TEXT von UCHIDA Yukiko
Bei einem Lieferservice habe ich einmal eine Pizza bestellt. Das ist ein schöner Service, dass man eine frisch gebackene Pizza zu Hause essen kann. Ich habe in Deutschland zum ersten mal bei einem Bringdienst bestellt und habe dabei total - wirklich total - vergessen, dem Lieferanten Trinkgeld zu geben. Bis ich von jemandem, mit dem ich zusammen bestellt hatte, gefragt wurde, ob ich Trinkgeld gegeben habe, wusste ich gar nicht, dass man auch Lieferanten ein Trinkgeld gibt. Und das, obwohl doch der Service gut war. Im Cafe oder Restaurant gebe ich ja auch Trinkgeld! Ja, und warum nicht bei einem Lieferservice? Und warum auch nicht bei einem Frisör?
In Cafes und Restaurants würde ich nie vergessen, dass man in Deutschland ein Trinkgeld gewohnt ist. Oft werde ich beim Zahlen nervös. Weil ich nicht weiß, wie viel Trinkgeld ich geben soll. Manchmal verpasse ich die Gelegenheit Trinkgeld zu geben, weil ich mir immer noch Gedanken darüber mache, wie ich wie die andere Deutschem normal und elegant das Trinkgeld zahlen kann.
Ich höre oft, 10 % Trinkgeld seien normal und durchschnittlich, während man für schlechten Service gar kein Trinkgeld gibt. Für besonders guten Service gibt man ein bisschen mehr Trinkgeld. Ich glaube, die Ladenbetreiber geben sich dann auch mehr Mühe, wenn sie mehr Geld bekommen können. Guter Services ist gut für das Geschäft. Es sieht sehr richtig und elegant aus, finde ich, wenn die Gäste selbst entscheiden, wie viel Trinkgeld man für die Bedienung geben will. Aber für mich ist und bleibt es sehr schwer. Ich habe auch von einem deutschen Freund gehört, wenn man häufig in ein bestimmtes Cafe geht, braucht man nicht immer viel Trinkgeld zu geben. Das finde ich auch eher kompliziert. Ich würde nämlich sehr gerne in meinem Cafe mehr Trinkgeld geben, als in einem fremden Cafe, das ich nur einmal besucht habe... Als Tipp zum Trinkgeldgeben habe ich den guten Hinweis erhalten, dass man möglichst mit einem runden Betrag zahlt. Zum Beispiel, wenn ich 47 DM zahlen muss - ein angenehmer und praktischer Fall - zahle ich 50 DM. Ein weiterer Vorteil: Ich muss nicht mit so viel Kleingeld in meinem Portmonee herumlaufen. Aber wenn ich genau 50 DM zahlen muss, was soll ich da machen? Das Trinkgeldproblem bleibt...
Manchmal zahle ich gleich, nachdem der Kellner mein Getränke bringt. Weil er gleich Feierabend machen möchte oder weil ich mich beeilen muss. In solche Situation braucht man kein Trinkgeld zu zahlen, oder? Doch? Es ist so, dass ich in dieser kurzen Bedienzeit von seinem Service nichts merke. Was er für mich gemacht hat, war mich zu fragen, was ich trinken will und mir dann das Getränk zu bringen. Ist es möglicherweise ein Service, dass er mich überhaupt bedient? Kellner arbeiten doch, um zu bedienen. Er macht also nur seine Arbeit. Es ist deswegen eigentlich komisch, finde ich, dass man auch beim Lieferservice Trinkgeld gibt. Hier ist die Lieferung die Arbeit des Lieferanten. Würde man in einer Buchhandlung Trinkgeld geben, wenn man ein bestimmtes Buch nicht finden kann und ein Ladenangestellter dabei hilft, das Buch zu suchen? Oder wie ist es dann in Supermärkten?
Ich möchte es nicht wahr haben, aber ich gewöhne mich schon daran, dass ich dazu neige, Service für selbstverständlich zu halten. Ich habe vor ein paar Wochen schon geschrieben, dass die Japaner in dem Restaurant in dem ich war schlechte Manieren hatten, und dass ich mich für solche Japaner geschämt habe. Solche Japaner denken bestimmt, dass sie selbstverständlich den besten Service bekommen sollten. Während die Deutschen sehr freundlich und höflich waren, was ihre Art ist, der Bedienung für guten Service zu danken. Ich finde japanischen Service sehr gut, obwohl er manchmal so extrem sind, dass man überrascht wird. Aber wir Japaner dürfen nicht vergessen, dafür zu danken, so wie es die Deutschen tun. Ich brauche aber in Japan kein Trinkgeldsystem!
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