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03_yukikos tagebuch

tag 11: das problem mit den kosenamen
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


"Konnichiwa" , "Sayônara" oder "Arigatô", sagen manchmal Leute zu mir, die ich kennenlerne oder die ich unterwegs treffe. Auch Leute, die kein bisschen Japanische können, versuchen sehr gerne, mit mir zu kommunizieren, indem sie zum Beispiel "Suzuki" "Nissan" oder "Sushi" rufen! Und manchmal höre plötzlich jemand zu mir sagen "Aishite imasu"! Ich kann darauf leider nicht antworten, aber den Satz kennen viele Leute. Das ist insoweit klar, als dass auch viele Japaner die deutsche Entsprechung "Ich liebe Dich" kennen, oder andere Satzbrocken, mit denen man ein Mädchen ansprechen kann. Aber schließlich fängt so das Fremdsprachenlernen an. Ich werd auch oft gefragt, wie man "Prost" auf Japanisch sagt. Oder "Tschüss". Fast alle sind sehr neugierig auf die japanische Sprache, und schreiben sich meine Antworten genau auf, damit sie es nicht vergessen und nochmal wiederholen können. Das finde ich alles sehr nett.

Gestern habe ich eine schwere, aber auch sehr interessante Frage von einem jungen Mann gestellt bekommen. Er fragte mich, wie man auf Japanisch seine Geliebte, also welche Kosename wie "Schatz" oder "Mausi" es gibt. Er hat viele Beispiele auf Deutsch genannt, außer den oben genannte Wörtern gab es neben Verniedlichungen wie "Schätzchen", "Schätzlein" oder "Mäuschen" noch Begriffe wie "Süße", "Herzlein", "Bärchen", "Häschen" und so weiter. Er nannte so viele, dass ich mir nicht alle merken konnte. Ich habe ja schon vorher gehört, dass sich viele deutsche Pärchen untereinander mit Kosenamen ansprechen. Ich wusste aber nicht, dass es so viele gibt! Und so schöne... Und dann als ich auf die Frage antworten wollte, welche Kosenamen es im Japanischen gibt, fiel mir kein Wort ein. Komisch! Ich musste wirklich intensiv überlegen. Ich wusste gar nicht mehr, wie es auf Japanisch heißen könnte.

Als Modesprache benutzen heutzutage manche junge Leute, besonderes Mädchen (Teenies bis Anfang/ Mitte Zwanzig) ihrem Freund gegenüber das englische Wort "Darling", oder nur die Kurzform "Dar"! Ich würde auch sehr gerne meinen Freund "Darling" rufen. Manche Leute lachen einen aber aus, wenn sie so etwas hören. Jungs können ihre Freundin "Baby" oder "Honey" rufen, das klingt ganz witzig im Alltagsleben. Manche Mädchen nennen Jungs auch "anta", manche Jungs Mädchen "omae". Beides bedeutet "Du" bedeuten in einer vertraulichen Form. Aber vorsichtig: Es gibt manche Leute, die den Ausdruck nicht mögen, denn die Begriffe können je nach Kontext verächtlich klingen. Was man dagegen oft nutzt, um jemanden zu rufen ist "n&êcirc;", was in etwas einem "hey, du" entspricht. Eine ältere Frau, die neben mir war, als der junge Mann mich nach den Kosenamen fragte, hat ihm erzählt, dass sie ihren Mann "otôsan" (Vater) nennt, und er sie "okâsan" (Mutter), so, wie auch ihre Kinder sie rufen. So weit ich weiß, ist das normal bei älteren japanischen Paaren, die bereits erwachsene Kinder haben. Bei meinem Eltern ruft meine Mutter meinen Vater allerdings mit "anata" (Du), während sie mein Vater sie nur bei ihren Namen ruft.

Im Japanischen gibt es aber auch eine Koseform wie "Hänschen" von Hans. Bei kleinen Mädchen oder jüngeren Frau rufen wir ihren Vornamen mit angehängtem "chan", wie zum Beispiel "Yukiko chan". Kleine Jungs oder jüngere Männer verniedlicht man entsprechend mit "kun". Bei fremden Leuten wird dann auf die Koseform verzichtet und ein einfaches "san" angehängt, wie bei "Yukiko san".

Ja, ich würde sagen, im Japanischen gibt es keine richtigen Kosenamen für den Liebling. Sie sind abhängig von dem Alter, der Generation und auch dem Geschlecht. Ich konnte dem jungen Mann kein passendes Wort nennen, außer dem, was ich oben geschrieben habe. Er sagte darauf, Deutsch sei sehr praktisch, Japanisch dagegen kompliziert! Das glaube ich auch. Die Deutsche Sprache ist sehr direkt und deswegen praktisch, finde ich.

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