TEXT von UCHIDA Yukiko
Noch mal zu dem Filmthema von gestern: Auch wenn ich in Deutschland meine ganzen Lieblingsschauspieler zwar nur synchronisiert hören kann, so kann ich sie in Filmen, in denen dies vorkommt, komplett nackt sehen. Ich wäre froh, wenn ich diese Möglichkeit ihre schönen Körper zu sehen auch in Japan hätte.
In Japan ist es verboten, Geschlechtsteile öffentlich zu zeigen, egal ob in Kinofilmen, im Fernsehen oder in Büchern. Wenn es eine solche Szene in einem Film gibt, wird sie retuschiert, um zu verstecken, was der japanische Zuschauer da sehen könnte. Doch allmählich werden die Gesetze diesbezüglich etwas lockerer. Immerhin dürfen seit ein paar Jahren Schamhaare gezeigt worden.
Die Retusche durch Pixelung, Unschärfe oder Abdeckbalken existiert in allen japanischen Medien. So auch in ARAKI Nobuyoshis Fotobüchern, die sich auch in Deutschland gut verkaufen und die ich sehr interessant finde, weil er eine normale Frauen so professionell fotografiert, als ob sie Models wären. Oder in den Eromanga, die langsam auch in Deutschland gelesen werden. Überall wird das Sexuelle unscharf gezeichnet oder verborgen. Trotzdem wird viel in den europäischen Medien über die japanische Sexwirtschaft berichtet: Von Enjokôsai, Prostitution bis hin zu "Telefonclubs" kann man lesen, hören und sehen. Ich glaube, es gibt hier viele Leute, die Japaner für ein sexuell- orientiertes Völkchen halten (obwohl für meinen Geschmack dagegen nichts einzuwenden ist).
In Deutschland werden auch ohne Probleme Nacktfotos entwickelt. So wie meisten Japaner sich freuen, in Deutschland ins Kino zu gehen, damit sie dort "Originale", unretuschierte Filme sehen können, denken sie auch, in Deutschland unbedingt Nacktfotos entwickeln lassen zu müssen. Solch schmutzige Gedanken kommen manchen von uns... Ich glaube aber, es ist kein Wunder, dass viele Japaner so denken. Wenn man es nicht erlaubt oder unterdrückt, das bestimmte Körperteile in den Medien zu sehen sind, kann es einfach nur extremer werden. Ich glaube, deswegen entwickelt sich in Japan die eher kultivierte Erotik. Übrigens sind die Medienwächter in Japan komischerweise sehr locker, wenn es darum geht, in einem Film eine gewalttätige Szene zu zeigen oder die Altersfreigabe für den Film niedrig anzusetzen.
# Enjokôsai- Ein Mädchen bekommt von einem Mann Geld dafür, dass sie ihn zum Essen oder ins Kino begleitet (und manchmal auch dafür, mit ihm ins Bett zu gehen). Enjô heißt "helfen", Kôsai heißt "Date". Enjokôsai stellt für manche Mädchen einen lukrativen "Job" dar oder ein spielerischer Freizeitspaß, mit dem sie einfach und ohne große Anstrengung Geld bekommen können.
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