TEXT von UCHIDA Yukiko
Was mir in Deutschland oder in Europa Spaß macht, sind
Cafébesuche und auf Flohmärkte zu gehen. Ich habe gehört,
dass es in Köln viele, viele Cafés gibt. Ich habe mir ein
Buch besorgt, in dem die Adressen der Cafés in Köln stehen.
Damit möchte ich gerne alle Caféhäuser bereisen!
Naja, wenn ich wirklich in alle Cafés in der Caféstadt
Köln gehen wollte, müsste ich jeden Tag in mindestens fünf
verschiedene Cafés gehen. Und wahrscheinlich würde das trotzdem
nicht reichen. Und fünf verschiedene Caféhäuser pro
Tag zu besuchen kann ich auch nicht, weil man dann in keinem Café
gemütlich länger bleiben kann.
Die vielen Cafés sind sehr hübsch und cool. Jedes
Café hat seinen eigenen Still. Und was ich sehr schön finde
ist, wenn ich am Tag in ein Café komme und dann auch das gleiche
Café in der Nacht besuche, ist die Stimmung ganz anderes. So,
als ob ich ein anderes Café besucht hätte. Die Lichttechnik
in den Cafés finde ich absolut super hier. Die Kellnerinnen und
Kellner sind meist sehr modebewusst. Es ist auch interessant zu beobachten,
dass sie Zigarette rauchen, mit Kollegen oder Kunden quatschen oder
Alkohol trinken, während sie arbeiten. Sie sind trotzdem sehr professionell,
bei der Bestellung, Bedienung und Zahlung. Cafébesuche machen
mir deswegen auch mehr Spaß, da es hier eine richtige Cafékultur
gibt, wie ich meine.
Zu einem wahren Caféboom ist es auch in Japan gekommen.
Neue Caféhäuser in vielen verschiedenen Stilen sehe ich
mehr und mehr. Bücher mit vielen schönen Fotos verschiedener
Cafés sind auch einige erschienen. Es kann aber oft passieren,
dass man in ein Caféhaus tritt und in einer langen Schlange warten
muss, um überhaupt einen Tisch zu bekommen! Und dazu kommt, dass
man dann in solchen Cafés leider nicht allzu lange bleiben kann.
Wenn man doch länger bleibt, kommt ein Kellner zum Tisch, um Druck
auszuüben. Zum Beispiel kommen sie vorbei, um neues Wasser nachzugießen
(das ist kostenlos). Passiert dies häufiger, heißt das, der
Kellner will, dass man langsam geht. Diese Art des Druckmachens wird
aber neuerdings seltener. Dafür sind die Caféräume
meistens sehr klein und ungemütlich, weil die Tische eng nebeneinander
stehen und es keinen Platz gibt, um sich zu entspannen. Es gibt doch
auch Cafés, wo man sich ein bisschen länger ohne Druck aufhalten
kann, aber dort ist beispielsweise eine Tasse Kaffee unglaublich teuer,
etwa 15 DM oder mehr (besonderes in Tôkyô). Um mich dort
gemütlich niederzulassen, würde ich nicht dorthin gehen. Dort
müsste ich mich ständig um mein Geld sorgen, so dass auch
keine rechte Gemütlichkeit aufkommen könnte.
In einem Café in Deutschland unterhalten sich die Leute
mit ihren Freunden oder lesen alleine dort sitzend den ganzen Tag Zeitungen
oder Bücher. Frühstuckmenüs gibt es auch in meisten Cafés,
die man oft bis Abends dort essen kann. (es gibt auf Deutsch sogar das
Verb "frühstücken"!) Sie machen es sich dort sehr gemütlich
und bleiben so lange sie wollen. Deswegen sind Cafés beliebt
und man kann sich dort h wie zu Hause fühlen. Die Cafés
haben sich hier in Deutschland zu einer richtig Kultur entwickelt. Ich
glaube, das ist das große Unterschied zwischen Deutschland und
Japan.
Wenn wir in Japan trinken gehen (besonderes am Abend) und dort
bisschen länger bleiben möchten, gehen wir lieber in eine
japanische Kneipe, in ein "Nomiya". Trotzdem gibt es in manchen
Nomiya "Regeln", zum Beispiel dass man am Freitagabend maximal nur zwei
Stunden lang bleiben darf. Oder dass jeder mindestens ein Gericht bestellen
muss. Oder man bekommt ein kleines Gericht, Otôshi, das
man vor dem Bestellen der Getränke bekommt und mitzahlen muss.
Nomiya haben aber eine bestimmte Stimmung und sind sehr interessant.
Ich gehe auch oft hin. Typische japanische Kneipen haben Tatami Zimmer,
bei denen man die Schuhe auszieht. Die Innenräume sind meist sehr
hell, beinahe unangenehm hell. Es gibt viele Geschäftsleute, die
hier nach der Arbeit herkommen und auch viele Betrunkene, die sich nackt
ausziehen oder sich überall hin übergeben. Es gibt viele Nomiya,
die deshalb und wegen des höheren Profitsein das Bier mit Wasser
verdünnen. Trotzdem kann man sagen, dass es eine Kneipekultur in
Japan gibt.
« zurück zur übersicht