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04_yukikos japan-tagebuch

woche 6: Fröhliche Weihnachten
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


   

Mikimoto, die größte Schmuckladenkette Japans, stellt jährlich einen eigenen Weihnachtsbaum vor seinen Laden in Tôkyôs Stadtteil Ginza.
Bild: © UCHIDA Yukiko
Wir feiern in Japan auch Weihnachten, obwohl die meisten von uns keine Christen sind. Ich feiere Weihnachten solange ich denke kann. An den Weihnachtsmann habe ich zweifellos lange geglaubt - etwa bis ich 10 Jahre alt war. Ich fand immer am Weihnachtsmorgen am Kopfende meines Betts genau das Geschenk, das ich mir vorher gewünscht hatte. Es war mir sehr peinlich, als mir von einer Freundin unter Gelächter mitgeteilt wurde: "Es gibt keinen Weihnachtsmann!" Mit 10 Jahren sollte ich alt genug sein zu wissen, dass es nicht der Weihnachtsmann war, der mir die Geschenke bracht... Trotzdem war dies sehr lieb von meinen Eltern.

Es weihnachtet in Japan. Die Städte werden schön romantisch illuminiert. In Tôkyô schneit es heute zum ersten Mal in diesen Winter. So könnte es auch passieren, dass es in diesem Jahr weiße Weihnachten gibt. Das wäre noch schöner.
   

Weihnachtseinkäufe im Schmuckladen "Tiffany" in Ginza.
Bild: © UCHIDA Yukiko
Ich war einmal in Wien bei einer Familie zu Weihnachten eingeladen und konnte dort ein sehr, sehr schönes Weihnachtsfest erleben. An diesen Tag hatte es so stark geschneit, dass man nicht mehr geradeaus schauen konnte und ein Freund von mir und ich auf dem Weg zu seinem Haus auf dem Schnee ausrutschten. Niemand war auf der Strasse. Das waren sehr stille heilige Weihnachten. Im Vergleich zu Europa verbringen die Japaner Weihnachten meistens draußen und zusammen mit ihren Lieben.

Für die Kinder ist Weihnachten in Japan bestimmt sehr schön. Sie bekommen Geschenke und können die ganze Zeit Kuchen essen. Wenn man in meinem Alter angekommen ist, bekommt man die Geschenke langsam nicht mehr von den Eltern, sondern von dem Partner. Für die jungen Leute, aber auch für die Erwachsenen, ist Weihnachten ebenso schön. Wohl, weil es eine besondere Zeit ist. Im Dezember füllen sich die Läden mit Leute, meist Pärchen, die Weihnachtsgeschenke suchen. Besonders Schmuckläden werden von vielen Mädchen und Frauen in Begleitung ihres Freundes aufgesucht, um Schmuck wie Ringe, Anhänger, Armbänder und so weiter als spezielle Geschenke vom Partner auszusuchen. Zu Weihnachten selbst dann geht man in ein luxuriöses Restaurant, in das man normalerweise nie gehen würde. Hier am schon mindestens ein halbes, meist ab ein ganzes Jahr im vorraus reservierten Tisch, isst man romantisch mit seinem Partner oder seiner Partnerin zu Abend und nicht selten gönnt man sich dazu ein Glas Champagner. So ist Weihnachten bei uns vor allen Dingen ein romantischer Winterabend für Paare.

   

Hier weihnachtet es natürlich auch: Festschmuck bei der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken.
Bild: © UCHIDA Yukiko
Etwas, das bei uns nie fehlen darf, ist ein Weihnachtskuchen. Der Einkauf eines solchen Kuchens gleicht einem schweren Kampf auf einem Schlachtfeld. Die Väter, die nach der Arbeit den Kuchen für die Familie daheim kaufen möchten, die Liebenden, die Singles, die Weihnachten ruhig und alleine feiern möchten oder die Leute, die mit Freunde eine Weihnachtsparty veranstalten wollen: Alle kommen auf einmal in die Läden geströmt, um den Weihnachtskuchen zu kaufen. Das kann mitunter so stressig werden, dass ich mich einmal mit meinem Freund gestritten habe. Und das an Weihnachten, der eigentlich ein sehr schöner Tag sein sollte.

Also, wie man sich nun vorstellen kann, ist Weihnachten in Japan besonderes ein Fest der Pärchen. Leute, die keinen bestimmten Freund oder Freundin haben, fühlen sich elend. Ich weiß auch, wie man sich dabei fühlt, da ich auch schon ein paar Weihnachten alleine verbringen musste. Wenn ich zu Hause wäre, würde meine Mutter hierzu sagen, was einen dann glücklich mache, sei nach draußen zu gehen und die Stadt voller gluecklicher Liebenden zu sehen, die sich küssen und umarmen. Ich weiß nicht. Ich habe lieber Freunden zusammengesucht, die wie ich keinen Partner hatten, um mit ihnen zusammen "fröhliche" Weihnachten zu verbringen. Das klappte oft leider nicht so einfach, denn manche suchen in dieser Zeit immer noch dringend einen Partner. Wenn man doch am Ende alleine dasitzt, sagt man sich: "Ich hasse Weihnachten! Warum feiern Japaner Weihnachten?!"

Dieses Jahr ist Weihnachten auch ein Feiertag in Japan. Denn am 23. Dezember ist Feiertag wegen dem Geburtstag des Tennô. Da dieser in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, ist der nächste Tag, der 24.12., auch ein Feiertag. So kann sich ein Alleinstehender leider nicht vor sich selbst rechtfertigen und sagen, er könne keine Weihnachten feiern, da er arbeiten müsse und keine Zeit dazu habe.



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