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03_yukikos tagebuch

tag 44: fußballschauen
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


Insgesamt drei Fußballspiele habe ich in den letzten Wochen gesehen. Als ob ich plötzlich zu einem Fußballfan werden würde. Ich habe mir zwei Champions League- Spiele, Bayern München gegen Feyenoord Rotterdam am 23. Oktober, und Bayer Leverkusen gegen Olympique Lyon am 31. Oktober angeschaut, sowie ein Bundesliga- Spiel, 1. FC Köln gegen Bayern München am 27. Oktober. Alle Spiele waren sehr lustig, obwohl ich mich mit Fußball nicht so gut auskenne. Am meisten hat es mir Spaß gemacht, all die verrückten Fans zu beobachten.

Egal ob Bayern München-, Köln- oder Bayer Leverkusen- Fans: Sie sind alle verrückt nach Fußball. Oder vielmehr verrückt nach Beifallsbekundungen, wie ich festgestellt habe. Während die Spieler auf dem Feld miteinander um den Ball kämpften, versuchten sich die Zuschauer auf den Rängen im Lob ihrer Mannschaft und dem Niedermachen der Gegner zu überbieten. Da ist es dann egal für sie, dass ihre Spieler das Tor verfehlen, Fehler machen und die Mannschaft verliert. Es ist sehr wichtig für sie, ihrer Mannschaft bis zum Ende beizustehen. Sie stehen, rufen, singen, heulen, sie machen alles, was an menschlichen Emotionsäußerungen möglich ist. Auch wenn die Stimmung dabei manchmal aggressiv war, konnte ich mir vorstellen, dass diese Fans trotzdem viel Spaß hatten. Viele der Fans sind auch wild "verkleidet": Schal am Hals, am Handgelenk und an der Taille und dazu das Trikot der Mannschaft. Einfach verrückt! Ich konnte mich beim Fußballschauen in Deutschland jedenfalls bestens amüsieren!

In München spielte Bayern München gegen Feyenoord Rotterdam. Für Rotterdam spielt der Japaner ONO, weshalb gerade dieses Spiel für uns Japaner sehr, sehr interessant war. Schon am Tag zuvor herrschte Fußballstimmung live am Marienplatz in München. Dort versammelten sich bereits am Vormittag viele Feyenoord Fans, die laut sangen. Viele Polizisten hatten sich auch eingefunden, um die Fans zu beobachten. Feyenoord Fans, die uns als Japaner erkannten, riefen uns oft "Ono! Ono!" zu. Sehr nett, weil wir auch für ONO sind, obwohl wir dann später im Bayern München- Sitzblock nur heimlich Beifall bekunden konnten.

Von Bayern München habe ich vorher einem Brief über Sicherheitsvorkehrungen erhalten, in dem stand: "Wir möchten Sie bitten, auch im Interesse Ihrer eigenen Sicherheit, gegebenenfalls einen kleineren Umweg in Kauf zu nehmen, denn es ist uns ein großes Anliegen, dass unsere Fans ohne Komplikationen ins Stadion und wieder nach Hause gelangen." Wenn ONO sehr gut gespielt und Bayern München verloren hätte, wären wir bestimmt nie wieder nach Hause gelangt... Doch ich lebe noch und wie ich feststellte, waren die Fans nicht so aggressiv, wie ich befürchtet hatte. Ja, Bayern München hat gewonnen. Vielleicht war deswegen die Stimmung ok.

