TEXT von UCHIDA Yukiko
In diesem Sommer ist es nicht sehr heiß in Tôkyô. Heute, schon Mitte Juli, war es nur 24 Grad warm, als ich gegen 17.00 Uhr zufällig auf ein digitales Thermometer an einem Gebäude sah. Vor ein paar Tagen war mir so kalt, dass ich die Heizung anmachen musste. Dieser Sommer ist wirklich komisch und es ist mindestens genauso komisch, dass ich den Heizofen immer noch nicht weggeräumt habe.
Übrigens machte es mir immer sehr viel Spaß, in Deutschland die Thermometer anzuschauen. Dort hängen sie nahezu überall, zum Beispiel bei Apotheken oder Uhrenläden. Wenn man über die Straßen geht, kann man immer interessante Entdeckungen machen: "Wirklich? Ist es jetzt doch 35 Grad! Es ist schon heiß, aber ohne so viel Feuchtigkeit, ist es gar nicht so unangenehm, wie es jetzt in Japan wäre". Oder: "Minus 5 Grad?! Ein Thermometer, das unter Null Grad anzeigt, habe ich bis auf in einem Kühlschrank noch nie gesehen!". So konnte ich die Wetterlage nicht nur fühlen, sondern auch noch ablesen.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Deutschen sehr gerne und oft über das Wetter reden, im Vergleich zu Japanern, die darüber relativ oft reden. Und darum frage ich mich, warum es in Deutschland überall so viele Thermometer gibt. Auch in Japan gibt es Thermometer auf den Straßen, aber eben nicht so viele wie in Deutschland, wo man alle paar Meter ablesen kann, wie heiß es gerade ist.
Man sagt, Deutsche bräuchten Zahlen, um eine Aussage machen zu können. Soetwas wie "die Stadt liegt 132 Km weit von hier entfernt", anstatt es wie Japaner an der Zeit für die Strecke bis zum Ziel festzumachen ("die Stadt liegt mehr als 2 Stunden mit dem Zug entfernt"). Was mich auch immer noch zum Staunen bringt, ist wie wichtig Deutschen die genaue Einwohnerzahl einer Stadt ist und wie sie diese Zahl herausfinden. Dieses mit den Zahlen berücksichtigend ist es wohl für Deutsche besonders wichtig, genau zu wissen wie warm es genau ist. Es reicht nicht, zu wissen dass es warm oder kalt ist.