Japanlink Logo
Werbung - Bitte hier klicken!Werbung buchen
AktuellesMedien und KulturLand und LeuteGeschichte und PolitikÜber Japanlink
japanlink special

03_yukikos tagebuch

tag 10: cafékultur
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


Was mir in Deutschland oder in Europa Spaß macht, sind Cafébesuche und auf Flohmärkte zu gehen. Ich habe gehört, dass es in Köln viele, viele Cafés gibt. Ich habe mir ein Buch besorgt, in dem die Adressen der Cafés in Köln stehen. Damit möchte ich gerne alle Caféhäuser bereisen!
Naja, wenn ich wirklich in alle Cafés in der Caféstadt Köln gehen wollte, müsste ich jeden Tag in mindestens fünf verschiedene Cafés gehen. Und wahrscheinlich würde das trotzdem nicht reichen. Und fünf verschiedene Caféhäuser pro Tag zu besuchen kann ich auch nicht, weil man dann in keinem Café gemütlich länger bleiben kann.

Die vielen Cafés sind sehr hübsch und cool. Jedes Café hat seinen eigenen Still. Und was ich sehr schön finde ist, wenn ich am Tag in ein Café komme und dann auch das gleiche Café in der Nacht besuche, ist die Stimmung ganz anderes. So, als ob ich ein anderes Café besucht hätte. Die Lichttechnik in den Cafés finde ich absolut super hier. Die Kellnerinnen und Kellner sind meist sehr modebewusst. Es ist auch interessant zu beobachten, dass sie Zigarette rauchen, mit Kollegen oder Kunden quatschen oder Alkohol trinken, während sie arbeiten. Sie sind trotzdem sehr professionell, bei der Bestellung, Bedienung und Zahlung. Cafébesuche machen mir deswegen auch mehr Spaß, da es hier eine richtige Cafékultur gibt, wie ich meine.

Zu einem wahren Caféboom ist es auch in Japan gekommen. Neue Caféhäuser in vielen verschiedenen Stilen sehe ich mehr und mehr. Bücher mit vielen schönen Fotos verschiedener Cafés sind auch einige erschienen. Es kann aber oft passieren, dass man in ein Caféhaus tritt und in einer langen Schlange warten muss, um überhaupt einen Tisch zu bekommen! Und dazu kommt, dass man dann in solchen Cafés leider nicht allzu lange bleiben kann. Wenn man doch länger bleibt, kommt ein Kellner zum Tisch, um Druck auszuüben. Zum Beispiel kommen sie vorbei, um neues Wasser nachzugießen (das ist kostenlos). Passiert dies häufiger, heißt das, der Kellner will, dass man langsam geht. Diese Art des Druckmachens wird aber neuerdings seltener. Dafür sind die Caféräume meistens sehr klein und ungemütlich, weil die Tische eng nebeneinander stehen und es keinen Platz gibt, um sich zu entspannen. Es gibt doch auch Cafés, wo man sich ein bisschen länger ohne Druck aufhalten kann, aber dort ist beispielsweise eine Tasse Kaffee unglaublich teuer, etwa 15 DM oder mehr (besonderes in Tôkyô). Um mich dort gemütlich niederzulassen, würde ich nicht dorthin gehen. Dort müsste ich mich ständig um mein Geld sorgen, so dass auch keine rechte Gemütlichkeit aufkommen könnte.

In einem Café in Deutschland unterhalten sich die Leute mit ihren Freunden oder lesen alleine dort sitzend den ganzen Tag Zeitungen oder Bücher. Frühstuckmenüs gibt es auch in meisten Cafés, die man oft bis Abends dort essen kann. (es gibt auf Deutsch sogar das Verb "frühstücken"!) Sie machen es sich dort sehr gemütlich und bleiben so lange sie wollen. Deswegen sind Cafés beliebt und man kann sich dort h wie zu Hause fühlen. Die Cafés haben sich hier in Deutschland zu einer richtig Kultur entwickelt. Ich glaube, das ist das große Unterschied zwischen Deutschland und Japan.

Wenn wir in Japan trinken gehen (besonderes am Abend) und dort bisschen länger bleiben möchten, gehen wir lieber in eine japanische Kneipe, in ein "Nomiya". Trotzdem gibt es in manchen Nomiya "Regeln", zum Beispiel dass man am Freitagabend maximal nur zwei Stunden lang bleiben darf. Oder dass jeder mindestens ein Gericht bestellen muss. Oder man bekommt ein kleines Gericht, Otôshi, das man vor dem Bestellen der Getränke bekommt und mitzahlen muss. Nomiya haben aber eine bestimmte Stimmung und sind sehr interessant. Ich gehe auch oft hin. Typische japanische Kneipen haben Tatami Zimmer, bei denen man die Schuhe auszieht. Die Innenräume sind meist sehr hell, beinahe unangenehm hell. Es gibt viele Geschäftsleute, die hier nach der Arbeit herkommen und auch viele Betrunkene, die sich nackt ausziehen oder sich überall hin übergeben. Es gibt viele Nomiya, die deshalb und wegen des höheren Profitsein das Bier mit Wasser verdünnen. Trotzdem kann man sagen, dass es eine Kneipekultur in Japan gibt.

« zurück zur übersicht



JAPANLINK
| aktuelles | medien und kultur | land und leute | geschichte und politik | über japanlink |
© 1997-2003 by APIX