Das zweite Spiel habe ich in Köln gesehen. Diesmal kam ich völlig ruhig zum Spiel, weil ich seit München wusste, dass die verrückten Fans nicht so schlimm sind. Und die Fans von Bayern München, kannte ich sozusagen ja schon. Zunächst galt es aber vor dem Stadion eine Karte zu besorgen, weil ich im Vorfeld keine bekommen hatte. Ein paar Händler waren zu mir gekommen und fragten, ob ich eine Karte hätte. Ich habe bei einem Mann eine Karte für 65 DM gekauft (er wollte zuerst 75 DM haben, gab dann aber doch Rabatt!) Ein gutes Geschäft für ihn! Die Karte sollte normalerweise 27 DM kosten! Ein anderer wollte mir eine Karte für 100 DM verkaufen. Ich sagte ihm, das sei zu teuer. Er begründete den Preis damit, dass der Platz sehr gut, weil überdacht sei. An dem Tag hatte es bis kurz vor dem Spiel geregnet, daher war dies durchaus ein Argument. Wie ich dann aber im Stadion sah, dass alle Plätze unter einem Dach sind, wusste ich, dass dieser Typ mich nur neppen wollte.

Das Spiel war sehr interessant. Zuschauer gab es im Überfluss. Die Kölner Fans waren dabei leider sehr, sehr verrückt drauf! Die Stimmung wechselte ständig zwischen gut, gefährlich und spannend. Das Spiel hatte begonnen. Vor mir saßen drei Deutsche, die sich lauthals als Bayern München- Fans zu erkennen haben. Ich fand die drei sehr mutig: Den immerhin befanden sie sich hier unter lauter Kölnern, gegen deren Verein sie Stimmung machten. Bei jedem der Tore, das Bayern München schoss, haben die drei Männer gebrüllt vor Freude und sind von ihren Plätzen aufgestanden. Natürlich nervt so etwas die Kölner- Fans. So dachte ich schon, dass diesmal bestimmt irgendetwas Schlimmes passieren würde. Ein Streit vielleicht? Plötzlich spürte ich, dass etwas gegen meinen Kopf stieß. Meine Haare und meine neue Jacke waren ganz klebrig von Senf! Hinter mir auf dem Sitz lag ein Brötchen und eine einmal angebissene Wurst. Ich dabei war ich doch bei diesem Spiel für Köln!

Das dritte Spiel war in Leverkusen. Die Arena ist sehr klein und man kann die Spieler von nah sehen. Sogar die Stimme eines Spielers kann man direkt hören. Die Spielpräsenz in diesem Stadion ist wirklich sehr gut. Ich habe viele Fotos gemacht, weil ich dachte, dass man hierauf viel erkennen können würde. Ich habe einmal mit Blitz und einmal ohne Blitz fotografiert, um die optimalen Voraussetzungen für ein schönes Foto herauszufinden. Dann kam plötzlich ein Security-Mann zu mir und sagte: "Hier darf man keine Kamera benutzen. Kommen Sie bitte mit mir mit." Ich erklärte mehrfach, dass ich gar nicht gewusst hätte, dass man hier keine Kamera benutzen dürfen und dies nicht absichtlich geschehen sei. Er hat auf alles nur "Regel ist Regel" geantwortet. Und ich musste ihm in einen kleinen speziellen Raum folgen. Ich fragte mich, ob nun mein Kamera beschlagnahmt und ob ich bestraft werden würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es nun weitergehen sollte. Ich war auf den Fortgang gespannt, wie bei einem Film. In dem Raum saßen noch andere Sicherheitsmänner Er erzählte ihnen, dass ich eine Kamera im Stadion benutzt hätte. Ich stand neben ihm, die Kamera an einem Riemen um den Hals tragend. Die Männer haben mich angeguckt und meinten bloß: "kein Problem". Wie bitte? Ich war überrascht, aber der Security-Mann musste noch überraschter gewesen sein. Er konnte gar nichts verstehen und bestand darauf, dass meine Kamera untersucht werden müsste. Aber die andere hatten keine Lust hierauf. Ich fragte, ob ich in der Arena Fotos machen dürfe oder nicht. Die Antwort war ja, ich dürfe. Damit war klar: Er hatte meine Digitalkamera mit einer Videokamera verwechselt. Auch wenn das ein unangenehmes Erlebnis war, geht es in Bezug auf diesen Sicherheitsmann dennoch in Ordnung, da ihm sein Fehler sehr, sehr peinlich war und er sich mehrmals entschuldigte.

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