtes Anstreben der Erleuchtung. Eng mit dieser Vorstellung verbunden ist der Begriff , der nichts anderes als 'Weg' bedeutet. Auch die Tee-Kunst stellt einen 'Weg' dar; gemeint ist, daß man sich ganz dem Schulungsweg der Tee-Kunst hingibt und darüber allmählich sein Selbst aufgibt, bis man zur Erleuchtung gelangt.

Entlehnungen aus dem Zen-Buddhismus

Infolge dieser starken Verbindung der Tee-Kunst mit dem Zen kam es auch zu einer Reihe von ganz praktischen Übernahmen aus dessen Umgebung. So stammt das daisu, ein Tragegestell, daß in Tee-Zusammenkünften im Stil des Tees im Studierzimmer, shoin no cha, Verwendung fand, ursprünglich aus den Zen-Klöstern. Ebenso wurde der roji, der Tee-Garten, aus den Zen-Gärten entwickelt. Wie diese soll auch der roji der inneren Einkehr dienen und den Tee-Raum abgrenzen von der äußeren Welt. In der tokonoma, der Bildnische, wurden bevorzugt Kalligraphien von Sutren, seit Jukô auch bokuseki aufgehängt. Bei diesen bokuseki (="Tuschespuren") handelte es sich um nichts anderes als um ausdrucksstarke Kalligraphien bedeutender Zen-Meister, mit denen diese ihr innerstes Wesen ausdrückten.

Überhaupt ähnelt die Tee-Zusammenkunft in ihrer ganzen Atmosphäre den sesshin genannten Zen-Meditationsübungen, bei denen eine feste Gruppe von Mönchen sich über einen längeren Zeitraum, meistens etwa eine Woche, ganz der Meditation hingibt, dabei müssen ähnliche Gefühle der Harmonie entstanden sein, wie sie auch in der Tee-Kunst angestrebt werden. Ebenso vom Zen beeinflußt oder aus ihm entnommen ist auch die Konstruktion der Tee-Hütten des sôan no cha beziehungsweise wabicha und die Tee-Blumen, chabana. Sicherlich ließen sich noch vielmehr Adaptionen finden, doch sollte dieses hier zunächst genügen.

Entwicklungen und Stile der Tee-Kunst

Allgemeines

Die Sitte des Tee-Trinkens kam vermutlich unter dem allgemeinen chinesischen kulturellen Einfluß schon während der Nara-Zeit (710-784) nach Japan. Zunächst handelte es sich um aus China importierten sogenannten Ziegel-Tee, bei dem gedämpfte und anschließend gestampfte Tee-Blätter zu Ziegeln geformt wurden, oft unter Zugabe verschiedener Gewürze; später wurde Tee auch in Japan angebaut, und als besonders berühmt galt der Tee aus Toganoo, nordwestlich von Kyôto. Schließlich ging man zum Gebrauch von matcha über, dabei handelte es sich um in einem Mörser zu einem feinen Pulver zerriebene junge Triebe und Blätter der Tee-Pflanzen. Dieses Pulver wurde ohne jeden Zusatz mitt heißem Wasser übergossen und mit einem speziellen Bambus-"Schnee-Besen" schaumig geschlagen. Diese Art der Zubereitung ist auch in der heutigen Tee-Kunst noch üblich.

Die verschiedenen Stile

Während der Tee in den buddhistischen Klöstern vor allen Dingen in Ritualen, aber auch als unterstützende Erfrischung bei den langen Meditationsphasen des Zen diente, hatte er im säkularen Bereich überwiegend den Charakter eines Luxusgutes, das sich nur die vermögende Oberschicht, das heißt, der Hofadel, Teile des Landadels und die etwa im 15. Jahrhundert entstehende, wohlhabende Schicht der Stadtbewohner (machishû) leisten konnte. Desweiteren fand Tee aber auch als Heilmittel Verwendung. Dieser Nimbus des Luxus, der den Tee damals umgab, machte ihn für das Zurschaustellen des eigenen Reichtums, der eigenen Stellung und feinen Kultur besonders geeignet. Folgerichtig war das Tee-Trinken lange Zeit auch wichtiger Bestandteil repräsentativer Festlichkeiten der japanischen Oberschicht. Die seit der Kamakura-Zeit (1192-1333) aufstrebenden Schwertadligen versuchten, sich mittels besonders prächtiger Tee-Zusammenkünfte, bei denen auch wertvolle chinesische Keramik, chinesische Malerei und andere Prestigeobjekte vorgeführt wurden, in der Gesellschaft als dem Hofadel ebenbürtig zu profilieren. Diese Art der Zusammenkünfte nannte man basara no cha, was soviel bedeutet wie: "ausgefallener, in Erstaunen versetzender Tee". Eine Spielart des basara no cha und sehr beliebt bei den mittleren bis niederen daimyô war auch der "Tee mit Bad", rinkan no cha, bei dem es ebenfalls um Prachtentfaltung ging, dieses aber mit einem angenehmen Bad und verschiedenen feinen Mahlzeiten verbunden wurde.

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