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03_yukikos tagebuch

tag 16: ist der kunde könig?
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


Ich habe vor kurzem etwas sehr interessantes in einem japanischen Restaurant gesehen, in dem ich aß. Dort saß eine gemischte Gruppe aus Deutschen und Japanern, die offensichtlich geschäftlich zusammenarbeiten und nach der Arbeit zusammen essen gegangen sind. Ich konnte erkennen, dass die Deutschen die Gäste der Japaner waren. Der japanische Chef rief fröhlich in die Runde:" "Hier lädt meine Firma euch ein." In dem Restaurant herrscht normalerweise eine schöne und ruhige Stimmung vor. Die Deutschen, die hier essen, haben gute Manieren. An diesen Tag war die Stimmung in dem Restaurant aber deutlich anders. So konnte ich verstohlen einen deutlichen Unterschied im Verhalten der Deutschen und Japaner beobachten.

Die Japaner haben die Kellnerinnen wie ihre persönlichen Dienerinnen behandelt, während sich die Deutschen der Bedienung gegenüber freundlich verhielten. Die japanischen Männer sprachen auffallend laut, aßen ohne Manieren und bestellten eigenmächtig für die Deutschen Essen nach - nachdem sie schon selbst bestellt hatten und inzwischen gesättigt waren. Nachdem sie gegessen, getrunken, und sich unterhalten hatten, sind sie, genauso schnell und laut wie sie gekommen sind, auch wieder gegangen. Die Deutschen, die das Restaurant mit den Japaner besuchten, sahen ein bisschen so aus, als sei ihnen die Situation peinlich.
Als ich die zurückgelassenen Tische der Gruppe sah, stellte ich fest, dass diese sehr schmutzig waren. Das war mir sehr unangenehm. Es kam mir so vor, als hätte ich einen Zweite Wahl Yakuza- Film gesehen. Die anderen Kunden, zumeist Deutsche, sind - wahrscheinlich durch die Japaner gestört - rasch weggegangen. Die japanischen Kunden waren meiner Meinung nach sehr unverschämt.

Man sagt in Japan, der Kunde sei König. Japanische Verkäufer, Kellner oder auch Stewardessen, die einen Kunde bedienen, würden versuchen alles für den Kunden zu tun, um ihn zufrieden zu stellen. Das finde ich sehr gut. Schön wäre es, wenn nicht nur die Verkäufer freundlich wären, sondern dies auch ansteckend auf die Kunden wirken würde. Ein Geschäft, in dem ich als Kunde durch die Freundlichkeit des Verkäufers angesteckt worden wäre, würde ich noch häufiger besuchen. Das Sprichwort "Der Kunde ist König" heißt aber ganz bestimmt nicht, dass Kunden sich daneben benehmen dürfen. Dann muss sich die Bedienung zu sehr zwingen, zu diesem Kunden weiterhin freundlich zu sein. Und gerade eine Serviceleistung wie Freundlichkeit sollte freiwillig erbracht werden und kann nicht erzwungen werden. Aber leider gibt es viele Japaner, die sich den Bedienungen gegenüber arrogant verhalten und glauben, die Freundlichkeit wie selbstverständlich erkaufen zu können. In Deutschland sind interessanterweise die meisten Kunden sehr freundlich, egal ob die Bedienung nun ebenfalls freundlich ist oder nicht - wie ich ja auch schon gestern zum Thema Supermarkt geschrieben habe.

Ich glaube, so einen Anblick wie im Restaurant sieht man eigentlich sehr oft in Japan. Aber dieses mal hier in Deutschland habe ich derartige Japaner inmitten von vielen Leute mit guten Manieren gesehen. Den Unterschied zwischen Deutschen und Japanern konnte ich dabei deutlich sehen. Erst hier ist mir aufgefallen, wie schlecht die Tischsitten mancher - vor allen Dingen älterer - Japaner sind. Und ich war weiterhin etwas verwundert, wie sehr es mich überrascht hat zu erkennen, dass die Deutschen allgemein gute Tischmanieren haben. Warum habe ich nur so lange für diese Erkenntnisse gebraucht?

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