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03_yukikos tagebuch

tag 29: privatsache, oder?
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


Ich musste neulich in Visumsangelegenheiten zu einem deutschen Amt. Eine Beamtin hat mich bedient, während sie einen Joghurt aß. Beim Mal zuvor hatte ich einen Beamtin vor mir, die ein Brötchen aß. Komisch. Ich sehe solche Leute sehr oft in Deutschland. Zugfahrer, die rauchen oder mit ihrem Handy telefonieren, während sie den Zug steuern. Kellnerinnen oder Kasserinnen, die essen, während sie bedienen. Und so weiter. Ja, das ist mir sehr fremd.

Ich habe mir in Berlin eine schöne Tasche gekauft. Die Verkäuferin in dem Laden war sehr nett und freundlich. Sie hatte ihr kleines Baby dabei und sich um dieses Kind gekümmert, während sie gearbeitet hat. Obwohl ich sie als sehr nett und kompetent empfand, war das ganze eigentlich seltsam. Das habe einer japanischen Bekannt erzählt und gefragt, ob sie es nicht auch komisch findet. Sie fand es auch komisch und konnte noch von weiteren Erfahrungen dieser Art erzählen. Zum Beispiel, dass ein Busfahrer seine kleine Tochter bei Busreisen mitgebrachte, bei denen er der Fahrer war. Obwohl wir das eigentlich schön finden, kam es uns doch komisch vor. Ist Deutschen ihre Familie so wichtig, dass sie sie sogar mit auf die Arbeit nehmen? Wenn ja, ist es wirklich schön.

Solche Privatdinge, wie gerade geschildert das Essen oder die Familie am Arbeitsplatz scheinen hier offenbar nicht verboten zu sein, oder? In Japan isst man auch während Arbeit, am Schreibtisch und außerhalb der Pause. Aber wenn ein Kunde es direkt sehen kann, wie z.B. als Bedienung in einer Gastwirtschaft, unterlassen wir solche privaten Handlungen wie Essen und Telefonieren. Wobei mir dabei gerade eine Sache einfällt, die ich gestehen muss: Als ich während meines Studiums in einem Kino jobbte, haben wir auch über Handy mit Headset telefoniert, während wir Tickets verkauften. Da gab es eine dicke Fensterscheibe vor uns und die Kunden, die draußen standen, hörten unsere Stimme ohne Mikrofon gar nicht. Deswegen haben wir die Mikrofon ausgeschaltet, während wir in das Handy- Headset gesprochen haben, und nur um mit Kunde zu sprechen, haben wir das Mikrofon wieder eingeschaltet. Wir wussten allerdings, dass wir dies eigentlich nicht tun durften. Deswegen versuchten wir das zumindest heimlich zu machen. Aber hier in Deutschland, ist das offensichtlich ganz anderes. Ob die Leute, die Arbeit und Privates so durchmischen, dabei gar kein schlechtes Gewissen haben?

Während ich diesen Tagebucheintrag schreibe, denke ich noch mal darüber nach, was ich gerade geschrieben habe. Im Grunde sind wir Japaner doch noch komischer als die Deutschen, denn obwohl wir wissen, was man eigentlich nicht machen darf, machen wir es trotzdem. Das ist echt widerlich. Uhhh....

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