TEXT von UCHIDA Yukiko
Samstag und Sonntag sind in Deutschland ruhige Tage, weil sie an sich christliche Tage sind. Auch in Italien oder in Spanien hat man die Sitte "Siesta", weil es dort am Tag so heiß ist, dass kaum einer arbeiten kann oder will. Die Sitten in verschiedenen Länder sind sehr interessant. Dadurch, dass ich zur Zeit hier lebe, muss ich mich auf die herrschenden Sitten und Bräuche einstellen. Eine sehr ungewöhnliche Sache bleibt für mich aber der Ladenschluss. Da die Öffnungszeiten für mich so ungewöhnlich sind, verpasse ich manchmal die Gelegenheit, Einkaufen zu gehen. Seit 1996 das Ladenschlussgesetz in Deutschland geändert wurde, ist das Einkaufen gehen für die Deutschen bestimmt viel bequemer geworden. Er hat jetzt mehr Gelegenheit, Erledigungen auch noch am Abend zu machen. Doch auch nach der Gesetzesänderung bleiben die Geschäfte Sonntags geschlossen.
Da Sonntags keine Geschäfte geöffnet sind, muss man am Samstag einkaufen gehen. Oder Wochentags schnell und hektisch nach der Arbeit. Und besonders der Samstag, eigentlich eher ein "Ruhetag", ist meist der hektischste Einkaufstag. Hier wäre es schön, wenn ich bis Mittags schlafen und danach gemütlich frühstücken könnte. Aber leider fehlt hierfür die Zeit. Ich muss los, denn spätestens um 16 Uhr schließen die Geschäfte. Kurz vor Ladenschluss kommen viele Leute einkaufen, genau wie ich. Trotzdem sind meist nur einige wenige Kassen geöffnet. Oft rufen ein paar Kunden, die mit mir in den endlos langen Schlangen warten, "andere Kasse aufmachen!". Das ist nicht nur in Supermärkten so, sondern auch in Banken (bei den wenigen, die überhaupt Samstags geöffnet haben), der Post, einfach überall. Das ist doch sehr ärgerlich, oder nicht?
Mir ist aufgefallen, dass die meisten Leute, die hier einkaufen gehen, fast immer zielgerichtet unterwegs sind, d.h. sie wissen schon vorher, was sie wollen, suchen es und kaufen es. Kaum Einkaufsbummel. Das Einkaufen empfinde ich in Deutschland als sehr hektisch. Ein Ausnahme hat man interessanterweise in Buchläden. Hier herrscht Ruhe und die Leute haben scheinbar viel, viel Zeit.
In Japan haben die Läden am Samstag und Sonntag den besten Umsatz. Auch nutzen wir 24- Stunden konbini (Convenience Stores) äußerst rege. Manche Europäer halten die konbini für nutzlos, da sie meinen, dass niemand in der Nacht arbeiten oder einkaufen gehen muss. Für uns sind diese Läden aber wirklich sehr angenehm: Wir kommen einfach kurz vorbei, um zum Beispiel um eine Zeitschrift durchzublättern oder um uns im Sommer kurz abzukühlen. Auch wenn diese Läden vielleicht wirklich unnötig sind, so sind sie aber zumindest eines nicht: hektisch.
An diesem Wochenende wollte ich mir eigentlich eine dicke Jacke kaufen, da es hier plötzlich so kalt geworden ist. Ich habe es aber zeitlich nicht geschafft. Nun muss ich es am kommenden Wochenende versuchen. Und diese Woche muss ich dafür die Kälte ertragen. Ich habe mir auch die Haare selbst geschnitten, weil die Öffnungszeiten des Friseurs mir nicht passten. Hierfür hätte ich zu aufstehen müssen, und dafür bin ich dann doch zu faul. Oder bin ich nur hektisch?
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