TEXT von UCHIDA Yukiko
An Aberglauben kann ich eigentlich gar nicht glauben, obwohl ich, wie ich ja bereits letzte Woche schrieb, zugeben muss, dass ich einen Teller zerwerfe, wenn ich zerbrechenden Zähnen träume. Ich glaube daran nicht, habe aber trotzdem Angst es nicht zu tun, weil ja trotzdem etwas Schlimmes passieren könnte. Besonders schlimm ist es, wenn man sagt, dass man jemanden, den man liebt, verlieren könnte, wenn man nicht die von dem Aberglauben geforderte Aktion durchführt und ihn ignoriert.
Ich muss nachträglich noch erklären, dass der Aberglaube um diese Zahn-Träume in Japan wohl nicht sehr verbreitet ist, unter Umständen sogar nur in der überschaubaren Gruppe meiner Familie. Aber es gibt ja auch noch viele andere Aberglauben in Japan, die dann auch so ziemlich allen Japaner bekannt, etwa so bekannt, wie den Deutschen der Aberglaube von der schwarzen Katze, die Unglück bringen soll, wenn sie einem über den Weg läuft. Oder wie der Aberglaube von der Sternschnuppe, bei der man sich etwas dreimal wünschen soll, wenn man sie sieht, damit es sich erfüllt (was übrigens bei mir noch nie geklappt hat: Immer wenn ich, meist in Gruppen unterwegs, eine sah und in Gedanken dreimal schnell hintereinander einen Wunsch äußerte, ging er nie in Erfüllung). Ein weiteres Beispiel ist vierblättriger Klee, von dem man sagt, er bringe Glück. Gegen solchen Aberglauben, der Glück bedeutet, habe ich nichts, weil er mich nicht dazu zwingt, an ihn zu glauben und irgendetwas zu tun. Diese Form von Aberglaube ist einfach nur nett.
Als wir Kinder waren, wurde uns gesagt, dass wir nachts nicht pfeifen dürfte, weil sonst eine Schlange komme. Oder wenn man sich gleich nach dem Essen hinlege, verwandele man sich in eine Kuh. Wenn man Reis nicht aufesse, könne man nicht mehr gesehen werden. Wenn man auf einen Regenwurm Pipi mache, bekomme man (als Junge) einen striemigen Penis. Das sind alles solche Dinge, die man nicht darf und damit lehren Eltern ihren Kindern eine Form von (für die Kinder) angstvollem Aberglauben. Lauter Verbote und Gebote, eingepackt in Aberglaube: Nachts darf man nicht laut sein, es ist ungesund, wenn man sich nach dem Essen hinlegt, Reis ist unsere Hauptnahrung und man darf nicht draußen, also mit schmutzigen Hände, urinieren (obwohl ich davor gar keine Angst hatte). Irgendwie sind dies aber auch noch nette Aberglauben, oder?
Mich stören aber die Aberglauben, die mir sagen, dass ich jemanden verliere, den ich liebe, wenn ich das und das mache oder nicht mache. Wenn ich einen solchen Aberglauben einmal höre, bin ich fortan gezwungen an ihn zu glauben, weil ich niemanden verlieren will. Zum Beispiel: Wenn man nachts die Nägeln schneidet, kann man die Eltern auf ihrem Totenbett sehen. Der Ursprung dieses Aberglaubens liegt glaube ich in früheren Zeiten, als man Nachts nicht genügend Licht hatte, um sich die Nägel zu schneiden und es daher passieren konnte, dass man die Nägeln zu tief abschnitt. Diesem Aberglauben folge ich aber trotzdem noch, und das, obwohl ich immer nachts merke, dass meine Nägel zu lang geworden sind und eigentlich geschnitten werden müssten. Sonst glaube ich, neben dem Zahn-Traum und der Nägelsache noch daran, dass man neue Schuhe erst in der Nacht einweihen darf, obwohl ich hierbei nicht weiß, warum. Zu guter letzt töte ich nachts keine Spinnen, weil man sagt, dass man dann Geld verliere.