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03_yukikos tagebuch

tag 9: fußballfieber
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


2002 findet gemeinschaftlich in Japan und Korea die nächste Fußball- Weltmeisterschaft statt. In Japan begannen schon vor langem die dafür notwendigen Bauarbeiten. Und nun herrscht in Japan eine aufgebrachte Vorfreude. Alle kämpfen, um eine der begehrten Eintrittskarten für eines der wichtigen Spiele zu bekommen. Das Endspiel der letzten WM in Frankreich, bei der Frankreich gewonnen hat, habe ich zusammen mit einer Franzosin gesehen. Das war ein Riesenspaß, da sie sehr stark mitgefiebert hat. Seitdem sehe ich mir manchmal Fußball an, obwohl ich die Spielregeln nicht richtig kenne. Die Stimmung dabei gefällt mir immer.

Dieses Wochenende habe ich das WM-Qualifikationsspiel gesehen. "Deutschland gegen den Erzrivalen England." Das klang in meinen Ohren schon sehr interessant. Und viele Freunde von mir in Japan, die verrückt nach Fußball sind, haben mir schon mehrfach gesagt, dass ich mir unbedingt mindestens ein Spiel in einem Stadium ansehen müsste, wenn ich in Deutschland bin. Das sei eine sehr gute Gelegenheit und so eine Gelegenheit dürfe man nicht verpassen, meinten sie. Ich war zwar nicht im Stadium, aber dafür in einem Sportcafé, wo es einem großen Fernsehen gab und auch voll von Leute war. Natürlich waren als ich kam bereits alle Tische besetzt und ich musste mir stehend das Spiel ansehen. Trotzdem war es gut dort. Die Stimmung der deutschen Zuschauer konnte ich gut nachfühlen. Das war sehr, sehr gut.

Was ich gleich bemerkt habe, war, dass der Tormann Oliver Kahn jetzt kürzere Haare hat. Er machte auf mich stets einen starken, nachdrücklichen Eindruck. Er sah sehr stark, sehr groß und sehr gewaltig aus, so dass die Spieler vor ihm, die vor dem Tor stehen, Angst bekommen können. Ich würde jedenfalls Angst bekommen. Aber diesmal hat er viel freundlicher ausgesehen. Ich glaube, deswegen hat Deutschland auch verloren!

Das erste (und einzige) Tor, das Deutschland in der 7. Minute geschossen hat, habe ich leider verpasst, da ich ein bisschen zu spät gekommen bin. Und auch ein paar Tore, die England geschossen hat, konnte ich nicht sehen. Weil viel größere Leute als ich in einem der wichtigen Momente plötzlich vor mir aufgestanden sind. Während andere "Tor!" oder "Schiebung" oder "Mist!" schrieen, habe ich auf Japanisch etwas gerufen, was mit Fußball nichts zu tun hatte: "Hey, geht weg vor mir! Ihr stört mich! Ich kann gar nichts sehen!". Die Reaktionen der Zuschauer auf das Spiel waren sehr lustig. Sie heulten, schrieen und bewegten sich hektisch. Auch die Kellner haben mitgeschrieen. Eine lustige, nette Stimmung herrschte dort. Obwohl Deutschland gegen England verloren hat, nämlich mit 1 zu 5, wie man sich im Vorfeld nicht vorstellen konnte, hat mir das Fußballsehen sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe, dass sowohl England, als auch Deutschland in Japan und Korea an der Weltmeisterschaft teilnehmen.
Die japanische Fußball-Nationalmannschaft ist auch nicht schlecht. Sie entwickelt sich langsam. Es wäre sehr interessant, wenn die japanische Mannschaft gegen die deutsche Mannschaft spielen könnte.

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