TEXT von UCHIDA Yukiko
Ich träume relativ häufig, dass ich meine Zähne verliere. Ein sehr furchtbarer Traum, in dem nicht nur einfach ein Zahn ausfällt, sondern alle Zähne im Mund zunächst wackeln, ein Wackeln, das schnell stärker wird. Ich bekomme immer große Angst, weil ich in dem Traum nichts machen kann, um nicht jeden einzelnen Zahn zu verlieren. Noch mehr Angst macht es mir aber, dass ich überhaupt solche seltsamen Alpträume habe. Träumen Sie auch so etwas?
Am Morgen nach einem solchen Traum stehe ich auf und werfe einen Teller auf den Boden, damit er zerbricht. Den letzten Zahn-Traum hatte ich Anfang dieser Woche. In diesem zerbrach mir ein Zahn plötzlich in unzählige Stücke und infolgedessen blutete mein Zahnfleisch so stark, dass ich ihm Traum daran starb! An dem Morgen nach dem Alptraum ging ich gleich zur Arbeit, ohne einen Teller zu zerschmeißen, weil ich den Traum zunächst total vergessen hatte, nachdem ich wach wurde. Aber während der Arbeit fiel er mir plötzlich wieder ein und mir wurde bewusst, dass ich keinen Teller kaputt geworfen hatte! Ich war den ganzen Tag sehr nervös, bis ich endlich nach der Arbeit zu Hause konnte, um einen Teller in Richtung Boden zu befördern.
Ja, das, was mich hier treibt, ist Aberglaube, den ich von meiner Mutter "gelernt" habe. Als ich noch ein Kind war, hörte ich, als ich noch im Bett lag, Krach aus der Küche im Erdgeschoss. Ich ging gleich hinunter und sah dort, wie meine Mutter mit ernstem Gesicht die Scherben eines Tellers zusammenkehrte. Ich fragte sie, was passiert sei. Sie erklärte mir, sie habe geträumt, dass sie ihre Zähne verlor und dies bedeute, dass jemanden, den man liebe, Unglück widerfahren werde. Man könne dies nur abwenden, wenn man eine Teller zerwerfe.. Ich kann mich an diese Szene noch sehr klar erinnern und das ernste Gesicht meiner Mutter dabei nicht vergessen.
Der jüngere Bruder meiner Mutter fragte sie einmal telefonisch, was er machen solle, da er von Zähnen geträumt habe. Sie machte gleich nach dem Telefongespräch einen Teller für ihren Bruder kaputt. Sie musste auch schon viele Teller für mich kaputt machen, wenn ich sie aus der Schule anrief, um zu sagen, dass ich sehr nervös war, weil ich morgens vergessen hatte, einen Teller kaputt zu schlagen.
Am Anfang hatte ich noch darüber gelacht und meiner Mutter gesagt, dass das alles doch nur Aberglaube sei. Inzwischen hat sie mich aber davon überzeugt, dass es nichts schaden kann. Sie sagt, wenn man keinen Teller zerschlägt, muss nicht unbedingt etwas Schlechtes passieren - aber es kann. Wenn man einen Teller zerstört, soll aber nichts Schlimmes passieren und bislang hat dies immer gewirkt. Daher mache ich einfach einen Teller kaputt, um mich selber zu beruhigen. Ich habe schon so viele Teller auf den Boden geworfen, dass ich dafür schon eine saubere Technik entwickelt habe: Teller in eine Tüte stecken, bevor man ihn zerschmeißt, damit keine Scherben in alle Richtungen fliegen!