TEXT von UCHIDA Yukiko
Es gibt viele verschiedene Lebeweisen in Deutschland. Besonderes ausgeprägt ist eine ökonomische und ökologische Lebensweise - hierin sind die Deutschen Profis, glaube ich.. Sie gelten auch weltweit als umweltbewusst und sparsam. Dieser Einschätzung kann ich mich voll und ganz anschließen. Ich selber bin nicht so ein sparsamer Mensch und im allgemeinen auch kein ausgeprägt ökologisch handelnder Mensch. Nur eine Sache ist dann vielleicht doch sehr umweltfreundlich: Ich muss bei Zahnpasta und Shampoo immer alles bis auf den letzten Tropfen aufbrauchen. Sonst fühle ich mich sehr schlecht. Wenn von Zahnpasta nur noch wenig übrig ist, schneide ich die Tube in zwei Hälften. Den Rest schabe ich dann mit der Zahnbürste aus den Tubenenden. Fast alle Freunde von mir lachen mich aus, wenn ich das erzähle. Aber ich muss es unbedingt machen, damit ich zufrieden sein kann. Wenn ich noch viel aus einer eigentlich schon leeren Tube herausbekomme, fühle ich mich sehr gut. "Ich habe es geschafft," sage ich mir dann. Ich glaube, so etwas zu machen, ist in Deutschland ganz normal, oder? Oder würden mich die Deutschen auch deswegen auslachen?
Die Türen in U-Bahnen und Zügen öffnen sich bei Aufforderung. Die Rolltreppen bleiben ruhig, wenn sie niemand benutzt. Das Licht im Treppenhaus geht nach ein paar Minuten automatisch aus. Die Einkaufstüte bringt man selber mit, wenn man einkaufen geht. All diese Dinge sind wirklich gut und wichtig, obwohl ich sie am Anfang als lästig empfand, bis ich mich daran gewöhnt habe. Ich lerne langsam die deutschen Lebensweisen kennen und finde sie sehr interessant. Die Verpackungen in Japan empfinde ich jetzt als sehr problematisch, obwohl ich sie früher für einen sehr schönen und netten Service gehalten habe - auch, wenn man die Verpackung sowieso wegschmeißt. Einkaufstüte bekommt man in Japan automatisch - auch wenn man nur eine Kleinigkeit kauft, die man ohne Probleme so tragen könnte. Wenn man ein Buch kauft, wird es noch einmal in Papier eingeschlagen.
Ich sehe auch überall Papierrollenhalter auf den Toiletten, die eine Rolle als Stopper spielen, wahrscheinlich auch, damit man Toilettenpapier spart. Das finde ich einerseits natürlich sehr gut für die Umwelt und den Geldbeutel, andererseits ist mir das aber eher lästig. Wenn ich einmal an dem Toilettenpapier ziehe, bekomme ich durch die Perforation nur ein etwa zehn Zentimeter langes Stück Toilettenpapiere. Das reicht nicht. Dann muss ich erneut ziehen, wieder nur ein zehn Zentimeter langes Stück. Und wieder, und wieder, und wieder. In Japan kann man am Toilettenpapier ziehen und ein so langes Stück abrollen, wie man möchte!
Ich habe mal gehört, obwohl ich noch niemand in Deutschland gefragt habe, ob es stimmt, dass die Deutschen Männer sich auch setzen, um zu pinkeln. Damit die Toiletten sauber bleibt. Und dabei benutzen sie auch Toilettenpapier, so viel wie Frauen. Im selben Gespräch, in dem ich das gehört habe, hat auch ein anderer Gesprächsteilnehmer gesagt, dass die Frauen in Norwegen dafür gar kein Toilettenpapier nach dem "kleinen Geschäft" benutzt. Ein anderer war der Ansicht, dass die japanischen Frauen Rohstoffe verschwenden, weil sie alle zu viel Toilettenpapier benutzen. Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt eigentlich sagen wollte, doch könnte man abschließend - gerade wo ich beim Thema bin - sagen, dass Papiersachen - besonders Bücher - viel zu teuer sind in Deutschland. Das sollte als Grund dafür ausreichen, an anderer Stelle kein Papier zu verschwenden.
Ich finde es sehr gut, dass in Deutschland nicht nur einzelne wenige Personen die Umwelt achten, sondern dass in ganze Deutschland ein Umweltbewusstsein herrscht. Und Umweltbewusstsein kann man auch mit Wirtschaftlichkeit verbinden. Hier kann ich solche wirtschaftlichen und umweltfreundliche Lebensweisen kennen lernen. Wenn ich jetzt im Alltag Müll wegschmeiße, weiß ich, wie man ihn trennen sollte. Ich war sehr begeistert, als ich gesehen habe, dass ein Junge auf der Straße seine Zigarettenschachtel in Papier und Restverpackung getrennt und die Einzelteile entsprechend weggeschmissen hat.
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