TEXT von UCHIDA Yukiko
Es gibt relativ viele Leute, die Japan mit China verwechseln. So wird zum Beispiel gerne behauptet, dass alle Japaner Fahrrad fahren. Ich habe sogar einmal eine Nachricht eines berühmten amerikanischen Mediendienstes gefunden, bei dem als Quellenort "Tokyo, China" angegeben war. Es liegt vielleicht daran, dass wir Nachbarn sind, wir beide sehr ähnlich aussehen und daran, dass Japan in seiner Geschichte von China beeinflusst wurde. Japaner benutzen zwar die chinesischen Schriftzeichen, Kanji, aber wir können nicht einfach Chinesisch, ohne es zu lernen. Japan und China unterscheiden sich absolut voneinander! Aber wie stark eigentlich?
Ich war noch nie in China und habe hier in Japan auch keine chinesischen Bekannten. Um die Unterschiede zwischen Japan und China aufzuzählen, konnte ich nur auf subjektive Eindrücke und Vorurteile zurückgreifen: So stellte ich mir vor, Chinese seien aggressiver (vielleicht wegen des Klangs ihrer Sprache) und positiver und stärker im Vergleich zu den eher zurückhaltenden Japanern. Besonders wenn man betrachtet, wie gut Chinesen überall auf der Welt in ihren "China Towns" wirtschaften... So wenig informiert und so schlecht konnte ich nur von China sprechen? Ich sollte die anderen demnach nicht auslachen, die Japan mit China verwechseln.
Mitte diesen Monats, vor dem chinesischen traditionellen Neujahrfest, bin ich zum ersten Mal nach Taipeh gereist. Die Stadt ist lebendig und voller Power! Die Nachtmärkte und die Marktstraßen wie die Tihua Strasse sind selbst spät in der Nacht voll von Leuten, so, als denke niemand darüber nach, dass am nächsten Morgen wieder gearbeitet werden muss und man eigentlich früher nach Hause fahren sollte. Ich sah kaum Fahrradfahrer, dafür aber unglaublich viele Motorrad- Motorrollerfahrer. Zudem bewunderte ich sehr schöne bunte Häuser mit viel Rot und Gold, die meist typisch Chinesisch aussahen. Die Speisen dort waren alle sehr lecker. Auch der chinesische Tee, den wir Japaner auch in Japan sehr oft und gerne trinken, schmeckte so gut, dass ich mich fragen musste, was für einen Tee ich bislang in Japan getrunken hatte. Die Leute waren nett und freundlich und gar nicht dominant, so wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern eher ein bisschen schüchtern wie wir Japaner. Ich kann zwar kein Chinesisch verstehen, aber lesen, wenn irgendwo etwas stand. Alles was ich dort sah und erlebte, war zwar durchaus nichts Ungewöhnliches, aber interessanterweise trotzdem irgendwie neu und frisch.
Ich weiß, dass ich durch lediglich einen Trip nach Taipeh, das mal von Japan regiert wurde, nicht ganz China kennen lernen konnte. Aber ich fühlte dort eine sehr kräftige asiatische Power und erinnerte mich an eine Reise nach Hongkong vor ein paar Jahren, bis 1997 eine englische Kolonie, wo ich das selbe Gefühl hatte.