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04_yukikos japan-tagebuch

woche 5: Ist Tôkyô wirklich eine Großstadt?
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


In diesem Monat musste ich bereits dreimal ein Taxi nehmen, um nach Hause zu kommen. In Deutschland konnte ich mich unterwegs so lange zu amüsieren, wie ich wollte. Denn in Berlin, Köln und den meisten anderen großen Städten, die ich kennen gelernt habe, gibt es Nachtzüge und Nachtbusse. Besonders am Wochenende muss man nicht darauf achten, wann man eine Party fertig verlassen muss, um noch rechtzeitig nach Hause zu kommen. So etwas gibt es in Japan nicht. So gar in Tôkyô fehlt so etwas, obwohl es eine große Stadt sein soll. Ich fand es erneut richtig unpraktisch, dass es außer Taxis keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, die mich in der Nacht nach Hause bringen können. Komisch! Obwohl in Tôkyô viele Läden den ganzen Tag und die ganze Nacht geöffnet haben, fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr zu später Stunde. Und obwohl es in Deutschland strenge Gesetze gibt, die ein überlanges Arbeiten verbieten, zum Beispiel am Wochenende oder in der Nacht, fahren die öffentlichen Verkehrsmittel den ganzen Tag und bis sehr spät in der Nacht. Im Vergleich mit der Stadt Tôkyô ohne Nachtverkehr empfinde ich europäische Orte als die wahren Großstädte.

Wie ich oben geschrieben habe, haben viele Läden in der "großen Stadt Tôkyô" die ganze Nacht hindurch geöffnet. Deshalb kann man sich eigentlich irgendwo die Zeit vertreiben, bis der erster Zug am Morgen fährt. Zum Beispiel in einem Cafe, einem Restaurant, einer Karaoke-Bar, einer Spielhalle oder in einem All-night-Kino. In einem Manga Cafe, wo es viele verschiedene Manga zu lesen gibt, kann man die Zeit relativ preisgünstig und gut vertreiben. Aber gemütlicher ist es bestimmt nach Hause zu fahren und dort gut zu schlafen. So muss man dann ein Taxi nehmen.

Obwohl man sagt, es gebe zur Zeit eine wirtschaftliche Flaute, sieht man Nachts erstaunlich viele Leute, die auf ein Taxi warten. Kürzlich habe ich in einer unglaublich langen Schlange eine geschlagene halbe Stunde auf ein Taxi warten müssen. So viele Leute standen da, obwohl auch die Taxis bereits in einer Schlange Fahrgäste warteten. Ich war wirklich erstaunt und konnte es kaum fassen, dass man immer wieder sagt, zur Zeit herrsche eine sehr flaue Zeit. Denn auch vorher musste ich lange nach einem Lokal suchen, dass nicht (über)voll von Leute war.

Ich habe oft bereits mein Geld für Essen oder Trinken ausgegeben, so dass ich kein Geld mehr für ein Taxi hatte, als ich den letzten Zug unabsichtlich verpasste. Das war sehr ärgerlich! In solchen Fällen bin ich mit dem Taxi dann nur soweit gefahren, wie ich Geld hatte und musste den Rest dann zu Fuß zurücklegen. Durch das Laufen in der kalten Luft bin ich in solchen Fällen schnell wieder nüchtern und klar, wenn ich zu Hause ankomme. Schade, obwohl ich so schön betrunken war und auch noch extra Geld dafür ausgegeben hatte. Und nicht nur deshalb wünsche ich mir inständig, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in Japan auch in der Nacht fahren!



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